Statt des gewohnten handlichen Taschenfahrplans hat die Gaißacherin Karin Banik nur noch einen mehrseitigen Ausdruck Fahrplan im Din-A-4-Format erhalten – nicht gerade praktisch, wie sie findet.
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Statt des gewohnten handlichen Taschenfahrplans hat die Gaißacherin Karin Banik nur noch einen mehrseitigen Ausdruck Fahrplan im Din-A-4-Format erhalten – nicht gerade praktisch, wie sie findet.

Unternehmen setzt ganz auf Internet und App

Kundin ist baff: BRB-Fahrplan für die Tasche - das gibt‘s nicht mehr

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Viele Zug-Fahrgäste sind es gewöhnt, einen kleinen faltbaren Fahrplan in der Tasche dabei zu haben. Doch die Kunden der Bayerischen Regiobahn müssen sich umstellen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Karin Banik war schier sprachlos: Als sie kürzlich wie gewohnt in der Tölzer Tourist-Info den neuen Taschenfahrplan der Bayerischen Regiobahn (BRB) abholen wollte, bekam sie zur Antwort: Den gibt es nicht mehr. Die Mitarbeiterin der Tourist-Info habe sich dennoch sehr bemüht und für sie eigens eine pdf-Datei auf A4-Blättern ausgedruckt, schildert die 72-jährieg Gaißacherin. Doch das zehnseitigen Konvolut, zusammengehalten von einer Heftklammer, findet sie nicht wirklich praktisch – vor allem im Vergleich zu dem handlichen Faltblatt, das sie bisher bequem in die Handtasche stecken konnte.

Tatsächlich bestätigt BRB-Sprecherin Annette Luckner aus Anfrage des Tölzer Kurier: „Ja, es gibt seit der Fahrplanumstellung am 13. Dezember keine gedruckten BRB-Fahrpläne mehr.“ Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) – also die Stelle, die im Auftrag des Freistaats den Schienenpersonennahverkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert – sei davon abgekommen, von den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) die Ausgabe von Fahrplänen in Pappierform zu verlangen.

Laut BRB sinkt die Nachfrage nach gedruckten Fahrplänen

Annette Luckner führt ins Feld, dass die Nachfrage nach gedruckten Fahrplänen stetig sinke. Zudem „nützt den Fahrgästen der schönste Fahrplan nichts mehr“, wenn es wegen Baustellen oder anderen nicht planbaren Faktoren Verspätungen gebe. Anders sei dies, wenn sich die Fahrgäste über die Internetseite beziehungsweise die Smartphone-App über die Abfahrtszeiten der Züge informieren. Auf der Internetseite der BRB stehe der komplette fahrplan zudem zum Herunterladen und Ausdrucken zur Verfügung. Wer Hilfe beim Ausdrucken brauche, könne sich jederzeit an die BRB wenden.

„Zudem sind auch alle Verbindungen in den Landkreisfahrplanheften zu finden, die die Landratsämter jährlich herausgeben“, so Annette Luckner. „Dort sind auch alle Busse aufgeführt.“ Die Hefte liegen in den Rathäusern und im Landratsamt aus.

Für 72-jährige Kundin sind Internet und App keine Alternativen

In einem Brief, den die BRB ihren Partnern – also den Stellen, wo die Faltpläne bisher auflagen – schickte, heißt es weiter: „Dem Druck und der Verteilung von fast zwei Millionen Taschenfahrplänen stehen auch Umweltgesichtspunkte entgegen, die wir als Teil des ÖPNV nicht unberücksichtigt lassen können. Sowohl Druck als auch Verteilung, für die wir die Unterstützung eines Logistikunternehmens in Anspruch nehmen, verschlingen Unmengen CO2. Als wesentlicher Bestandteil und Antriebskraft der Anpassung an den Klimawandel möchten wir dies nicht weiter tun.“

Karin Banik ist über die Abschaffung der gedruckten Fahrpläne enttäuscht. Dass es keine Nachfrage mehr geben soll, kann sie so nicht nachvollziehen. „Die Faltpläne waren doch immer in kürzester Zeit vergriffen“, sagt sie. Sich über Internet und Smartphone zu informieren, ist für die 72-Jährige keine Alternative. Doch die BRB nutzt sie jetzt ohnehin weniger. Über den Spalt, der sich bei den neuen Lint-Zügen zwischen Bahnsteig und Waggon auftut „schaffe ich es mit meinen Krücken einfach nicht“, sagt die Gehbehinderte. Und auf fremde Hilfe beim Auslegen von mobilen Rampen will sie sich nicht verlassen. Ihre monatliche Fahrt nach München zum „Presseclub“ tritt sie stattdessen per Taxi an.

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