Politik trifft auf Wirklichkeit: Bundestags-Abgeordneter Alexander Radwan (im Janker) zu Besuch in der Tölzer Tagespflege der beiden Betreiberinnen Ingrid Krafft-Otto (Jeansjacke) und Birgit Gahler-Scheffler (stehend).
+
Politik trifft auf Wirklichkeit: Bundestags-Abgeordneter Alexander Radwan (im Janker) zu Besuch in der Tölzer Tagespflege der beiden Betreiberinnen Ingrid Krafft-Otto (Jeansjacke) und Birgit Gahler-Scheffler (stehend).

Sommertour von Alexander Radwan

Bundestagswahl 2021 in Bad Tölz-Wolfratshausen: Politischer Besuch in der Tölzer Tagespflege

  • Felicitas Bogner
    VonFelicitas Bogner
    schließen

Im Rahmen seiner alljährlichen Sommerrundreise durch den Wahlkreis besuchte der Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan (CSU) die Tölzer Tagespflege in der „Villa Liebmann“. Dabei suchte er den Dialog mit den Betreiberinnen und Gästen.

Bad Tölz – Wo drückt der Schuh in der Pflege? Welche Rahmenbedingungen müssten sich verbessern? Für die Klärung solcher Fragen können Termine hilfreich sein, bei denen Politik auf Wirklichkeit trifft. Der CSU-Bundestagabgeordnete Alexander Radwan wollte sich deshalb jetzt bei einem „Tagespraktikum“ ein Bild vom Alltag in der Tölzer Tagespflege am Kogel machen. Tiernamen von A bis Z sammeln: Diese tägliche Routine in der Tagespflege bildete auch bei Radwans Besuch den Start in den Tag. „Nach dem Frühstück gibt es immer Spiele zum Gehirnjogging“, sagte Ingrid Krafft-Otto, eine der beiden Betreiberinnen. Es sei für alle Gäste wichtig, Geist und Gedächtnis immer wieder neu zu fordern. „Aber wir betreuen hier nicht nur Senioren, ein Gast ist erst 31 Jahre alt, aber eben pflegebedürftig“, sagte Birgit Gahler-Scheffler, ebenfalls Betreiberin am Kogelweg.

Probetag wichtig, um individuelle Bedürfnisse zu erkennen

Hier, in einer historischen Seidl-Villa hatten Krafft-Otto und Gehler-Scheffler wie berichtet erst 2020 nach einem umfangreichen Umbau ihren zweiten Tagespflege-Standort in Bad Tölz eröffnet. Schon länger sind sie mit einem solchen Angebot an der Schützenstraße ansässig. Die dortigen Räumlichkeiten sind im Gegensatz zum geschichts-trächtigen Haus, das sie „Villa Liebmann“ getauft haben, komplet barrierefrei. „Nach einem kostenlosen Probetag entscheiden wir gemeinsam mit den Gästen oder ihren Angehörigen, welcher Standort der individuell bessere wäre“, erklärte Gahler-Scheffler. Von Montag bis Freitag finden Senioren und Pflegebedürftige in den Einrichtungen zwischen 8 und 16 Uhr Hilfe, Beschäftigung und sozialen Anschluss. Für ihre Angehörigen bedeutet dies ein Stück weit Entlastung im Pflegealltag.

Gäste der Tagespflege suchen Kontakt und Austausch zwischen Jung und Alt

Radwan ließ sich auch von den Gästen selbst erklären, was sie an der Tagespflege schätzen. Ein Gast erklärte dem Abgeordneten, dass er ohne die Tagespflege vereinsamen würde. Seine Kinder wohnten in München und hätten selbst Familien. Er hingegen lebe alleine. Also sei das Angebot, zwei Tage pro Woche in der „Villa Liebmann“ zu verbringen, für ihn essenziell, um Kontakt zu anderen zu haben. „Ich schätze vor allem bei gutem Wetter die Ausflüge, die wir hier gemeinsam unternehmen“, sagt er. Nicht selten gehe es in den Kurpark und seit Kurzem auch an das neue Kneippbecken. „Dort findet man als Gruppe auch wieder Kontakt zu anderen Menschen – über alle Generationen hinweg“, berichtete er. Dies sei ihm besonders wichtig: „Der Austausch zwischen Jung und Alt.“ Die Betreiberinnen nutzten den Politikerbesuch freilich auch, um handfeste politische Forderungen an den Mann zu bringen. An oberster Stelle: „Ganz klar, der Abbau der Bürokratie“, sagte Krafft-Otto. „Zum einen schreiben wir uns die Finger wund. Und noch viel schlimmer ist es, dass viele ältere Menschen bei der Bürokratie von Kassen und Co. gar nicht mehr durchkommen und sich schnell auch verunsichern lassen.“ Nur wenige wissen Krafft-Otto zufolge, was ihnen zustehe.

Bedarf an alternativen Wohnformen fürs Alter

Radwan erwiderte, er strebe „die Vereinfachung von bürokratischen Strukturen“ sowie „mehr Transparenz“ an. Weiter betonte der Politiker, dass es sein oberstes Ziel sei, den Menschen zu ermöglichen, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Hierzu erklärten die Pflege-Expertinnen, dass die Schaffung von Alternativen für sie hohe Priorität habe. „In den meisten Köpfen ist nur die Wahl zwischen Altenheim oder ,alleine zu Hause‘ verankert. Es gibt da viel dazwischen.“ Daher appellierten sie an den Wahlkreis-Abgeordneten, sich für eine Förderung von flexibleren Wohnformen im Alter einzusetzen, wie etwa Betreutes Wohnen. „Hier geben auch wir uns Mühe, so individuell wie möglich auf die Bedürfnisse einzugehen.“ Dazu sehen sie auch die Aufklärung als wichtige Stellschraube. Denn: „Viele kommen erst, wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht.“

Gesellschaftliche Wertschätzung von Pflegekräften zu gering

Radwan beteuerte, die Eindrücke mit auf den Weg zu nehmen, und bilanzierte: „Wir haben schon einiges angepackt, wie das Pflegestärkungsgesetz. In der kommenden Legislaturperiode müssen weitere Schritte folgen.“ Das gelte auch für die Lage der Pflegenden. Hier ist laut Krafft-Otto die geringe gesellschaftliche Wertschätzung ein großes Problem. „Wir müssen uns seit Jahrzehnten Beschimpfungen wie ,Waschmaschine’ oder ,Hinternabputzer’ anhören“, sagte sie. Vor diesem Hintergrund sei es nicht verwunderlich, dass viele den Beruf als unattraktiv empfinden. „Wir leisten so viel mehr.“

Ein flüchtiger Applaus: Das berichtet Klinikpersonal aus dem Landkreis über die Arbeit während der Pandemie und die geringe Wertschätzung ihres Berufsstandes

Übrigens: Alle Entwicklungen und Ergebnisse zur anstehenden Bundestagswahl aus Ihrer Region sowie alle anderen wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.

Alles über die Kandidaten im Wahlkreis 223 Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach gibt es hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare