Markus Söder
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Sorgenvoller Blick: Markus Söders CSU könnte am Wahltag nur bei 29 Prozent landen. Auf diesen Wert kommt sie bei der neuesten Umfrage. 

Das sagt die Basis

Bundestagswahl 2021 in Bad Tölz-Wolfratshausen: Umfragewerte der CSU „machen mir ein bissl Angst“

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Alles andere als rosig schaut es derzeit für die CSU aus. Aktuelle Umfragen sehen sie nur noch bei 28 oder 29 Prozent. Das sagt die CSU-Basis im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu den Werten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – CSU-Kreisvorsitzender Thomas Holz sagt es ganz unumwunden. „Ich bin echt erschrocken, als ich die Umfragewerte gesehen habe.“ Gerade einmal bei 29 Prozent landete die CSU bei der Umfrage des Instituts GMS für den Fernsehsender Sat 1 zur Bundestagswahl am 26. September. Das wären knapp zehn Prozent weniger als 2017, als die CSU mit 38,8 Prozent schon massive Verluste hatte einstecken müssen.

„Vielleicht ist es ein Weckruf an unsere Anhänger, unbedingt zur Wahl zu gehen.“

„Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es sich so entwickelt“, sagt Holz. Er kann dem Ganzen aber sogar noch etwas Positives abgewinnen. „Vielleicht ist es ein Weckruf an unsere Anhänger, unbedingt zur Wahl zu gehen.“

Holz’ Meinung nach liegt die Schwäche der CSU auch in Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) begründet. „Darauf wird man schon angesprochen, wenn man sich mit den Leuten unterhält. Am Dienstagabend hat mich sogar jemand gefragt, ob wir den Kandidaten nicht doch noch wechseln können“, sagt der Kochler. Viele seien enttäuscht von Laschet, halten ihn für blass und profillos, sagt Holz. „Manchen fehlen auch Ecken und Kanten.“ Dass viele Stammwähler Richtung FDP abwandern, erklärt sich der CSU-Kreisvorsitzende mit der Corona-Politik der Union, die einen strengeren Kurs fährt als die Liberalen. Am Direktkandidaten Alexander Radwan könne es jedenfalls nicht liegen, sagt Holz. „Der macht einen super Wahlkampf.“

Keine Identifikation mit dem Kanzlerkandidaten

„Ganz bitter“ findet Sabine Lorenz, Kreisvorsitzende der Frauen Union, das Umfragetief. „Ich finde es auch nicht gerechtfertigt, weil unsere Abgeordneten in Berlin wirklich eine gute Arbeit machen.“ Offensichtlich gelinge es der CSU aber nicht, „unsere Themen richtig rüberzubringen“, sagt die Geretsriederin. Viel liege aber auch an Laschet als Kanzlerkandidaten. „Mit ihm gibt es hier keine Identifikation.“ Einige würden sogar fragen, „wen wir denn da neben Radwan und Söder noch plakatiert haben“. Auch Lorenz hat festgestellt, dass viele zwar die Erststimme dem CSU-Kandidaten geben wollen, „sagen dann aber, die Zweitstimme bekommt die FDP wegen der Wirtschaftskompetenz“.

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CSU werden die Fehler der vergangenen 16 Jahre mit angekreidet

Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber hat nicht nur Laschet als Problem ausgemacht. „Die CSU war 16 Jahre mit in der Regierungsverantwortung. Manche Menschen sind dem vielleicht überdrüssig“, sagt der Heilbrunner. Die Flüchtlingskrise 2015, die Corona-Politik, Afghanistan – mit vielem seien die Bürger nicht einverstanden. Und das werde nun unter Umständen auch der CSU angekreidet. Über Laschet könne er nichts sagen. Bachhuber wird ihn zum ersten Mal am Wochenende beim Parteitag live erleben. „Aber ich höre schon bei vielen Bedenken heraus, dass er es nicht im Kreuz hat, die Bundesrepublik zu führen.“ Der Heilbrunner sagt auch ganz offen: „Mir wäre Söder als Kanzlerkandidat lieber gewesen.“ Noch aber sei er „optimistisch, dass die CDU/CSU am 26. September stärkste Partei wird“.

Lenggrieser CSU-Vorsitzender hat Angst vor einem Lnksrutsch

Darauf baut auch der Lenggrieser CSU-Vorsitzende Bernhard Simon. „Ich hoffe, dass jetzt viele Stammwähler doch ihr Kreuz bei der CSU machen oder überhaupt zum Wählen gehen.“ Ihm selbst mache der Umfragewert „ein bissl Angst – Angst vor einem Linksrutsch, und das wäre dramatisch für Deutschland“, sagt Simon. Die Gründe für den schlechten Umfragewert seien vielschichtig. „Einige eher konservative Wähler sind sicher zur AfD abgewandert. Ein paar Prozent gehen zu den Freien Wählern.“ Da die vermutlich aber an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würden, „sind das verlorene Stimmen. Stimmen, die der politischen Mitte fehlen“, sagt der Lenggrieser. Das Ringen zwischen Söder und Laschet um die Kanzlerkandidatur sei ebenfalls bei vielen nicht gut angekommen. „Obwohl ich persönlich Armin Laschet nicht so schlecht finde. Er wird schlechter gemacht als er ist. Auch wenn er sich natürlich manchmal nicht so vorteilhaft gegeben hat.“ Die Wahl will Simon noch nicht verloren geben. „Ich bin ein optimistischer Mensch. Aber natürlich muss hier noch viel passieren.“

Es geht um die Ausrichtung, wie wir in Zukunft in Deutschland leben wollen.“

Simons Meinung über Laschet teilt Josef Rohrmoser. „Wir bekommen das aber einfach nicht so kommuniziert, dass er Kanzler kann“, sagt der Kreis- und Bezirksvorsitzende der Jungen Union. Tatsächlich überlagere die Debatte über das Personal die über die Inhalte. „Ich höre immer wieder, dass unser Direktkandidat gewählt wird, aber bei der Zweitstimme sagen viele: ,Wie konntet Ihr das Personal nur so hinstellen?‘“ Die Auseinandersetzung zwischen Söder und Laschet habe da nicht geholfen. Dass die CSU in der jüngsten Umfrage nur noch 29 Prozent bekommt, „war schon ein fundamentaler Tiefschlag“, bekennt Rohrmoser. Es gelinge einfach nicht, die Themen bei den Bürgern zu platzieren.

Dabei gehe es bei dieser Wahl „um verdammt viel“, sagt der Heilbrunner. „Es geht um die Ausrichtung, wie wir in Zukunft in Deutschland leben wollen.“ Die SPD habe kein Interesse an einer Fortsetzung der Großen Koalition. „Rot-Rot-Grün wird dann die nächste Regierung.“ Für Rohrmoser bedeutet das „weitgehend eine außenpolitische Isolation und eine weitere Schwächung der Wirtschaft“. Die JU werde daher „alles dafür tun, dass die Union bei der Wahl doch noch auf Platz eins stehen wird“.

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