Ohne Touristen gäbe es in der Tölzer Marktstraße „vermutlich einen Handyladen neben dem anderen“, sagt TLT-Chef Andreas Wüstefeld.
+
Ohne Touristen gäbe es in der Tölzer Marktstraße „vermutlich einen Handyladen neben dem anderen“, sagt TLT-Chef Andreas Wüstefeld.

Kreis-Infrakstruktur- und Tourismusausschuss 

Trotz Verkehrschaos und anderer Probleme: „Brauchen den Tagestourismus“ im Tölzer Land

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
    schließen

Welche dramatischen Auswirkungen Corona auf den Tourismus, aber auch auf viele daran hängende Wirtschaftszweige hat, wurde am Montag in der Sitzung des Kreis-Infrastruktur- und Tourismusausschusses deutlich.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Welche dramatischen Auswirkungen Corona auf den Tourismus, aber auch auf viele daran hängende Wirtschaftszweige hat, wurde am Montag in der Sitzung des Kreis-Infrastruktur- und Tourismusausschusses deutlich. Andreas Wüstefeld, Chef von Tölzer Land Tourismus (TLT), hatte Zahlen mitgebracht. Der Tourismus bescherte dem Landkreis im Jahr 2019 einen Bruttoumsatz von knapp 335 Millionen Euro. Dabei kamen 51 Prozent von Tagestouristen. „Die kaufen in der Tölzer Marktstraße ein, gehen essen, parken aber natürlich auch den Walchensee und die Jachenau zu“, sagt Wüstefeld. Das sei die Zwickmühle, in der der Landkreis stecke. „Wir brauchen den Tagestourismus, aber man muss ihn managen. Das wird eine der größten Herausforderungen für die kommenden Jahre.“

Corona habe im März und April bereits für einen Umsatzeinbruch von 33 Millionen Euro im Landkreis gesorgt. Besonders betroffen seien Betriebe, die vom Tagungsgeschäft leben, aber auch solche, die auf Gruppengeschäft angewiesen seien. Als Beispiele nannte Wüstefeld Jugendherbergen, aber auch die Jugendsiedlung Königsdorf.

Umsatzeinbruch von 33 Millionen Euro 

Ingo Mehners (CSU) Sorgen gingen weit darüber hinaus. „Sehen Sie es auch so, dass der Handel unter dem eingebrochenen Tourismus sehr zu leiden hat?“, fragte der Tölzer Bürgermeister. Wüstefeld bejahte. 2019 habe der Einzelhandel mit einem Umsatz von über 83 Millionen Euro vom Tourismus profitiert. „Ich habe von einem namhaften Bäckereibetrieb gehört, dass der Umsatz jetzt um 50 Prozent eingebrochen ist“, sagte der TLT-Chef. „Und das, obwohl die eigenen Leute zu Hause bleiben und mehr konsumieren“, ergänzte Landrat Josef Niedermaier (FW).

Alexander Müllejans (Grüne) wollte wissen, ob es heuer vielleicht zu einem „Aufholungsgeschäft kommen könnte“. Sprich: Die Menschen verreisen im eigenen Land und gleichen so die Verluste aus dem ersten Halbjahr aus. Wüstefeld ist mehr als skeptisch. Neueste Studien würden zeigen, dass sich 40 Prozent der Deutschen abwartend verhalten, was ihren Urlaub betrifft. „Ein Drittel wird vermutlich gar nicht verreisen.“ Das liege einmal daran, dass viele für die Kinderbetreuung ihren Jahresurlaub aufgebraucht haben. Zudem befinden sich nach wie vor Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit. „Und die Unsicherheit trübt die Urlaubsstimmung“, sagte Wüstefeld. „Es wird vielleicht bei einzelnen Nachholeffekte geben, nicht aber in der Gesamtheit“, ergänzte Niedermaier.

Neue Kampagne: „harmonisch miteinand im Tölzer Land“ 

Dass die Verunsicherung bei den Urlaubern groß ist, bestätigte Lydia Hofherr (CSU). „Wenn bei einem Caterer in Starnberg Corona auftritt, wird bei uns storniert, weil die Urlauber glauben, dass es hier gefährlich ist“, sagte die Chefin des Königsdorfer Posthotels. Schon jetzt gebe es 50 Prozent Stornierungen bis zum Jahresende. Zu leiden habe auch nach wie vor die Gastronomie. „Wenn der Biergarten offen ist, ist viel los. Im Haus gehen die Leute ungern zum Essen“, sagte Hofherr.

Wie viele Wirtschaftszweige am Tourismus hängen, das will TLT durch eine neue Kampagne deutlich machen. „Harmonisch miteinand im Tölzer Land“, lautet der Arbeitstitel. Sie soll auch wieder das Verständnis der Einheimischen für Urlauber – vor allem Tagestouristen fördern. Letzteres leidet derzeit vor allem unter den mitunter chaotischen Verhältnissen an den touristischen Hotspots wie dem Walchensee. Jenseits dieser Probleme müssten die Menschen im Landkreis aber auch sehen, welche Vorteile sie vom Tourismus haben, sagte Wüstefeld. Viele Infrastruktureinrichtungen wie Schwimmbäder, Bergbahnen und Radwege gebe es wegen des Tourismus’. „Und in der Marktstraße in Tölz gäbe es ohne Touristen vermutlich nur einen Handyladen neben dem anderen.“

Verunsicherung bei den Urlaubern groß 

Natürlich „brauchen wir den Tagestourismus“, betonte der ehemalige Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch (FW).Aber man brauche auch Lösungen für die Probleme. „Genau das versuchen wir, durch das Walchenseekonzept anzugehen. Aber alles unter einen Hut zu bringen, das wird schwierig werden.“ Das glaubt auch Michael Häsch (CSU). Er regte an, das richtige Verhalten in der Natur als Thema aufzugreifen. Denn viele seien für Naturschutz, würden dann abermit dem Mountainbike durch Wild-Rückzugszonen fahren, Wege zuparken und mit oder ohne Hunde quer über Wiesen laufen. „Manche sagen, man bräuchte mittlerweile einen Verhaltensknigge. Es schafft auf jeden Fall viel böses Blut.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tölzer Polizeichef zu Corona: 460 Verstöße, aber die Hoffnung auf ein gutes Ende
Die Corona-Pandemie und die Beschränkungen des öffentlichen Lebens stellten die Polizei vor Herausforderungen. Der Tölzer Polizeichef Johannes Kufner zieht im Gespräch …
Tölzer Polizeichef zu Corona: 460 Verstöße, aber die Hoffnung auf ein gutes Ende
Profi als Ärztin und Beachvolleyballerin
In der Asklepios-Klinik Bad Tölz hilft sie Menschen nach Schlaganfällen oder bei Parkinson. In ihrer Freizeit frönt Michaela Henry ihrer Leidenschaft im Sand.
Profi als Ärztin und Beachvolleyballerin
Wetterkerze: Das sagt Sepp Haslinger für den Winter voraus
Seine Vorhersagen sind für einige Kult, andere belächeln sie. Sepp Haslinger hat seine Wetterkerze angeschaut und verrät, wie viel Schnee der Winter bringt.
Wetterkerze: Das sagt Sepp Haslinger für den Winter voraus
Polizei warnt vor gefälschtem Papier zur Maskenpflicht
Auch wenn eine kursierende Fälschung den Menschen etwas anderes weismachen soll: Ladeninhaber dürfen Maskenmuffel vor die Tür setzen oder sich Atteste vorlegen lassen.
Polizei warnt vor gefälschtem Papier zur Maskenpflicht

Kommentare