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„Hier fließt die Isar durch eine der wildesten Naturlandschaften Europas“: So beschreibt die ZDF-Studie den Landkreis. 

Deutschland-Vergleich

Bundesweite Studie: Landkreis Sieger in Kategorie Gesundheit & Sicherheit

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In Sachen Gesundheit und Sicherheit ist der Landkreis bundesweit führend. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Lebensqualität in Deutschland, in der das Tölzer Land Platz 9 unter 401 Regionen erreicht. Sie weist aber auch auf Schwächen hin.

Bad Tölz-Wolfratshausen Im bundesweiten Vergleich gibt es im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen nicht nur kaum Wohnungseinbrüche und Gewaltverbrechen, sondern auch wenig Übergewichtige und Raucher. Das sind Erkenntnisse aus dem Bereich „Gesundheit & Sicherheit“ der Deutschland-Studie zur Lebensqualität, die das ZDF nun vom Wirtschaftsforschungsinstitut „Prognos“ anfertigen ließ (siehe Kasten). In der Kategorie, die unter anderem Feinstaubwerte, Kinderarmut und die Zahl Pflegebedürftiger erfasst, landet das Tölzer Land auf Platz 1. Insgesamt führt die Studie den Landkreis von 401 Regionen in Deutschland auf Rang 9. Die Nachbarlandkreise Garmisch-Partenkirchen (5.) und Miesbach (7.) schneiden sogar noch minimal besser ab. Bundesweiter Sieger in Sachen Lebensqualität ist die Stadt München mit 207 von 300 möglichen Punkten. Es folgen Heidelberg, der Landkreis Starnberg und Potsdam. Schlusslicht ist die Stadt Gelsenkirchen im Ruhrgebiet.

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Landrat Josef Niedermaier freut die Statistik: „Das macht mich stolz auf all die Firmen und Interessensverbände, die für Lebensqualität sorgen. Das ist ja ein Gemeinschaftswerk.“ Die Politik könne nur die Strukturen schaffen, um attraktive Akteure in die Region zu lotsen. Und Niedermaier ergänzt: „Für den schönen Flecken Erde können wir nichts. Ihn zu erhalten, ist unsere Aufgabe.“

Neben den Stärken des Landkreises zeigt die Deutschland-Studie aber auch Schwächen auf. Die Ergebnisse im Überblick.

Sicherheit und Gesundheit: Wenige Übergewichtige im Landkreis 

Bei 10 von 17 Kriterien rangiert der Landkreis im Bereich „Sicherheit und Gesundheit“ in den Top 50. Dass er sich hier als deutschlandweiter Sieger feiern darf, liegt unter anderem an der niedrigen Feinstaubbelastung und der hohen Rehaklinikdichte. Die Quote Übergewichtiger liegt zwar deutlich unter dem deutschen Durchschnitt (52,4 Prozent), spricht mit 47 Prozent aber trotzdem für sich.

Interessant: Beim Kriterium „Erreichbarkeit von Krankenhäusern“ schafft es der Landkreis mit seinen zwölf Minuten nur auf Platz 252. Ein weiterer Ausreißer nach unten sind die überdurchschnittlich vielen Verletzten und Getöteten auf den Straßen (Platz 344). Die Erklärung von Landrat Niedermaier: „viel Freizeitverkehr“ und so manche enge und dadurch gefährliche Straße, die es im flachen Norddeutschland seltener gibt.

Arbeit und Wohnen: Hohe Kaufkraft aber auch teure Immobilien

Rang 48 erreicht der Landkreis im Bereich „Arbeit und Wohnen“. Arbeitslosen- und Schulabbrecherquoten sind niedrig, die Kaufkraft hoch. Auch dass nur 2,4 Prozent der Bewohner in Bedarfsgemeinschaften leben, honoriert die Studie (knapp 8 Prozent im Bund). Negativ wirken sich dagegen die langen Pendlerdistanzen (20,1 km), der Lehrermangel, die hohe Einkommensdifferenz zwischen Männern und Frauen sowie der geringe Frauenanteil in Kreistagen, Stadt- und Gemeinderäten aus. Konfrontiert mit diesen 25 Prozent (zwischen 2012 und 2016), sagt Niedermaier: „Im ländlichen Raum schreitet der Zeitgeist eben langsamer voran. Wenn ich Frauen dazu ermuntere zu kandidieren, höre ich oft: ,Ach, das macht mein Mann‘.“

Ganz unten in der Tabelle (Platz 393) findet sich der Landkreis beim Verhältnis zwischen Immobilienpreisen und Einkommen wieder. Hier sieht der Landrat ein Dilemma: „Wären die Preise niedriger, wäre die Region für noch mehr Menschen attraktiv.“ Einheimischen bezahlbaren Wohnraum zu bieten, ist für Niedermaier neben dem öffentlichen Nahverkehr derzeit das wichtigste politische Thema – und „eine der größten Herausforderungen“.

Freizeit und Natur: Weite Wälder aber auch weite Wege

„Hier fließt die Isar durch eine der wildesten Naturlandschaften Europas“: So beschreibt das ZDF das Tölzer Land. Trotzdem erreicht der Landkreis im Bereich „Freizeit & Natur“ „nur“ Platz 101. Für den Besuch von Kaufhäusern, Ärzten oder Schwimmbädern müssen viele Menschen vergleichsweise weite Wege auf sich nehmen. Dass die Betreuungsquote von Kleinkindern sehr gering ist, wertet Niedermaier nicht als Nachteil: „Hier funktionieren noch viele Familienverbände“, sagt er.

Eine klare Schwäche enthält die Statistik im Bereich „Natur“: Sie kreidet dem Landkreis den niedrigen Anteil von Erholungsflächen an (Platz 363). Niedermaier: „Die Landschaft ist doch ein einziger Park.“

Interessant: Als Indiz für Lebensqualität sieht die Studie nicht nur die hohe Zahl der Eheschließungen, sondern auch die gute Beteiligung an der Bundestagswahl (knapp 80 Prozent). Und übrigens: Nur 75 von 1000 Bewohnern nutzen die öffentlichen Bibliotheken zwischen Icking und Jachenau. Das reicht nur für Platz 245 in der Studie.

So funktioniert die Deutschland-Studie

„Wo lebt es sich am besten?“, fragt die Deutschland-Studie des ZDF. Die Rangliste der 401 Landkreise und kreisfreien Städte ermittelte das Wirtschaftsforschungsinstitut „Prognos“ anhand von 53 sozioökonomischen Kriterien – von der Arbeitslosenquote über die Erreichbarkeit des nächsten Krankenhauses bis zur Restaurantdichte. Die Daten stammen größtenteils aus amtlichen Statistiken diverser Bundesinstitutionen der vergangenen Jahre. Sie wurden in ein nach Relevanz gewichtetes Punktesystem übersetzt und in die drei großen Teilbereiche „Arbeit & Wohnen“, „Gesundheit & Sicherheit“ sowie „Freizeit und Natur“ gegliedert. Die komplette Studie kann man im Internet unter deutschland-studie.zdf.de nachlesen. 

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