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Feierlicher Moment: Die Initiatorinnen Sabine Richter (li.) und Tanja Rudolph (Mitte) durchschneiden zusammen mit Sophie (16), Emmely (15), Emma (17), Sonja (17), Maxim (16) und Pfarrer Johannes Schultheiß das rote Band und eröffnen damit das Café Miteinand in Bad Tölz. 

Inklusives Projekt

Café Miteinand in Bad Tölz will Grenzen überwinden

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In Bad Tölz hat am Donnerstag der erste inklusive Gastronomie-Betrieb der Stadt eröffnet, das Café Miteinand. Geführt wird es von Schülern mit Beeinträchtigung. Gelebte Inklusion also, die auch noch schmeckt.

Bad Tölz– Essen und Trinken hält bekanntlich Leib und Seele zusammen. Essen und Trinken könne aber noch viel mehr, sagte Pfarrer Johannes Schultheiß bei der Eröffnung des Café Miteinand am Donnerstag in Bad Tölz. „Essen und Trinken kann Menschen verbinden, über alle Grenzen hinweg.“ Genau auf diesen Effekt setzt das inklusive Projekt, das auf die Initiative von Sabine Richter aus Ellbach und Tanja Rudolph aus Sachsenkam entstanden ist.

Beide haben Töchter mit Handicap. Beide möchten, dass ihre Mädchen später einen Arbeitsplatz in der Mitte der Gesellschaft finden. „Der Behinderte braucht die Gesellschaft, und die Gesellschaft braucht den Behinderten“, zitierte Richter Carl Friedrich von Weizsäcker.

Im Café Miteinand sollen sich die Jugendlichen auf positive Weise präsentieren und ins Berufsleben schnuppern können. Es geht aber auch darum, Kontakt herzustellen und Berührungsängste zwischen Menschen mit und ohne Handicap abzubauen, sagen die Initiatorinnen.

Montessori-Schüler kümmern sich ums Essen

Um dieses Ziel zu erreichen, wird erst mal fleißig gebacken und geschnippelt. Jeden Mittwoch bereiten die teilnehmenden Schüler von der Montessori-Schule Bad Tölz unter der Anleitung von Birgit Bruno und Ivana Stolnik die Speisen für den Verkauf am Donnerstag zu. Neben Kuchen gibt es auch belegte Semmeln, Butterbrezen und Croissants zu kaufen. An dem Projekt beteiligen können Kinder ab der 7. Klasse. „Inklusion ist wirklich eine Herzensangelegenheit für uns“, sagt Lehrerin Birgit Bruno. Beim Café Miteinand mitzumachen, sei deshalb nur logisch gewesen. Alle Schüler, die daran teilnehmen – manche nur bei der Vorbereitung, andere auch beim Gästebegrüßen und -bedienen – seien mächtig stolz, verrät Bruno. Für sie sei es ein wichtiger Schritt raus aus dem behüteten Rahmen der Schule rein ins echte Leben.

Ihren ersten Arbeitseinsatz am Donnerstag haben die Jugendlichen mit Erfolg gemeistert. Vier junge Frauen und ein junger Mann hatten sich bereit erklärt, die Gäste zu empfangen und zu bewirten. Eine von ihnen war Sophie, die Tochter von Sabine Richter. Zeit, auf Fragen zu antworten, hatte sie kaum. Aufgeregt sei sie, ja. Davon war aber nichts zu spüren: Mit ruhiger Hand balancierte die 16-Jährige ein Tablett mit Häppchen durch die Menge und bot den Gästen etwas zu Essen an.

„Ich bin geflasht und stolz, euch so zu sehen“, sagte Montessori-Schulleiterin Christina Rothleitner. Die Pädagogin lobte die warme, gemütliche Atmosphäre des großen Gemeindesaals, den die Initiatorinnen mit viel Liebe zum Detail in einen heimeligen Gastraum verwandelt hatten. Selbst eine Spielecke für die Kleinen gab es. Willkommen sind aber nicht nur Eltern mit ihren Kindern, sondern auch Schulklassen, Senioren, Stammtische und alle anderen.

Bei der evangelischen Kirche offene Türen eingerannt

Ursprünglich hatten die Initiatorinnen selbst Räume in Bad Tölz anmieten wollen. Angesichts der hohen Immobilienpreise wandten sie sich aber schließlich an die evangelische Kirchengemeinde – und rannten bei Pfarrer Johannes Schultheiß offene Türen ein. „Nach einer Viertelstunde hat er gesagt, dass es sich um ein tolles Projekt handle“, freut sich Richter. Das findet offenbar auch der Verein zur Förderung der gemeinsamen Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder aus Geretsried: Sprecherin Elli Wilfling überreichte eine Anschubfinanzierung von 250 Euro.

Jetzt fehlen nur noch ehrenamtliche Helfer, die die Jugendlichen am Donnerstagvormittag bei Bedarf unterstützen. Und was auch noch fehlt: positive Mund-zu-Mund-Propaganda. Irgendwann, hofft Richter, entsteht so nach und nach aus dem Café Miteinand eine feste Institution – vielleicht sogar mit festen Anstellungen für die Jugendlichen.

Öffnungszeiten

Das Café Miteinand hat jeden Donnerstag von 8 bis 12.30 Uhr geöffnet – außer in den Schulferien und an Feiertagen. Es befindet sich im evangelischen Gemeindezentrum am Schützenweg 10. Weitere Infos: www.cafemiteinand.de.

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