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Montessori-Schule Bad Tölz

14-Jähriger zündelt und steckt Schule in Brand: Ermittlung wegen Brandstiftung

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Mindestens 100 000 Euro Sachschaden entstand am Montagabend beim Brand der Turnhalle der Tölzer Montessori-Schule. Die Polizei geht davon aus, dass ein 14-Jähriger für das Feuer verantwortlich ist. Gegen ihn wird wegen vorsätzlicher Brandstiftung ermittelt.

Bad Tölz - Montessori-Geschäftsführerin Annette Weber hatte gerade das Lagerfeuer im Sommercamp der Schüler am Montessori-Kindergarten  entzündet, als ihr Handy klingelte. Ein Vater teilte ihr mit, dass die Schule auf der Flinthöhe brennt. Ein Anruf, der für „heillose Aufregung“ bei den Kindern gesorgt habe, berichtet Weber. „Da sind schon bei einigen die Tränen gelaufen.“ Weber selbst machte sich sofort auf den Weg zum Schulhaus. Dort war gegen 20.50 Uhr die Feuerwehr mit knapp 40 Kräften und zahlreichen Einsatzfahrzeugen angerückt, nachdem die Brandmeldeanlage der Schule Alarm ausgelöst hatte.

100.000 Euro Schaden

Beim Eintreffen der Helfer habe es auf der Rückseite des gläsernen Verbindungsbaus zwischen Schule und Turnhalle außen gebrannt, schildert Hermann John von der Tölzer Feuerwehr. Ein Strandkorb, der dort lagerte, war in Flammen aufgegangen. „Von dort brannte es an der hölzernen Fassade hoch. Auch das Dach hat es erwischt.“ Durch die große Hitzeentwicklung zerbarsten zudem die Scheiben des Verbindungsbaus. Außerdem breitete sich Rauch im Schulhaus aus, „weil sich die Brandschutztüren nicht geschlossen haben“, sagt John. Ob die Rauchentwicklung zu gering war, um den Mechanismus zu aktivieren oder ob es sich um einen technischen Defekt handle, müsse man prüfen, sagte der ehemalige Kreisbrandinspektor.

Das Feuer hatten die Brandschützer schnell unter Kontrolle. Trotzdem gestaltete sich der Einsatz langwierig. Die Floriansjünger suchten die Hallenfassade nach Glutnestern ab, ein Teil des Dachs musste geöffnet werden.

Ermittlung wegen vorsätzlicher Brandstiftung

Das ganze Ausmaß des Brandes nahm Weber nach dem Ende der Löscharbeiten in Augenschein. „In der Turnhalle ist ein tragender Balken verkohlt, die Fenster hat es zerrissen, und die Kabel der Elektrik hängen runter.“ Sie hält den von der Polizei auf rund 100 000 Euro geschätzten Schaden für noch höher – auch weil einiges erst noch geprüft werden müsse. „Wir müssen beispielsweise die Fitnessgeräte untersuchen.“ Den Kunststoffschnüren, an denen die Gewichte hängen, könnte die Hitze durchaus einiges angehabt haben. Das kann man auch im Verbindungsbau sehen: Plastikabdeckungen an der Wand sind dort einfach geschmolzen.

Noch am Abend hatte der Kriminaldauerdienst aus Weilheim die Ermittlungen übernommen. Schnell gab es Hinweise auf Brandstiftung. „Zeugen hatten vier Jugendliche gesehen, die im Garten der Schule unterwegs waren und dann weggelaufen sind“, sagt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Da einige Zeugen, die Teenager zumindest vom Sehen kannten, hatte die Polizei die Personalien rasch herausgefunden. In der Vernehmung gab ein 14-Jähriger dann zu, den Strandkorb angezündet zu haben. „Er hat auch gesagt, dass er das mit der Halle nicht gewollt hat“, sagt Sonntag. Gegen den Buben laufen nun Ermittlungen wegen vorsätzlicher Brandstiftung. Die weiteren Untersuchungen müssten auch zeigen, so Sonntag, ob sich die drei anderen Burschen einer Tatbeteiligung schuldig gemacht haben. Verantworten muss sich der mutmaßliche Täter auf jeden Fall: Mit 14 ist er strafmündig.

Keiner der Jugendlichen meldete sich

Traurig findet Annette Weber, dass sich am Tag nach dem Brand keiner der vier Jugendlichen bei ihr gemeldet hat. „Wäre das mein Sohn gewesen, hätte ich ihn mit Blumen und einem Besen zur Schule geschickt und ihm gesagt: ,Jetzt pack’ das an wie ein Mann.‘“ Dass die Eltern das nicht veranlasst haben, „finde ich schade. Es zeigt aber vielleicht, wie allein diese vier Jugendlichen sind“.

Neben Polizei, BRK und der Tölzer Feuerwehr waren am Montag auch Kräfte aus Greiling vor Ort. Mit alarmiert waren zudem die Feuerwehren Lenggries und Reichersbeuern. Sie mussten aber nicht mehr eingreifen. Verletzt wurde bei dem Brand niemand. Das hätte aber auch anders ausgehen können: Wäre das Wetter am Montag schlecht gewesen, wäre das Sommerlager vom Freigelände des Kindergartens in die Schule verlegt worden.

Und wer kommt für den Schaden auf? „Generell ist ein 14-Jähriger über die private Haftpflicht seiner Eltern versichert – so sie eine haben“, sagt ein Sprecher vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Ob sie aber wirklich den gesamten Schaden übernimmt, hänge aber von vielen Faktoren ab.

Feuer in der Tölzer Montessori-Schule: Bilder

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