+
So geht’s nicht mehr: Glasflaschen sind beim Bootfahren auf der Isar laut der seit heuer geltenden Verordnung tabu. Außerdem gilt eine 0,5-Promille-Grenze für Bootsführer. 

Bilanz nach erster Saison

Bootsverordnung für die Isar: Gut für Fische, schlecht für Einhörner

  • schließen

Promillegrenze, Glasflaschenverbot, zeitliche Beschränkungen: Die neuen Regeln fürs Bootfahren aus der Isar zeigen Wirkung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nach der ersten Saison, in der die neue Bootfahrverordnung auf der Isar galt, zieht das Tölzer Landratsamt eine durchweg positive Bilanz. In der Behörde seien deutlich weniger Beschwerden über Radau und Naturfrevel eingegangen. Die Freizeitkapitäne hätten sich einsichtig gezeigt. „Niemand fühlte sich gemaßregelt oder in seinen Freiheitsrechten beschränkt“, sagt die zuständige Abteilungsleiterin Carolin Singer. Scherzhaft fügt sie hinzu: „Es wurden keine schwimmenden Einhörner und Flamingos mehr gesichtet.“

Wie berichtet ist heuer eine Verordnung in Kraft getreten, die einige Verhaltensvorschriften für Freizeitkapitäne auf der Isar vorgibt. Eine Hauptwirkung der Bootfahrverordnung sei es gewesen, den Bürgern so manches ins Bewusstsein zu rufen, was eigentlich schon der gesunde Menschenverstand vorgebe, meint Singer. Die breite Medienberichterstattung habe da geholfen. „Keiner kann sich damit herausreden, dass er nichts davon gehört hat.“

Isar-Ranger waren praktisch am ganzen Flussflauf der Isar unterwegs

Viele Zweifel gab es im Vorfeld, ob die Einhaltung der Vorschriften zu kontrollieren sei. Doch die elf Isar-Ranger seien praktisch „am ganzen Flusslauf präsent“ gewesen und hätten gerade die typischen Einstiegsstellen der Bootsfahrer abgedeckt, so Singer. Dort seien sie weniger als Kontrolleure aufgetreten, sondern hätten Aufklärungsarbeit und Umweltbildung geleistet. „Dieses Angebot wurde gut angenommen. Die Ranger haben nicht berichtet, dass ihnen gegenüber jemand aggressiv aufgetreten wäre.“

Eines der Hauptthemen sei das Verbot von Glasflaschen an Bord gewesen. „Viele meinten, dass gerade unter Umweltaspekten Glasflaschen besser seien als PET-Flaschen.“ Ihnen erklärten die Ranger, wie gefährlich Glasscherben für Mensch und Tier sind. Die Ranger boten als Service an, ihre Glasflaschen entgegenzunehmen. „Natürlich hat der eine oder andere versucht, eine Flasche durchzuschmuggeln, aber das war mehr im Spaß.“

Künftig ausgebaut werden soll laut Cornelia Breiter, im Landratsamt Sachgebietsleiterin für Wasserrecht, die Zusammenarbeit mit Kiosken, Tankstellen und Getränkemärkten, in denen sich Bootsfahrer gern eindecken. Dort sollen die Kunden mit Aushängen auf das Glasflaschen-Verbot hingewiesen werden.

Landratsamt führt keine Promille-Kontrollen beim Bootfahrern auf der Isar durch 

In der Isarverordnung festgehalten ist auch eine 0,5-Promille-Grenze für die Bootslenker. Auch da spöttelte so mancher, ob man nun die Kapitäne ins Röhrchen blasen lassen wolle. „Wir werden keine Alkoholtests durchführen“, stellt Carolin Singer klar. „Wenn jemand offensichtlich alkoholisiert ist, kann er angesprochen werden.“ So jemanden hätten die Ranger in dieser Saison aber gar nicht angetroffen. Davon abgesehen sei die Promillegrenze „nichts Neues“, sondern nur ein Hinweis auf die ohnehin geltende Schifffahrtsordnung. Relevant werde die Grenze, wenn es zum Beispiel um die Kosten für Rettungseinsätze oder die Entschädigung von Verletzten nach Unfällen gehe.

Nur eine uneinsichtige Gruppe in der Pupplinger Au bekam eine Anzeige

Bußgelder gegen Isarkapitäne verhängte das Landratsamt in diesem Sommer nicht. Eine Ordnungswidrigkeitenanzeige bekam lediglich eine Gruppe von Männern. Die Polizei erwischte sie zuerst, als sie im Naturschutzgebiet in der Pupplinger Au verbotenerweise zelteten und ein Lagerfeuer entzündet hatten. Statt sich nach einer Ermahnung reuig zu zeigen, fuhren sie im Schein ihrer Taschenlampe mit dem Schlauchboot los und verstießen damit auch noch gegen das Verbot, zwischen 20.30 und 7 Uhr über die Isar zu schippern.

Lesen Sie auch: Isar-Verordnung: Kanuverband klagt gegen Regeln für Bootsfahrer - Landrat bleibt gelassen

Die Isar-Ranger hingegen würden auf eine Meldung ans Landratsamt verzichten, wenn sie auf Einsicht stoßen. „So schaffen wir auch Akzeptanz“, sagt Cornelia Breiter.

Insgesamt war zu beobachten, dass im Sommer 2019 auf der Isar nicht mehr derselbe Hochbetrieb herrschte wie in den Vorjahren. „Das war ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren“, meint Breiter. So sei das Wetter an vielen Wochenenden schlechter gewesen. Möglich sei auch, dass sich so mancher, der seinen Bootsausflug als reine Sauf- und Partytour plante, abhalten ließ. „In den Köpfen hat sich was bewegt“, meint Carolin Singer.

Lesen Sie auch: Die Isar: Eine „Fluss-Persönlichkeit“

Die Isarverordnung hat sich aus Sicht des Landratsamts so weit bewährt, dass sie im kommenden Jahr unverändert weitergelten soll. Sobald ein laufendes Monitoring – also eine Untersuchung und Beobachtung des Lebensraums Isar – abgeschlossen und ausgewertet sei, werde sich zeigen, ob nachgebessert werden muss.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Liveticker: Tölzer Löwen ringen Nauheim nieder - und ziehen die Play-offs ein
Für Löwen-Trainer Kevin Gaudet ist es das wichtigstes Jahres: An diesem Freitag kämpfen die Tölzer Löwen um die direkte Qualifikation für die Play-offs. Wie das Spiel …
Liveticker: Tölzer Löwen ringen Nauheim nieder - und ziehen die Play-offs ein
Tölz live: Tipps für das Wochenende 
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Tipps für das Wochenende 
Kommunalwahl 2020: Markus Landthaler (FW) will für Lenggries, dass „das Dorf Dorf bleibt“
Fürs frei werdende Bürgermeisteramt in Lenggries schicken die Freien Wähler Markus Landthaler ins Rennen. Der 50 Jahre alte Polizist nimmt sich jedes Jahr eine Auszeit …
Kommunalwahl 2020: Markus Landthaler (FW) will für Lenggries, dass „das Dorf Dorf bleibt“
Sturm „Bianca“: B11 blockiert, Holzhütte auf Straße geweht
Sturm „Bianca“ sorgte in der Nacht zum Freitag für zahlreiche Feuerwehr-Einsätze. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, mehrere Verbindungen wurden gesperrt.
Sturm „Bianca“: B11 blockiert, Holzhütte auf Straße geweht

Kommentare