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Rund 800-mal wurden im Leitenberg-Fall DNA-Tests veranlasst – bislang vergeblich. 

Kriminalfall Leitenberg – Folge 6: Die DNA-Spur  

Brauneck-Vergewaltiger: „Wir dachten, wir haben ihn“

Lenggries - DNA wie Fingerabdrücke sind unverwechselbare und eindeutige Hinweise in einem Kriminalfall. Der Brauneck-Täter hat zahlreiche DNA-Spuren hinterlassen. Kein Wunder, dass die Ermittler große Hoffnungen in diese Spuren setzten. Bis heute vergeblich. Einmal, kurz nach der Tat, glaubte die Kripo, den Mann gefunden zu haben.

Um Weihnachten 2006 herum, also etwa einen Monat nach dem Überfall auf die 67-jährige Münchnerin, bekam die Kripo Weilheim einen Anruf von den Kollegen aus der Schweiz. Der in der BKA-Datenbank eingespeiste Spurensatz des Brauneck-Täters war auch in den Nachbarländern überprüft worden.

Die Mitteilung, so erinnert sich der Leiter der Kripo, Markus Deindl, lautete: „Es liegt ein Treffer vor.“ Ein Treffer bedeute in Deutschland, dass man mit 95-prozentiger Sicherheit den Gesuchten identifiziert hat. Kein Wunder, dass die Ermittler in der Soko Leitenberg elektrisiert waren und das Wort vom vorgezogenen Weihnachtsgeschenk die Runde machte. Und natürlich setzte sich umgehend ein Team in Richtung Grenze in Bewegung. Die Schweizer Kollegen hatten inzwischen eine Speichelprobe bei dem Verdächtigen genommen. Der Mann sei, so Deindl, nur zu gerne bereit gewesen, jeglichen Argwohn aus der Welt zu schaffen. Zurecht, wie sich herausstellte. Die Datenbanksysteme in der Schweiz und Deutschland erwiesen sich als nicht vollständig kompatibel, berichtet Deindl. Die DNA des Brauneck-Täters und des Schweizers waren eben nicht identisch. Deindl: „Wir waren uns sicher gewesen, dass wir ihn haben.“

Rund 800-mal wurde seitdem – vergeblich – ein DNA-Test veranlasst, sagt Deindl. Ihm liegt am Herzen, die Bevölkerung über das Verfahren aufzuklären. „Es gibt da viele falsche Vorstellungen.“ Speichelproben sind freiwillig und werden immer von zwei Beamten beim Probanden genommen.

Um sicher zu gehen, werden zwei Stäbchen in der Mundhöhle befeuchtet. Die Probe geht anonym an das DNA-Labor im Landeskriminalamt, wird dort analysiert und zu einem achtstelligen Code verarbeitet. Er wird mit dem vorhandenen Täter-DNA-Code verglichen. Der Fall-Sachbearbeiter bei der Kripo – und zwar nur er – erhält daraufhin das Ergebnis. Ist es negativ, wird die Probe vernichtet. Übrig bleibt lediglich eine unterschriebene Einverständniserklärung des Probanden.

Deindl betont auch, dass das Resultet einer Speichelprobe nur mit dem aktuellen Fall überprüft werden darf. „Das ist Gesetzeslage.“ Die Polizei darf also nicht den Code einer freiwilligen Probe in die BKA-Datenbank eingeben, um ihn routinemäßig mit allen ungeklärten Fällen abzugleichen. Mörder gesucht, gesuchten Gauner gefunden: In gängigen TV-Krimi-Formaten wird gerne mit diesem Klischee gearbeitet. Kommt man als Ermittler nicht doch mitunter in Versuchung, DNA-Codes umfänglich checken zu lassen. Deindl winkt ab. „Wir sind Beamte und ans Gesetz gebunden.“ Im Übrigen verhindere das Vielaugenprinzip in den verschiedenen Dienststellen und Abteilungen den Missbrauch.

Zahlreiche Altfälle konnten in den letzten 20 Jahren aufgrund alter Täter-DNA-Spuren geklärt werden, darunter 2006 ein Doppelmord in Vorderriß (1976) und Bad Tölz (1977). Die Kriminaltechnik macht nicht nur bei der DNA-Untersuchung riesige Fortschritte. Deshalb musste auch die Frage des Tölzer Kurier nach einer Fotografiererlaubnis einiger Asservate im Leitenberg-Fall von der Polizei abgelehnt werden. Alle Verwahrstücke werden in Spezialverpackung bei Kripo oder LKA aufbewahrt. Auch in zwei Jahrzehnten muss der heute etwa 55-jährige Brauneck-Täter damit rechnen, dass neue Analyseverfahren neue Erkenntnisse über ihn erbringen und ihn dann vielleicht überführen.

Christoph Schnitzer

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