Fronleichnamsprozessionen wie hier in Wackersberg haben im Landkreis eine lange Tradition. Foto: dh

Christlicher Glaube

Was wird an Fronleichnam gefeiert?

Bad Tölz-Wolfratshausen – Festlicher Blumenschmuck und donnernde Gewehrsalven: Im Landkreis hat die Feier von Fronleichnam, dem Fest der Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie, eine besonders lange Tradition.

In Benediktbeuern findet die älteste Fronleichnamsprozession Bayerns statt: Gerade einmal neun Jahre nach der Erhebung der Verehrung des Leibes Christi zum Festtag fand sie hier 1273 zum ersten Mal statt.

Ist das Hochfest für die Region daher ein besonderer Feiertag? Dass man Fronleichnam intensiver feiere als zum Beispiel in den Nachbarlandkreisen, könne man so nicht feststellen, sagt Kreisheimatpfleger Martin Englert. Trotzdem besitze das Fest der leiblichen Gegenwart Christi, auch „Prangertag“ genannt, zweifelsohne eine herausragende Rolle im Kirchenjahr.

„In Lenggries finden noch am Donnerstag und Sonntag Prozessionen statt, das ist in anderen Regionen mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr“, sagt Kaspar Reiser, Hauptmann der Lenggrieser Antlaßschützen. Auch in Benediktbeuern und Bichl gibt es zwei Prozessionen. Über zwei Stunden ziehen hier jeweils ab 8.45 Uhr Ministranten, Jungfrauen mit Statuen sowie die Vereine mit ihren Fahnen nach Bichl und zurück. Dabei legen sie an vier Altären Stationen ein. Von den Antlaßschützen begleitet, bilden die Benediktusfigur, der Anastasiatragaltar sowie das Allerheiligste, die gewandelte Hostie, die wichtigsten Elemente der Prozession. Dazu spielen die Blaskapellen.

Von zentraler Bedeutung ist Fronleichnam vor allem für die Antlaßschützen. Reiser erklärt die historische Bedeutung der Schützen, die auf die unruhigen Zeiten um den Dreißigjährigen Krieg zurückgeht: „Damals war es die Aufgabe der Schützen, die Pfarrer auf gefährlichen Wegen zu begleiten und Angriffe von Räubern abzuwehren.“ Daraus hat sich eine christliche Bruderschaft entwickelt, deren zentrale Aufgabe noch heute der Schutz des Allerheiligsten ist. Alles ist bei den Antlaßschützen auf das Hochfest ausgerichtet: So können neue Mitglieder beispielsweise nur am Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag vor Fronleichnam, aufgenommen werden.

Bereits um 6 Uhr in der Früh versammeln sich die Lenggrieser Antlaßschützen zum „Schützenamt“, dem ersten Gottesdienst am Hochfest der Eucharistie. Innerhalb der Kompanie gibt es spezielle Ämter, beispielsweise das der Himmelschützer. Diese werden den vier Himmelträgern direkt zur Seite gestellt. „Allerdings können nur ledige Männer Himmelschützer werden. Wenn sie heiraten, geben sie das Amt weiter“, erläutert Reiser.

Doch auch der einfache Gläubige abseits der traditionsreichen Vereine spielt an diesem Feiertag eine wichtige Rolle. Benediktbeuerns Pfarrer P. Heiner Heim macht deutlich: „Alle Menschen sind herzlich eingeladen.“ Es komme auch nicht darauf an, ob man Tracht trage oder nicht. Auch Englert betont: „Die Bevölkerung ist das tragende Element des Festtages, die Vereine das Beiwerk.“ (mwh) 

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