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Stilechte Büroeinrichtung: Tobias Vogt (li.) und Michael Egart (beide 23) betreiben im Tölzer Farchet die Filmproduktions-Gesellschaft „Cinerella“. Die Kundschaft darf auf Kinosesseln Platz nehmen.  

Cinerella-Films

Filme made in Farchet

Bad Tölz –  Es muss nicht immer Hollywood sein: Professionelle Leinwand-Produktionen können auch aus Bad Tölz kommen, wie Tobias Vogt und Michael Egart mit ihrer Firma „Cinerella“ unter Beweis stellen. Die Geschichte einer filmreifen Firmengründung.

Der Untergang von Bad Tölz ist längst geplant. Es wird aller Voraussicht nach ein Alien-Angriff sein, der das letzte Stündlein der Kurstadt einläutet. Die Bilder werden ohne Zweifel spektakulär sein. Dafür sorgen Tobias Vogt als Kameramann und Michael Egart als Experte für Special Effects – genau die beiden jungen Männer also, deren Fantasie diese Attacke von Außerirdischen auch entspringt. Die Inszenierung der Tölzer Apokalypse als Kurzfilm ist eines der nächsten Projekte, die sie in ihrer neu gegründeten Filmproduktionsgesellschaft „Cinerella“ in Angriff nehmen wollen.

Vor etwa einem halben Jahr hat das Zweiergespann seine Firma im Tölzer Farchet eröffnet. Von außen ist kaum zu erkennen, dass in dem schmucklosen Industriegebäude ein Hauch von Hollywood Einzug gehalten hat. Wer in das kleine Büro der beiden 23-Jährigen eintritt, erkennt dagegen unmittelbar, in welchem Metier die Firma tätig ist: Hinter dem Eingang stehen sechs rote Kinosessel in zwei Reihen, darüber prangt ein Scheinwerfer. „Das wird unser Showroom“, erklärt Vogt. In stilechtem Rahmen wollen die Jungunternehmer den Kunden hier ihre Werke vorführen.

Die sind im Alltag freilich zumeist etwas weniger glamourös als der Ansturm der Außerirdischen – was nicht heißt, dass nicht Fantasie und Witz darin stecken. „Wir haben uns auf Kinowerbung spezialisiert“, sagt Vogt. In München und Ebersberg flimmern schon die ersten Spots aus dem Hause Cinerella über die Leinwand. „Aber leider noch nicht in Bad Tölz“, bedauert Vogt. Heimische Unternehmen, die sich dem Kinopublikum professionell präsentieren wollen, sind eine der nächsten Zielgruppen, die das Tölzer Filmteam anpeilt.

Zum Grundgeschäft gehören zudem Image-Filme und Schulungsvideos für Unternehmen, die dann auf den Internet- oder Facebookseiten der Kunden laufen – so wie zum Beispiel für einen großen Zentrifugen-Hersteller. Für derartige Videos raten Vogt und Egart, Profis zu Hilfe zu nehmen. „Mit einem selbst gedrehten Video kann man sich schnell blamieren.“

Die beiden Gründer von „Cinerella“ dagegen wissen, was sie tun. Der Tölzer Vogt und Egart, der aus Marienstein stammt und jetzt in Lenggries wohnt, kennen sich seit der fünften Klasse. „Mit 14, 15 Jahren haben wir angefangen, Filme zu drehen“, sagt Vogt. „Damit haben wir zum Beispiel Verwandte bei Geburtstagsfeiern beglückt“, berichtet Egart. Tobias Vogt beschloss nach der Schule, das Handwerk von der Pike auf zu erlernen und studierte an der Bayerischen Akademie für Fernsehen in München Kamera und Bildgestaltung. Einen Teil seines Lebensunterhalts bestreitet er heute als freiberuflicher Kameramann. Egart machte unterdessen eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Seine Kenntnisse kann er nun bestens in die Filmfirma einbringen.

Das Geschäft läuft den Inhabern zufolge gut. „Wir sind mehr als zufrieden, wir können unseren Traum leben“, sagt Vogt. Zumal den beiden auch Zeit bleibt, sich kreativ auszutoben. Das tun sie etwa mit kurzen Videos für einheimische Künstler – sei es nun der Tölzer Kabarettist Tom Oswald, dessen satirische Videos über die Leonhardifahrt und den Christkindlmarkt auf Facebook kursieren, sei es die Tölzer Band „Mountain Lake Vista“ oder auch der Mühlfeldchor.

Und dann sind da noch die Spielfilmprojekte von „Cinerella“. Mit der Inszenierung des Untergangs von Tölz „wollen wir zeigen, was wir können“, erklärt Tobias Vogt – „und austesten, wie unser Humor so ankommt“, ergänzt Michael Egart. Denn auf lange Sicht ist ihr großes Ziel, einen Langfilm zu drehen. Das Drehbuch ist schon fertig. Eine bayerische Horrorkomödie soll es werden, in der vergiftetes Bier die Bewohner einer bayerischen Kleinstadt in Zombies verwandelt. Arbeitstitel: „Wer länger lebt, ist später tot“ – als unübersehbare Hommage an den Haushamer Regisseur Marcus H. Rosenmüller. Die Crew für den Film, der nach Vorstellung der Produzenten einmal im Kino zu sehen sein soll, steht schon – großteils ehemalige Studienkollegen Vogts. Eine Hürde ist dagegen noch die Finanzierung. Doch mit Fantasie und Kreativität dürfte auch das kein Problem für die Tölzer Filmproduzenten sein.

Andreas Steppan

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