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Tölzer Eishockeyspieler kämpft seit einem Jahr gegen Long-Covid - spielen kann er nicht

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Von: Patrick Staar

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Zuschauen statt selbst Eishockey spielen: Seit einem Jahr hat Johannes Sedlmayr kein Spiel mehr für die Tölzer Löwen absolviert. Wann er zurück aufs Eis kann, ist noch nicht absehbar.
Zuschauen statt selbst Eishockey spielen: Seit einem Jahr hat Johannes Sedlmayr kein Spiel mehr für die Tölzer Löwen absolviert. Wann er zurück aufs Eis kann, ist noch nicht absehbar. © Arndt Pröhl

Johannes Sedlmayr, Stürmer der Tölzer Löwen, infizierte sich vor einem Jahr mit Corona. Bis heute leidet er unter einer Herzmuskel-Entzündung. Wann er wieder aufs Eis darf? Unklar.

Bad Tölz - Vor fast genau einem Jahr hat sich Johannes Sedlmayr mit dem Corona-Virus infiziert. Der Stürmer der Tölzer Löwen hat sich noch immer nicht von den Folgen erholt.

Wie geht es Ihnen?

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Johannes Sedlmayr: Soweit gut, mein Alltag ist abgesehen vom Sport wieder normal.

Weiß man, wie Sie sich infiziert haben?

Sedlmayr: Wir können es nicht genau sagen. Vermutlich war’s beim Spiel gegen Weißwasser am 22. November 2020. Beweisen kann das aber niemand. Bei uns hat es mehrere Spieler erwischt. Die meisten haben gesagt, sie haben Gliederschmerzen oder sie können nichts mehr schmecken. Es waren wenige, die es richtig schlimm erwischt hat.

Können Sie schildern, wie es Ihnen in den ersten Wochen nach der Infektion gegangen ist?

Sedlmayr: Zwei, drei Monate lang war ein Spaziergang das Höchste der Gefühle für mich. Schwierig war vor allem, dass mir niemand erklären konnte, was mir eigentlich fehlt. Alle haben gesagt: „Dir fehlt nichts.“ Und zugleich war aber alles so unnatürlich anstrengend für mich.

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Wie lief der Ärzte-Marathon ab?

Sedlmayr: Ich hatte Corona und war 14 Tage in Quarantäne. Besser gesagt drei Wochen, weil es mir damals sehr schlecht gegangen ist. Jeder betroffene Spieler musste erst mal für einen Herz-Test zum Kardiologen. Dort haben sie nichts gefunden – weder beim Herz-Ultraschall noch bei den Bluttests. Also ging ich weiter zum Lungen-Spezialisten. Da sind alle möglichen Untersuchungen gemacht worden – auch ohne Ergebnis. Im Februar wurde dann ein Herz-MRT gemacht. Da ist rausgekommen, dass ich doch eine Herzmuskel-Entzündung habe.

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Wie ging es dann weiter?

Sedlmayr: Im September ist das nächste Mal ein Herz-MRT gemacht worden. Da war es schon deutlich besser geworden. Die Herzmuskel-Entzündung ist so gut wie ausgeheilt. Allerdings ist meine Herzpump-Funktion noch zu gering, als dass ich wieder Leistungssport machen könnte.

Besteht die Hoffnung, dass sich das Herz wieder erholt?

Sedlmayr: Ich war bei mehreren Ärzten, und jeder hat gesagt, dass ich wieder komplett gesund werde. Als klar war, dass ich eine Herzmuskel-Entzündung habe, hieß es: Nach sechs Monaten sollte alles wieder gut sein. Aber da war es noch nicht ansatzweise wieder gut. Wie lange es dauert, kann keiner vorhersehen.

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Haben Sie Angst, dass Sie womöglich nie mehr wieder Eishockey spielen können?

Sedlmayr: Nein, Angst nicht direkt. Mir wurde ja glaubhaft versichert, dass ich wieder komplett gesund werde. Das ist das Wichtigste. Mein persönliches Ziel ist, dass ich nächstes Jahr wieder auf dem Eis stehen kann.

Ist inzwischen wenigstens wieder ein leichtes Training möglich?

Sedlmayr: Radfahren und Krafttraining mit bis zu 130 Pulsschlägen darf ich seit ein paar Monaten machen.

Wie sieht’s mit einer Bergwanderung aus?

Sedlmayr: Geht leider nicht. Ich mache nur Dinge, bei denen ich den Puls genau kontrollieren kann. Beim ersten Anstieg wäre mein Puls sofort zu hoch.

Wie oft haben Sie Kontakt zur Mannschaft?

Sedlmayr: Täglich. Ich bin als Co-Trainer aktiv und mache sonst sämtliche Tätigkeiten für die TEG.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Sedlmayr: Ich fahre in der Früh ins Stadion, mache mein Trainingsprogramm und danach sieht man, was ansteht für den Tag. Zum Beispiel individuelle Videoanalyse mit den Jungen im Team. Dienstagabends machen Flocko (Nachwuchsleiter Florian Funk, d. Red.) und ich zusätzlich ein Fördertraining für die jungen Spieler aus der 1. Mannschaft, DNL und U17.

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Sie sind also so eine Art Geschäftsstellen-Mitarbeiter-Trainer-Spieler?

Sedlmayr: (lacht) Naja, ich bin ein Spieler im Wartestand. Ich helfe überall mit, wo es geht. Ich kümmere mich um Sponsoren, hänge Werbetafeln auf und mache alles, was so anfällt. Im Sommer haben wir zudem das Stadion angemalt und viele weitere Dinge verschönert, die ich schon immer im Sinn hatte, für die jedoch die Zeit gefehlt hat.

Wie stehen Sie zu den Corona-Diskussionen, die derzeit geführt werden?

Sedlmayr: Das ist ein sehr schwieriges Thema. Was Coronamaßnahmen betrifft, sind wir hier bei den Löwen sehr vorsichtig und vorbildlich. Aber sobald einer Corona hat, verbreitet sich der Virus rasend schnell, wie man ja bei vielen Sportmannschaften momentan sieht.

Könnten Sie sich vorstellen, später als Trainer zu arbeiten?

Sedlmayr: Mein Ziel ist, nächstes Jahr wieder auf dem Eis zu stehen. Was sonst noch kommt, wird man sehen. Ich werde auf jeden Fall den Trainerschein machen, da ich ja seit Jahren im Nachwuchs mithelfe.

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