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„Wie es wirklich war“: Die neue Broschüre mit diesem Titel stellten jetzt (v. li.) Schorsch Kirner, Sepp Schmied aus Hausham, der Jennerweins Grab pflegt, Franz Wieser (Layout) und Hias Krinner vor.

Historische Forschung

Broschüre vorgestellt: Wer war Jennerweins Mörder?

Die Hobby-Historiker Hias Krinner und Schorsch Kirner ergründen das Leben des Wilderers Jennerwein und des Jägers Josef Pföderl, der ihn umbrachte.

Bad Tölz „Es war ein Schütz’ in seinen besten Jahren, er wurde weggeputzt von dieser Erd. Man fand ihn erst am neunten Tage bei Tegernsee am Peißenberg.“ Das Lied, das dem Wildschützen Girgl Jennerwein nach seinem grausamen Tod gewidmet wurde, ist bekannt. Genau 140 Jahre ist es jetzt her: Am 6. November 1877 löschte der Jäger Josef Pföderl Jennerweins Leben aus.

Während Jennerwein, der nicht nur eine große Leidenschaft für das Wildern, sondern auch für die jungen Mädchen hatte, vom Volk zum Helden verklärt wurde, blieb sein Mörder Josef Pföderl öffentlich weitgehend im Dunkeln. Einzig in den Tegernseer Büchern von Hans Halmbacher findet sich der Hinweis, Pföderl sei „gebürtig in Fischbach bei Tölz“ gewesen. Diese Aussage hatte nun den Fischbacher Hobby-Historiker Hias Krinner veranlasst, die Herkunft des Mörders und dessen Lebensweg zu ergründen. „Auch wenn seine Tat unentschuldbar ist, war er doch auch ein Mensch, der ein persönliches Umfeld hatte“, sagt Krinner.

Nach 140 Jahren Kult um Girgl Jennerwein dürfe man den Blick jetzt auch auf Josef Pföderl richten. Was bei den Erkundungen zu Tage kam, ist nun nachzulesen in einer 60-seitigen Broschüre, die Krinner gemeinsam mit dem Jennerwein-Experten Schorsch Kirner aus Baldham herausgebracht hat. Am Mittwochabend wurde das Schriftwerk mit dem Titel „Wie es wirklich war“ in der Alten Schießstätte in Tölz vorgestellt.

Der mittlerweile 82-jährige Kirner ist wie Jennerwein im Holzkirchner Ortsteil Haid geboren und befasst sich bereits seit einigen Jahrzehnten mit dem Mord am Schwarzholzeck und den Geschehnissen, die zur Eskalation führten. Seine Aufzeichnungen beruhen auf dem Einblick in Gerichtsakten sowie Überlieferungen seiner Großeltern und anderer Zeitzeugen. Redefreudig erzählte er den zahlreichen Zuhörern, wie aus den beiden Kriegskameraden erbitterte Feinde wurden. Einmal ging es um die Sennerin Agerl, die Jennerwein Pföderl abspenstig gemacht habe, so Kirner. Und dann natürlich um die dreiste Wilderei, mit der Jennerwein unverhohlen geprahlt und den Jäger Pföderl genüsslich provoziert habe. Dessen aufgestauter Hass habe sich schließlich in dem Mord entladen, den er laut Kirner als Selbstmord zu tarnen versuchte.

Rein auf dokumentarischen Fakten aufgebaut ist dagegen Hias Krinners „Lebensbild“ des verurteilten Täters. Auf der Suche nach dessen Herkunft sei er einige Zeit auf einer falschen Spur gewesen, sagte Krinner. Aber eine neue Fährte führte zum Erfolg: Es stellte sich heraus, dass Sepp Pföderl 1848 in Tölz geboren wurde und großväterliche Wurzeln in Fischbach hatte. Seine Kindheit verbrachte er im Tölzer Gries. Die Mutter starb nach der Geburt des siebten Kindes, drei Geschwister und eine Stiefschwester starben im ersten Lebensjahr. Neben durchschnittlichen Noten erhielt der junge Sepp nicht nur in der Schule eine tadellose „Bewertung der Charakteristik“, sondern auch während des Militärdiensts beim „Compagnie-Commando des I. k.b. Infanterie-Regiments“.

Mit dem Aufstieg zum herzoglich bayerischen Jagdgehilfen wäre Pföderls Leben in guten Bahnen gewesen. Aber: „Es hab in der harten Zeit einen großen Hass zwischen Jägern und Wilderern“, resümierte Sepp Kloiber, der den Abend zusammen mit Andreas Winkler musikalisch passend umrahmte.

Verkaufsstellen im Internet auf der Seite www.georgjennerwein.de

Rosi Bauer

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