In der Corona-Zeit gehen die Kirchengemeinden an Weihnachten völlig neue Wege.
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In der Corona-Zeit gehen die Kirchengemeinden an Weihnachten völlig neue Wege.

Kirchen an Weihnachen

Christmette auf der Couch

  • Silke Scheder
    vonSilke Scheder
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Um möglichst vielen Gläubigen die Möglichkeit zu geben, an Weihnachten an einem Gottesdienst teilzunehmen, gehen die Kirchengemeinden völlig neue Wege. Die Christmetten und Krippenspiele werden gestreamt, zerstückelt oder ins Freie verlegt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Nicht weniger als sieben Kinderkrippenfeiern, vier Christmetten, zwei Seniorenmetten und zwei Andachten bietet der Pfarrverband Bad Tölz an Heiligabend an. „Die Idee war, statt einer Großveranstaltung viele kleinere anzubieten, die Gottesdienste also sozusagen zu zerstückeln“, sagt Pfarrer Peter Demmelmair. Die Krippenfeiern und Andachten finden zum Teil im Freien statt – alles, um in Zeiten der Pandemie den Gläubigen zumindest ein bisschen Normalität zu bieten.

In der Lenggrieser Pfarrei St. Jakob haben sich Pfarrer Josef Kraller und sein Team auf einen anderen Weg geeinigt. Die Christmette um 22 Uhr in der Pfarrkirche wird zum Beispiel live in Bild und Ton ins Internet übertragen. „Damit die Möglichkeit besteht, zumindest von zuhause aus an der Christmette teilzunehmen“, sagt Pastoralreferent Christoph Freundl. Vor Ort haben wegen der Abstandsregeln nur etwas mehr als 100 Gläubige Platz. Interessierte müssen sich im Pfarrbüro anmelden. „Es sind nur noch ganz wenige Plätze frei“, weiß Freundl.

Die größte Herausforderung wird aus Sicht des Pastoralreferenten sein, die feierliche Atmosphäre in der Kirche ins heimische Wohnzimmer zu transportieren. Damit das gelingt, fand am vergangenen Sonntag bereits ein Probelauf statt. Die drei Ehrenamtlichen Peter Kiesel, Christopher Odemann und Jakob Fischer filmten den Sonntagsgottesdienst mit zwei Kameras und streamten ihn an ein paar ausgewählte Probanden. Dabei kam heraus: „Das Augenmerk muss darauf liegen, dass die Musik qualitativ gut übertragen wird“, sagt Freundl. Die Sprecher habe man schon mal sehr gut verstanden.

So ein Livestream kommt für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Bad Tölz nicht in Frage. „Wir haben weder die technischen Möglichkeiten noch das nötige Know-how“, sagt Pfarrer Urs Espeel. Stattdessen setzt die Kirchengemeinde auf Freiluftgottesdienste vor dem Kurhaus. Zwischen 14.30 Uhr und 23 Uhr sind fünf Gottesdienste geplant, die Pfarrer Espeel im Wechsel mit Dekan Martin Steinbach halten wird. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. „Jeder kann kommen“, sagt Pfarrer Espeel. Es müsse sich aber auch jeder an die dann geltenden Hygiene- und Abstandsregeln halten.

Viele andere evangelische Geistliche in der Region setzen ebenfalls auf Freiluftgottesdienste, sagt Pfarrer Espeel. In Bad Heilbrunn zum Beispiel wird Pfarrer Johannes Schultheiß um 15.30 Uhr einen Familiengottesdienst mit Krippenspiel vor der Christuskirche zelebrieren. Um 17 Uhr folgt eine Christvesper, ebenfalls vor dem Gotteshaus. Sollte das Wetter nicht mitmachen, werde man sich etwas einfallen lassen. „Es ist undenkbar, dass kein Gottesdienst gefeiert wird“, betont Pfarrer Espeel.

Ob im Pfarrverband Bad Tölz eine der Christmetten gestreamt wird, steht noch nicht fest. „Ich bin nicht dagegen“, sagt Pfarrer Demmelmair. „Aber es gibt Grenzen.“ Aus Sicht des Geistlichen ist es etwas anderes, ob man an Heiligabend um 23 Uhr in der Kirche sitze oder zuhause auf der Couch. Zumal es im Fernsehen überregional entsprechende Angebote gebe. „Und streamen ist nicht umweltfreundlich“, gibt Pfarrer Demmelmair zu bedenken. Außerdem bestünden am Ersten und Zweiten Weihnachtsfeiertag genug Möglichkeiten, einen Gottesdienst zu besuchen – sofern die Anti-Corona-Maßnahmen nicht noch weiter verschärft werden.

In Benediktbeuern gibt es bereits die ersten Abweichungen von der ursprünglichen Planung. „Die Christmette um 22 Uhr findet jetzt doch nicht im Klosterhof, sondern in der Basilika statt“, sagt Pfarrer Heiner Heim von der Pfarrei St. Benedikt. Die Krippenfeier um 16 Uhr findet ebenfalls nicht im Klosterhof statt. Der neue Ort steht noch nicht fest. Darüber und über das gesamte Gottesdienstprogramm werde man die Gemeinde über die örtlichen Medien, die Homepage und die Schaukästen rechtzeitig informieren, verspricht Heim. Ähnlich wollen es die anderen Kirchengemeinden handhaben.

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