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Viel los ist ab Ende Mai auf der Isar. Probleme gibt es oft mit den unorganisierten Bootsfahrern. Kommerzielle Anbieter haben bereits vergangenes Jahr eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschrieben, auf die Natur zu achten.

Saisonstart auf dem Wasser

„Die Isar ist keine Partyzone“

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Artenvielfalt oder Freizeitspaß? Naturschützer bereiten sich wieder auf das Streitthema Bootsfahren auf der Isar vor. Die Saison beginnt Ende Mai. 

Das Pfingstwochenende ist vorbei – ohne Massen-Rafting auf der Isar. Die entsprechende Facebookparty wurde zuvor abgesagt (wir berichteten). Das Thema Bootsfahren auf dem Wildfluss hat sich damit aber nicht erledigt, es fängt gerade erst an. Die Saison beginnt Ende Mai – mit Rücksicht auf das Brutgeschehen sollte man vorher nicht auf der Isar Boot fahren.

Dass es heuer ruhiger am Wildfluss wird, hofft Franz Steger, Leiter des Sachgebiets Umwelt am Landratsamt. „Die Haupteinstiegsstelle für Boote fällt weg“, sagt Steger. Dahinter steckt aber kein Verbot, sondern schlicht die Baustelle an der Isarbrücke unterhalb des Sylvensteins, die voraussichtlich bis Mai 2017 besteht.

„Wir weisen darauf hin, dass man seine Bootstour anders plant oder gar nicht macht“, so Steger. Es gebe zwar andere Stellen weiter nördlich an der Isar, an denen man losfahren kann, dort sei es aber schwieriger zu parken. „Bootsfahrer sollten auf keinen Fall die stark befahrene Bundesstraße queren“, mahnt Steger. Auch, sich an anderen Stellen einen Weg querfeldein zur Isar zu suchen, ist keine Option im Naturschutzgebiet.

In den vergangen Jahren herrschte besonders an heißen Tagen reger Verkehr auf dem Wildfluss. „Wir haben festgestellt, dass die Belastungsgrenze für das Naturschutzgebiet erreicht ist“, sagt Fabian Unger, Diplom-Geograf beim Landesbund für Vogelschutz im Landkreis. Seit es den Facebook-Aufruf zum kollektiven Bootsfahren an Pfingsten auf der Isar gab, durchforsten Unger und seine Kollegen verstärkt soziale Medien. „Massenveranstaltungen in der Brut- und Laichzeit stellen ein erhebliches Gefährdungspotenzial dar“, sagt Unger. Darauf wies der LBV auch den Veranstalter hin, der seinen Aufruf auf Facebook daraufhin zurückzog.

228 Bußgeldverfahren

Unger will die Menschen dafür sensibilisieren, dass die Isar noch ein ganz besonderes Arteninventar aufweist. Das will er auch außerhalb des Internets tun. „Wir gehen mit einem kleinen Infostand ans Gewässer, um zielgruppenspezifisch auf das Naturschutzgebiet aufmerksam zu machen“, so der Diplom-Geograf. Die Aktion ist bereits genehmigt, der LBV wird aber noch die Gemeinden informieren. Aufgeklärt werden sollen vor allem unorganisierte Schlauchbootfahrer. Kommerzielle Anbieter haben bereits vergangenes Jahr eine freiwillige Selbstverpflichtung unterschrieben, auf die Natur zu achten.

Auch das Landratsamt bereitet sich auf die Bootssaison vor. Dahinter steckt die Idee, ein Nebeneinander von Erholung und Naturschutz zu ermöglichen. „Die Isar ist keine Partyzone“, sagt Steger. Es gehe darum, die Augen aufzumachen für das, was das Schutzgebiet ausmacht. „Die Isarranger sind ebenfalls wieder im Einsatz“, sagt Steger. 2015 gab es 228 Bußgeldverfahren wegen Verstößen in Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Bootfahren ist keine Ordnungswidrigkeit, sehr wohl aber die Begleiterscheinungen: Zelten, Feuer machen, Müll hinterlassen. Steger: „Die Sehnsucht nach Wildnis ist groß, um die aber länger zu haben, muss man bestimmte Regeln setzen.“

Wildfluss Isar: Warum ist das eigentlich so besonders?

Die Isar ist eine der letzten Wildflusslandschaften Europas. Von der Landkreis-Grenze im Süden bis Schäftlarn ist sie als Landschafts- beziehungsweise Naturschutzgebiet ausgezeichnet. Stark bedrohte Tier- und Pflanzenarten finden an der Isar noch einen Lebensraum. Wie zum Beispiel der Flussuferläufer. Bei Monitoring-Bootsfahrten versuchen Freiwillige vom LBV jedes Jahr herauszufinden, auf welchen Kiesbänken der etwa 20 Zentimeter große Vogel brütet. „Der Flussuferläufer gilt als besonders schwierige Vogelart, wenn es darum geht, Brutpaare herauszufinden“, sagt Ornithologe Heribert Zintl aus Lenggries. Die Tierschützer suchen nicht nach Nestern, sondern beobachten das Verhalten. Da kann es vorkommen, dass ein Flussuferläufer Reviergesänge von sich gibt, obwohl er nicht auf der Insel brütet, sondern nur Zwischenstation auf seinem Heimzug macht. Im ersten Maidrittel beginnt die Brutzeit, Anfang Juni beginnt die entscheidende Phase für die Jungvögel. Heuer haben die Vogelexperten laut Zintl bereits ein paar Brutplätze ausgemacht. „An der unteren Strecke der Isar gibt es einen guten Bestand. An der oberen bisher nur eine Stelle“, sagt Zintl. Die Naturschützer kennzeichnen die entsprechenden Kiesbänke. Bootsfahrer sollten ruhig daran vorbeifahren und die Inseln nicht betreten. Wie der Flussuferläufer ist auch der Flussregenpfeifer ein Kiesbrüter. Das gefährliche: Seine Eier sind gut getarnt und werden deshalb oft ungewollt zertreten. Kiesinseln sind Lebensraum der bodenbrütenden Vogelarten Flussregenpfeifer und Flussuferläufer und dürfen deshalb in der Zeit vom 15. März bis 10. August nicht betreten werden.

Aber auch im Wasser lebt eine stark bedrohte Art: Der Huchen ist die größte Fischart der oberen Isar und steht als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste. Der Laich kann mit Boot und Paddel zerstört werden, wenn durch flaches Wasser gefahren wird.

Um diese und andere Arten an der Isar zu schützen, gibt das Landratsamt Bootsfahrern und Erholungssuchenden folgende Tipps: Boote nicht im seichten Wasser über das Kiesbett ziehen, nur vorhandene Ein- und Ausstiegsstellen nutzen, Lärm vermeiden, nicht Zelten, kein Feuer machen, Müll mit nach Hause nehmen, keine Glasflaschen verwenden. Im Wildwasser sollten Bootsfahrer außerdem auf geeignete Schlauchboote, Helme und Schwimmwesten achten.

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