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Biergenuss in Gesellschaft gibt es derzeit nicht. Die Brauereien sind in Sorge.

Corona Krise 

Hauptproblem: „Bier darf nix kosten“

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Die Corona-Krise breitet sich auf nahezu alle Lebensbereiche und Branchen aus. Der Folgen könnten fatal sein. Auch die Brauereien sind mittlerweile in großer Sorge.

Sachsenkam/Bad Tölz – Das Leben steht durch die Corona-Krise still, alle Restaurants sind geschlossen. Dies bereitet auch den Brauereien im Landkreis große Sorgen: „Alles liegt am Boden. Wenn das nach dem 19. April noch so weitergeht, wird’s existenzbedrohend“, sagt Achim Bürklin, Geschäftsführer und Inhaber des Tölzer Mühlfeldbräu. Der Mühlfeldbräu hat einen Hauptabnehmer, das Gasthaus – und das ist derzeit geschlossen. Zugleich wundert sich Bürklin darüber, dass die Nachfrage aus den Super- und Getränkemärkten geringer ist als üblich. „Dabei sollte man meinen, dass der Absatz dort eher zunimmt.“ Aufgrund der geringen Nachfrage wird momentan im Mühlfeldbräu überhaupt kein Bier gebraut. Grundsätzlich sei es für Brauereien nicht einfach zu überleben, sagt der Geschäftsführer: „Das Hauptproblem ist, dass Bier nichts kosten darf. Bier wird sofort nicht mehr gekauft, wenn es etwas teurer wird – ganz anders als Beispiel beim Wein.“ 

Im Mühlfeldbräu wird aktuell nicht mehr gebraut 

Zugleich seien die Herstellungskosten aber hoch, gerade in kleinen Brauereien, die regionale Rohstoffe einkaufen: „Daher bleibt nicht viel Luft.“ Die drei Vollzeitkräfte und zwei Lehrlinge machen derzeit Kurzarbeit. Sicherheitshalber hat der Mühlfeldbräu auch staatliche Hilfe beantragt. Noch sei die Situation aber entspannt, daher will sich Bürklin nicht allzu sehr beklagen. Er selbst nutzt die Zeit, um Arbeiten zu erledigen, die schon lange liegen geblieben sind. Zugleich zog er mit seinem Büro von der einen Seite des Hofs auf die andere Seite um. Der Mühlfeldbräu wird renoviert, und die Maschinen werden auf Vordermann gebracht. „Ein, zwei Wochen muss ein Unternehmen so was schon durchhalten können“, sagt Bürklin.

„Wenn das nach dem 19.April noch so weiter geht, wird‘s existenzbedrohend“

Etwas anders ist die Situation bei der Klosterbrauerei Reutberg. „Wir verkaufen mehr Flaschenbier an Privathaushalte als vor der Krise“, sagt Geschäftsführer Stephan Höpfl: „Der Heimdienst und der Absatz in den Getränkemärkten sind aber das einzige, was zufriedenstellend läuft.“ Die Einbußen in der Gastronomie ließen sich damit nicht ausgleichen, schließlich beliefern die Reutberger an die 100 Gaststätten. Hinzu kommt, dass viele Veranstaltungen ausfallen, etwa das Josefifest. Auch etliche Mai- und Vereinsfeiern seien schon abgesagt. Insgesamt sei der Absatz bisher um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen, sagt Höpfl. Um Kosten zu sparen, wird bei der Genossenschaftsbrauerei der geplante Austausch von Maschinen vorerst zurückgestellt. Zudem nutzen die Reutberger staatliche Hilfen wie Steuerstundungen. Nicht zuletzt bekommt die Brauerei zwischen 12 000 und 15 000 Euro Soforthilfe. „Mit 15 Beschäftigten kommt man damit aber auch nicht weit“, sagt Höpfl. Um einigermaßen sicher zu gehen, dass nicht alle Beschäftigten gleichzeitig in Quarantäne müssen, wird in zwei Gruppen gearbeitet. Immerhin haben die Reutberger – im Gegensatz zu vielen anderen Brauereien – nicht das Problem, dass Leergut fehlt. Dennoch appelliert Höpfl an die Verbraucher, leere Flaschen schnell wieder zurück zu geben: „Wenn die Leute mit der Rückgabe warten, bis alles wieder normal läuft, könnte es schon Probleme geben.“

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