Den einzig verbliebenen Club in Bad Tölz, das „Pistolero“, möchte Inhaber Johannes Mottl gleich bei erster Gelegenheit am 1. Oktober wieder öffnen.
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Den einzig verbliebenen Club in Bad Tölz, das „Pistolero“, möchte Inhaber Johannes Mottl gleich bei erster Gelegenheit am 1. Oktober wieder öffnen.

„Kann mir noch keinen großen Ansturm vorstellen“

Club-Öffnungen in Bayern: Betreiber wegen Corona-Regel weiter von Sorgen geplagt

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Corona hatte das Tölzer Nachtleben lange zum Erliegen gebracht – allenfalls köchelte es zuletzt auf kleiner Flamme. Doch die Lockerungen, die die Staatsregierung verkündet hat, verheißen nun einen Neuanfang.

Bad Tölz – Dass Diskotheken ab 1. Oktober wieder öffnen dürfen, das betrifft in Bad Tölz mittlerweile nur noch ein Lokal. Das „Pistolero“ ist der einzig verbliebene Club in der Stadt. Inhaber Johannes Mottl plant, gleich am ersten möglichen Abend am Freitag, 1. Oktober, dort anzuknüpfen, wo er vor eineinhalb Jahren aufgehört hat. Freitags und samstags soll dann wieder bis 5 Uhr geöffnet sein. Zuletzt war das „Pistolero“ geschlossen.

Club-Öffnungen in Bayern: Freude über Wegfall der Corona-Sperrstunde

Positiv überrascht war Mottl, als er gleich am Dienstag bei seinem früheren Mitarbeitern anfragte, ob sie wieder zur Verfügung stehen. „Und das Team, wie es vor Corona war, hat Bestand“, freut er sich. Nun blickt er „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft – vorbehaltlich der Auflagen, deren weitere Ausgestaltung er noch abwartet.

Bis vor zwei Jahren gab es auch am Amortplatz mit dem „Alpha Omega“ einen Club. In den dortigen Räumen hat im Juni Thomas Rinner „D’Bar“ eröffnet – wie der Name schon sagt, mit einem ganz anderen Konzept, als „entspannte, gemütliche Bar“, in der es alle vier bis sechs Wochen auch mal Live-Musik geben könnte. Die Eröffnung in Corona-Zeiten war ein Wagnis – allerdings ein unfreiwilliges. Rinner hatte nach eigenen Angaben Ende 2019 den Pachtvertrag unterschrieben und das Kellerlokal in den ersten drei Monaten 2020 komplett umgebaut.

„Und dann gab’s kein Zurück mehr“, sagt er. Dass er nach dem ebenso verspäteten wie gebremsten Start im Juni ab sofort keine Corona-Sperrstunde um 1 Uhr mehr einhalten muss, bezeichnet Rinner als „wahnsinnige Erleichterung“. Seine Bar lässt er nun bis 3 Uhr geöffnet, „und diese zwei Stunden helfen uns sehr“.

Nachtleben in Bad Tölz: Neues Lokal soll an der Wachterstraße eröffnen

Denn in einer Bar würden die Gäste oft erst gegen 23 Uhr eintrudeln. Nach knapp zwei Stunden schon die letzte Runde auszurufen, sei da ungünstig. Trotzdem machen ihm die verbliebenen Auflagen noch genug Sorgen. Vor allem wegen der 3G-Regel „kann ich mir noch keinen großen Ansturm vorstellen“, sagt er.

Einen neuen Fixpunkt im Tölzer Nachtleben könnte es bald auch wieder an der Wachterstraße geben. Der Inhaber des dortigen „Kult“, Jörg Harth, öffnet seine Tanzbar nach der coronabedingten Schließung allerdings nicht mehr, sondern hat sie nach 15 Jahren verkauft. Neuer Eigentümer ist wie berichtet die Investorengruppe von Peter Gascha, Michael Gascha, Sybille Steininger und Hans Besch – zusammen die „Invest5 GmbH“, die auch das benachbarte „Tölzer Bräustüberl“ erworben hat und derzeit umbaut.

Auf Anfrage erklärt Michael Gascha, dass man bereits einen neuen Betreiber für das ehemalige „Kult“ gefunden habe. „Es wird dort wieder ein Lokal entstehen“, sagt der Lenggrieser. Hier sei im Spätherbst bis Winter eine Art „Pre-Opening“ geplant, „eventuell unter neuem Namen“. Bis Frühjahr 2022 werde man an einem Konzept arbeiten – auch wie das „Kult“ und das „Bräustüberl“, die baulich durch einen unterirdischen gang verbunden sind, Synergien nutzen.

Corona-Lockerungen: Skepsis bei Gastronomin wegen 3G-Regel

„Na endlich, wir können wieder richtig durchstarten“, heißt es unterdessen auf der Facebookseite des „Rocks off“ an der Badstraße, wo die Öffnungszeit jetzt wieder mit 20 bis 5 Uhr angegeben wird. Wirt Dino Garrasi hat auf den angekündigten Wegfall der Sperrstunde flugs reagiert und gleich für Freitag ein „Jägermeister-Special“ anberaumt. Für Ute Wagner, Wirtin der Kölsch-Kneipe Click an der Tölzer Schulgasse, ändert sich dagegen vorerst nicht viel.

„Ich mache sowieso gegen 1 Uhr zu“, sagt sie. Die Gastronomin blickt weiterhin skeptisch in die Zukunft – vor allem wegen der 3G-Regel. „Es gibt schon noch jede Menge Ungeimpfte“, hat sie festgestellt. Und die würden den spontanen Kneipenbesuch künftig wohl eher bleiben lassen. Beim Gedanken, nur noch Geimpfte und Genesene einzulassen, wäre der Wirtin aber auch mulmig.

„Ich bin doch sehr demokratisch“, sagt sie. „Jemanden auszuschließen, ist schwierig. In einem kleinen Ort wie Bad Tölz kann man das nicht machen.“ Sie hat nur einen großen Wunsch: „Ich will keine Regeln mehr, ich will wieder normal arbeiten.“ Ute Wagner appelliert daher an alle, sich impfen zu lassen. „Sonst kommen wir da nie raus.“

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