+
Drei junge Tölzer müssen sich seit gestern wegen Raubs und schwerer Körperverletzung vor dem Amtsgericht München verantworten. 

Strafprozess vor dem Landgericht

Brutaler Besuch mit Baseball-Schläger

  • schließen

München/Bad Tölz – Ein Baseball-Schläger im Hosenbein, eine Tüte voll Cannabis und ominöse 1500 Euro – vor dem Münchner Landgericht wird seit gestern über einen schweren Raub in Bad Tölz verhandelt. Am Ende des ersten Tages nimmt der Prozess eine entscheidende Wende.

Um 15 Uhr, nach fast sechs Stunden Verhandlung, unterbricht die Vorsitzende Richterin die Aussage von Viktor A. (alle Namen geändert). Er tritt an diesem Tag als Zeuge und Opfer vor dem Landgericht München II auf. Drei flüchtige Bekannte sollen ihn ausgeraubt haben. Die Richterin gibt dem jungen Mann noch einen Rat mit in die Pause. „Überlegen Sie sich dringend, ob Sie bei dieser Version bleiben wollen.“ Und tatsächlich: Auf einmal beschreibt der 22-Jährige die ominöse Nacht auf den 13. September 2015 ganz anders als noch wenige Minuten zuvor.

Peter M. (24), sein kleiner Bruder Ludwig (20) und dessen Spezl Michael G. (18) müssen sich seit gestern vor dem Landgericht verantworten. Die Anklage, die vor allem auf der Polizeiaussage von Viktor A. basiert, wirft ihnen schweren Raub mit gefährlicher Körperverletzung vor. In besagter Septembernacht sollen sie nach einigen Bieren und Joints zur Wohnung von Viktor A. marschiert sein, um ihm drei 500-Euro-Scheine abzuknöpfen. Peter M., nach eigener Aussage „treibende Kraft“ der Aktion, nimmt einen Baseballschläger mit, den er im Hosenbein versteckt.

Viktor A. lässt die Gruppe trotz später Stunde ein. Er kennt die drei flüchtig. Peter M. sagt aus, er habe bei A. immer wieder Marihuana gekauft. In der Wohnung schlägt der große Bruder dann mit dem Baseballschläger auf A. ein, sodass dieser diverse Prellungen und Schürfwunden davonträgt. Danach flüchtet das Trio. Aber nicht ohne noch etwas mitgehen zu lassen. Nur was? Das wird zum Knackpunkt in diesem Prozess.

Denn A. behauptet nach der Tat bei der Polizei, die drei hätten ihm 1500 Euro gestohlen – Geld, das er für einen Mallorca-Urlaub abgehoben habe. Der Angeklagte Michael G. sagt jedoch, er habe nur eine Tüte voll Gras unter den Pulli geschoben. Die Tüte fand die Polizei später im Garten seiner Eltern. Etwas über fünf Gramm Cannabis waren noch darin. Die Angeklagten beteuern, sie seien nur gekommen, um A. eine Abreibung zu verpassen. Der Grund: Vor Jahren habe der eine Auseinandersetzung mit dem Mitangeklagten Ludwig M. gehabt. Dessen großer Bruder Peter, der vorbestraft ist und jetzt in Untersuchungshaft sitzt, vermutete, A. wollte sich mit der Anzeige für die Prügelei rächen. Um Geld sei es nie gegangen.

Und tatsächlich. Nach der Verhandlungspause gibt A. kleinlaut zu: „Es gibt keine 1500 Euro.“ Die Angeklagten hätten ihm nur sein Gras geklaut. Wie viel Cannabis in der Tüte war, daran kann oder mag sich niemand recht erinnern. Die Beschreibung des Tüteninhalts jedenfalls klingt nach deutlich mehr als der im Garten gefundenen Menge. Die Aussage von Peter M. deutet darauf hin, dass A. mit größeren Mengen handelte. Auf ihn wartet nun ein eigenes Verfahren. Die Verhandlung gegen die drei Tölzer wird heute fortgesetzt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Dienstagabend
14-Jährige stürzt im Schulbus und verletzt sich
Auf dem Weg zur Schule erlitt eine 14-Jährige am Montag in Bad Tölz einen Unfall: Eine abrupte Bremsung brachte sie im Schulbus zu Fall.
14-Jährige stürzt im Schulbus und verletzt sich
ReAl-Verbund: Generationenwechsel in Planung
In den von Psychiater und Sozialunternehmer Dr. Arnold Torhorst aufgebauten Tölzer ReAl-Verbund steigt nun dessen Tochter Eva-Marie Torhorst ein.
ReAl-Verbund: Generationenwechsel in Planung
Johanna Zenz vom Grünen Zentrum: Seit 45 Jahren im Dienst
Johanna Zenz vom Grünen Zentrum: Seit 45 Jahren im Dienst

Kommentare