+

Bürgermeister Josef Janker

Bichler Hof: Hotel und Wohnungen sind „außerordentlich wichtig für Stadt“

  • schließen

Viele Menschen in Bad Tölz und Umgebung diskutieren über das Hotelprojekt Bichler Hof. Jetzt nimmt Bürgermeister Josef Janker dazu Stellung,

Bad Tölz – Bürgermeister Josef Janker ist froh, dass nun auch Eigentümer Hubert Hörmann öffentlich dazu geäußert hat. Damit sei für die Bürger aus erster Hand klar: „Wenn der Bürgerentscheid im Sinne des Bürgerbegehrens angenommen wird, dann wird es keine Wohnungen und kein Hotel geben.“ Und der Rathauschef macht klar, dass dies aus seiner Sicht „ein Riesenschaden für Bad Tölz“ wäre, denn: „Wir brauchen beides dringend.“

Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier bestätigt Janker Hörmanns Darstellung, dass nach dem Kauf des Bichler Hofs zuerst die Stadt mit der Idee an ihn herangetreten sei, auf dem Anwesen ein Hotel einzurichten. „Als er gesagt hat, dass er den Bichler Hof kaufen möchte, habe ich ihm gesagt: Es wäre doch toll, dort das Hotel zu reaktivieren.“ Letzteres Wort wählt Janker bewusst: Das Anwesen sei schließlich zuletzt bereits als Eon-Erholungsheim ein Hotel gewesen und schon lange kein landwirtschaftliches Anwesen mehr.

Lesen Sie auch: 

 Initiatoren des Hotelprojekts: „Wir kommen von hier und wollen hier was machen“

und: 

900 Unterschriften für Bürgerbegehren zum Bichler Hof

Nachdem Hörmanns Töchter sowie Peter Frech signalisiert hatten, dass sie ein Hotel selbst betreiben möchten, habe Hubert Hörmann der Stadt ein Angebot unterbreitet. „Und das lautete: 22 Doppelhaushälften und zugleich ein Hotel.“ Laut Janker war dies ein normaler und fairer Vorgang. „So ein Angebot kann man annehmen oder nicht. Der Stadtrat hat es mehrheitlich angenommen.“ Aus Jankers Sicht zu Recht: Die Stadt bekomme zwei Dinge, die sie gern haben möchte: dringend benötigte Hotelbetten, damit Bad Tölz als Tourismusdestination bestehen kann. Und obendrauf Wohnraum. „Wenn man so etwas will, muss man auch entsprechende Unterstützung geben.“

Janker räumt ein: „Eine Doppelhaushälfte dort wird sich nicht jeder leisten können. Aber wir kompensieren das ja, indem wir an anderer Stelle günstigen Wohnraum bauen oder ermöglichen, zum Beispiel an der Osterleite und an der Kohlstattstraße.“ Weitere Projekte, etwa an der Arzbacher Straße, sind angedacht. Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach ergänzt: „Auch im mittleren und hohen Segment wird Wohnraum dringend gesucht.“

Noch dazu handle es sich um eine Tölzer Familie, die hier investieren wolle. „Sie haben eine Beziehung zum Standort, sie haben hier einen Namen zu verlieren und werden alles tun, damit das Hotel ein Erfolg wird. Das sind keine Fonds-Manager von irgendwoher, die nur Rendite abgreifen wollen. Bei so etwas müsste ich eigentlich Hurra schreien.“

ZoBon wird angewendet, „ohne eine Lex Hörmann“

Von Anfang an sei klar gewesen, dass im Fall Bichler Hof die Satzung für „zukunftsorientierte Bodennutzung“ (ZoBoN) zur Anwendung komme, und zwar „ohne Abstriche, ohne eine ,Lex Hörmann‘, eins zu eins in einer von zwei wählbaren Varianten“, betont Janker. Nämlich in der Variante 2, die vorsieht, dass bei Umwandlung von Grün- in Bauland der Investor dort ein städtebauliches Ziel verwirklicht. Und als solches sei im Tölzer ISEK (Integriertes städtisches Entwicklungskonzept) die touristische Entwicklung festgeschrieben. Variante 1 dagegen würde bedeuten, dass der Investor ein Drittel des Grunds zum Grünlandpreis an die Stadt abtritt. Dies hat Hörmann bereits kategorisch ausgeschlossen.

Befürchtungen, Hörmann könne nur die Wohnhäuser bauen und allenfalls eine „Schmalspurversion“ des Hotels, hätten keinerlei Grundlage. „Wir haben in einem notariellen Vertrag geregelt, dass er den Gewinn aus den Häusern ins Hotel reinvestieren muss.“ Davon abgesehen würden diese Gewinne dafür bei Weitem nicht ausreichen. „Er muss zusätzlich einen großen Betrag aus eigener Tasche reinstecken.“ Man müsse auch sehen, dass so etwas für einen Investor ein „wahnsinniger Kraftakt“ sei. Schon durch den Notarvertrag habe sich Hörmann in einem „weitgehend abgesteckten Rahmen“ zur Investition ins Hotelprojekt verpflichtet. Details würden noch in einem städtebaulichen Vertrag festgelegt.

Hörmanns Vorwurf, die Stadt habe sich in der Debatte bislang „weggeduckt“ und nicht genug öffentlich aufgeklärt, weist der Bürgermeister zurück. „Alle Bauausschuss- und Stadtratbeschlüsse zum Bichler Hof waren öffentlich und transparent. Und wir haben immer wieder kommuniziert, dass das Projekt außerordentlich wichtig für die Stadt ist“, sagt Janker. Nun sei man darauf angewiesen gewesen, dass Hörmann sich selbst öffentlich äußert.

Der Bürgermeister bekräftigt: „Uns geht es bei diesem Thema um die Zukunft der Stadt – und nicht um Befindlichkeiten oder Neid.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Es kann wieder gekickt werden: Lenggrieser Kunstrasenplatz fertig saniert
Knapp zwei Monate hat es gedauert, doch jetzt ist er fertig saniert: der Lenggrieser Kunstrasenplatz des LSC.
Es kann wieder gekickt werden: Lenggrieser Kunstrasenplatz fertig saniert
Schulsozialarbeit an Realschulen: Werden die Vorbildlichen vom Staat bestraft?
Jugendsozialarbeit an Schulen, kurz JAS, ist im Landkreis ein Erfolgsmodell. Das niederschwellige Angebot erreicht viele Kinder und Jugendliche. Doch an den Realschule …
Schulsozialarbeit an Realschulen: Werden die Vorbildlichen vom Staat bestraft?
Tölz-Live: Neues indisches Restaurant - Alles fertig, wartet nur noch auf Konzessionserteilung
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz-Live: Neues indisches Restaurant - Alles fertig, wartet nur noch auf Konzessionserteilung
Kneippen im Kurpark
Der  Tölzer Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsausschuss hat erneut beschlossen, im Kurpark ein Kneipp-Becken zu bauen. Doch auch beim zweiten Mal sind nicht alle …
Kneippen im Kurpark

Kommentare