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Von der Digitalisierung bis zum Bundestag: Kabarettist Bruno Jonas streifte am Donnerstagabend viele Themen. 

Bruno Jonas im Tölzer Kurhaus

„Humor ist für mich, wenn ich über andere lachen kann“

Insgesamt hatte das neue Programm von Bruno Jonas seine Längen. Wer den Kabarettisten das erste Mal live gesehen hatte, war trotzdem begeistert.

Bad Tölz– Gespalten waren die Meinungen des Publikums, nachdem Bruno Jonas am Donnerstag im Tölzer Kurhaus sein neues Programm „Nur mal angenommen“ präsentiert hatte. Während diejenigen, die den Kabarettisten das erste Mal live gesehen hatten, begeistert waren, urteilten die Wiederholungstäter eher: „Er war schon einmal besser.“ Lag’s daran, dass Jonas etwas weniger politisierte, sich dafür aber in philosophischen Betrachtungen von diversen Wortspielen verfing? Auch wenn Letzteres durchaus spitzfindig ausgeklügelt war, insgesamt hatte das neue Programm durchaus Längen.

Jonas freute sich über das „intelligente Tölzer Publikum“. In einer Umfrage habe er festgestellt, dass er nur von klugen Leuten besucht werde. „Als ich unlängst fragte, ob ein Depp im Saal ist, hat sich nämlich keiner gemeldet.“ Unzählige Deppen gebe es aber unter den Religionslehrern. An den Kirchen ließ er insgesamt kaum ein gutes Haar und merkte an, dass er vor 40 Jahren ausgetreten sei. Als ein Zwischenrufer anmerkte, „wohl wegen der Kirchensteuer“, wurde Letzterer von Bruno penetrant häufig, auch bis unter die Gürtellinie, attackiert. „Humor ist für mich, wenn ich über andere lachen kann.“

Jonas erzählt, dass er nun in seinem Haus die Funktion der Poststation übernommen habe. Auch das Bühnenbild zeigte neben einer Sokrates-Büste zahlreiche Pakete. Dabei lobte er seinen immer fröhlichen „Zustell-Türken Murat“. Da habe er schon ganz andere Paketzusteller gehabt. „Etwa einen aus Dresden. Der braucht aber nicht mehr zu kommen, den habe ich nicht verstanden.“

Dann nahm Jonas die zunehmende Digitalisierung aufs Korn. Etwa seine multifunktionelle iWatch mit einer Medical-App. „Da kannst du dir dann die Krankheiten aussuchen, die zu dir passen.“ Spontanen Applaus erntete er für die Anmerkung: „Ich habe den Eindruck, dass meine Entmündigung durch die digitale Welt jeden Tag größere Ausmaße annimmt.“

Freilich setzte er insgesamt auch seine gewohnten Seitenhiebe auf die Politik. Er bezeichnete die Grünen als „eine Art Glaubensgemeinschaft“, bedauerte Seehofers „offene rechte Flanke“ und wollte nicht verstehen, dass sich die SPD im Wahlkampf als Problemlöser angepriesen hatte, „für die Probleme die sie als Regierungspartei selbst gemacht hat.“ Dafür wetterte er dagegen, dass im neugewählten Bundestag 109 Abgeordnete mehr als zuvor sitzen: „Das kostet den Steuerzahlen 75 Millionen Euro im Jahr zusätzlich.“ Den französischen Präsidenten Macron bezeichnete er als „Schülersprecher“ und in Sachen Donald Trump meinte er: „Es ist nicht fair von den Amerikanern, dass sie einen Präsidenten gewählt haben, der uns nicht gefällt.“

Auch die aktuelle Dieseldiskussion ließ Jonas nicht aus. So sei eine Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass Ratten erst bei 8000 Mikrogramm Stickoxiden pro Kubikmeter Luft einen leichten Reizhusten bekommen. Deshalb forderte Jonas: „Der Diesel gehört verboten – in geschlossenen Räumen.“  (esc)

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