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Dichtes Gedränge herrschte gerade an milden Abenden am Tölzer Christkindlmarkt in der Marktstraße.

Christkindlmarkt-Bilanz

Konkurrenz durch Vielfalt

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Bad Tölz - Zum ersten mal hat heuer die Stadt bad Tölz in Eigenregie den Christkindlmarkt veranstaltet. Die Besucher haben keine großen Veränderungen wahrgenommen. Einige Betreiber von Gastroständen beklagen jedoch Umsatzeinbußen - was daran liegen könnte, dass heuer an noch drei Ständen mehr als bisher Essen und Trinken angeboten wurde. 

Bad Tölz – Selbstgemachtes Sauerkraut in die Bratwurst-Semmel packen: Peter Königbauer fährt mit dieser Idee seit acht Jahren gut am Tölzer Christkindlmarkt. „Das Kraut macht den Großteil unserer Einnahmen aus“, sagt der 54-Jährige. Mild und bekömmlich sei es – und gerade in der Woche vor Weihnachten gefragt. Es könnte aber besser laufen, findet Königbauers Frau Barbara: „Das Essen ging heuer schlechter, es sind eben mehr Gastro-Stände als letztes Jahr.“

Nach über 20 Jahren übernahm die Stadt heuer die Organisation des Marktes vom Verein Aktive Tölzer. Susanne Frey-Allgaier, stellvertretende Kurdirektorin, klärt auf: Von den fünf neuen Gastronomie-Ständen – zu denen sie auch den des „Tölzer Kasladens“ zählt – hätten zwei direkt ihre Vorgänger abgelöst. Netto seien also nur drei Essensbuden dazugekommen. Frey-Allgaiers Bilanz nach der Stadt-Premiere: „Ich habe viel Positives gehört, aber natürlich ist Luft nach oben.“

Die Organisatorin weiß, „dass einige nicht zufrieden waren“. Zwei Gastronomen hätten ihr konkret von Umsatzeinbußen berichtet. Alle Händler sollen nun per Fragebogen ihre Rückmeldungen geben. „Im Januar gibt es eine große Nachbesprechung“, berichtet Frey-Allgaier. „Wir sind offen für jede Anregung.“

Christine Volkland hat eine. Die Besucher können ihr zwar beim Baumkuchenmachen zuschauen, würden sie aber leicht übersehen. Der Stand des Café Volkland, das im September in der Marktstraße die Türen schloss, schaut in Richtung Häuserfront. „Vielleicht können wir sie 2017 drehen“, hofft Volkland. Genau solche Anliegen sollen im Januar offen besprochen werden. Frey-Allgaier verweist aber auf die Gegebenheiten der Marktstraße: „Wir müssen Feuerwehr-Zufahrten beachten. Und es gibt nicht überall Strom.“

Bastian Hirsch verkauft Kunstwerke aus Holz, vor allem Brotzeitbretter und Löffel. Er ist enttäuscht: „Ich mache nur noch halb so viel Umsatz wie letztes Jahr.“ Kurz vor Weihnachten sei das Geschäft noch mal besser geworden. Hirsch musste heuer nicht nur verkaufen, sondern auch vermitteln: Seine Mutter zog diese Woche kurzfristig in den Stand, der am Mittwoch überraschend leer geworden war. „Der Betreiber hat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zugesperrt“, berichtet Frey-Allgaier. Grund seien nicht die schwach nachgefragten Trockenfrüchte und Nüsse gewesen – sondern der Anschlag in Berlin. So zumindest wurde es Frey-Allgaier von Kollegen des Standbetreibers zugetragen. „Ich habe von ihm bisher nichts gehört“, sagt die Organisatorin.

Gudrun Döbereiner aus Bad Wiessee vom Arche-Noah-Stand musste nicht flüchten. „Ich mache das schon 24 Jahre, es läuft immer gleich gut“, sagt sie. „Ich habe viele Stammkunden. Mittlerweile kaufen sie nicht mehr für ihre Kinder, sondern für die Enkel.“ Spielzeug aus dem Erzgebirge sei am gefragtesten. Ein Hingucker ist auch Carolin Schusters Engelsschmuck. „Natürlich gibt es einen gewissen Konkurrenzkampf“, gibt sie zu. Kein Problem für Schuster: „Der Umsatz ist seit drei Jahren konstant.“

Mitarbeit: Tanja Schultz

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