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Scheute nicht vor klaren Worten zurück: Der Tölzer Bürgermeister Josef Janker.

Letzte Stadtratsitzung

Bürgermeister Janker blickt auf 2017 zurück: „Einige Rückschläge“

Geburtshilfe, Schulen, Hotel, Spa und Verkehr: Der Tölzer Bürgermeister Josef Janker blickt in der Weihnachtssitzung des Stadtrats auf das Jahr 2017 zurück - auch mal streitlustig.

Bad Tölz – Einmal querbeet durch die Stadtpolitik: Das ist gewöhnlich Inhalt der Jahresabschlussrede des Tölzer Bürgermeisters. Josef Janker hatte dieses Jahr „auf Wunsch der Stadträte und aus Platzgründen“ zur Weihnachtssitzung erstmals in den neuen Rathaus-Sitzungssaal eingeladen, statt im historischen Ambiente des Museums-Sitzungssaals zu tagen.

Es war ein Jahr mit „einigen Rückschlägen“, wie das Stadtoberhaupt unumwunden einräumte und als Stichworte die glücklosen Bemühungen um Hotelansiedlung, Spa-Bau und die Firmenansiedlung von „Biolink“ neben „Sitec“ nannte. Alle drei Projekte sind aber noch auf der Agenda.

Janker bedauerte die Schließung der Geburtshilfe in der Asklepios-Stadtklinik. Man habe das als Stadt leider nicht verhindern können. Der Bürgermeister nützte seine Rede zu einem Frontalangriff auf die Weilheimer Landrätin Andrea Jochner-Weiß, die in einem Interview im Tölzer Kurier im März Stimmung gegen die „auf Gewinnmaximierung“ bedachten Klinik-Konzerne wie Asklepios gemacht und gleichzeitig für ihre Kreisklinik Weilheim geworben habe. Vor Kurzem habe nun aber auch die „Frau Landrätin“ die Schließung der Weilheimer Geburtshilfe „in einer dürren Pressemitteilung“ bekannt geben müssen. Waren die Worte der Landrätin also „alles nur Geschwätz?“, fragte sich Janker und nannte als wahren Schuldigen an der Misere die Gesetzgebung der Bundesregierung, die sich bei der Krankenhausversorgung aus der Fläche zurückzieht. „Dieses Problem können wir vor Ort leider nicht lösen.“

Dafür gibt es in Tölz seit geraumer Zeit ein Umdenken in der Wohnungspolitik. Das ist bei vielen Bürgerversammlungen immer wieder gefordert worden. Ein Arbeitskreis formuliert gerade Richtlinien, wie in Tölz statt teurer Luxuswohnungen günstiger, bezahlbarer Wohnraum etwa für Familien geschaffen werden kann. Janker legt aber Wert auf die Feststellung, dass die Zielsetzung nicht günstiges Wohneigentum, sondern Mietwohnraum ist. Auf der Flinthöhe und an der Osterleite sind erste Projekte bereits verwirklicht.

Muss der Anbau der Jahnschule abgerissen werden?

Apropos: In der – derzeit noch – Gemeinschaftsunterkunft auf der Flinthöhe sind 170 Flüchtlinge untergebracht. Insgesamt werden rund 390 Asylbewerber in Tölz betreut. Janker dankte unter dem Beifall aller Anwesenden den zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, ohne die das gar nicht möglich wäre.

Breiten Raum nahm in seinem Ausblick das Thema Schulen ein. Noch im Januar soll eine Studie in Auftrag gegeben werden, ob der sanierungsbedürftige Anbau der Jahnschule nicht doch besser gleich abgerissen und neu gebaut werden soll. Die Grundschule soll dabei eine Aula, eine Einfachturnhalle und Parkplätze erhalten. Im Rahmen dieser Studie wird auch ein Probenraum für die Stadtkapelle diskutiert werden. Das preisgekrönte Ensemble sei seit Jahren „Aushängeschild der Stadt“.

Auch die Lettenholzschule muss saniert oder neu gebaut werden. Im Frühjahr, sagt Janker, „wird die Schadensaufnahme abgeschlossen“.

Zum leidigen Streithema Bahnhof: Eine städtische Delegation habe Mitte Dezember ein „sehr gutes Gespräch“ mit Besitzer Erwin Fritz geführt. Im Januar oder Februar, so sei ihnen versichert worden, werde eine Eingabeplanung für das Gesamtprojekt Bahnhof eingereicht. Janker: „Sagen wir es so: Wir sind in freudiger Erwartung.“

Nur kurz sprach er Projekte wie die geplanten Kreisverkehre am Moraltverteiler und in der Bahnhofstraße sowie die kreuzungsfreie Umgestaltung der Umgehungsstraßen-Ausfahrt West und die Nordspange an. Janker hatte sich zu einzelnen Vorhaben in den vergangenen Wochen sehr kritisch über das Staatliche Bauamt Weilheim geäußert. In seiner Jahresabschluss-Rede wollte er offenbar kein Öl ins Feuer gießen und sprach von „konstruktivem Meinungsaustausch“ mit der Behörde.

Christoph Schnitzer

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