In einem Nachtlokal Cocktails schlürfe, das ist momentan undenkbar. Am meisten leiden darunter die Besitzer. 
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In einem Nachtlokal Cocktails schlürfen, das ist momentan undenkbar. Am meisten leiden darunter die Besitzer. (Symbolbild)

Corona Krise

Das Tölzer Nachtleben liegt auf Eis

  • Melina Staar
    vonMelina Staar
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Die Corona Krise legt sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens lahm. Besonders hart trifft das die Club- und Barbesitzer aus dem Landkreis. Manche befürchten, dass dich jedes Nachtlokal das überleben wird. 

Bad Tölz – Größere Mengen eines Softdrinks bietet das „Pistolero“ zu vergünstigten Preisen am Samstag zum Verkauf an. So steht es auf der Facebook-Seite des Tölzer Clubs. „Wir haben das palettenweise eingekauft“, sagt einer der Inhaber, Johannes Mottl. Mindesthaltbarkeitsdatum ist Juli – er rechnet aber nicht damit, dass er das Getränk bis dahin wird ausschenken können. „Null Umsatz von sofort auf gleich, trotzdem fortlaufende Kosten“ – Mottl befürchtet, dass nicht alle Nachtlokale die Corona-Krise überleben werden.

Er selbst hat Soforthilfe vom Staat beantragt. Als Untermieter des „Jailhouse“ seien ihm dessen Betreiber Peter Frech und Steffi Hörmann mit der Miete entgegengekommen. „Darüber bin ich sehr froh. Sie haben ja auch selber ihre Kosten.“ Er selbst hat noch ein anderes berufliches Standbein. Sein Geschäftspartner aber hat neben dem „Pistolero“ noch eine Disco in Rosenheim und nun auf zwei Fronten zu kämpfen.

„Null Umsatz von sofort auf gleich“

Schon bevor das Versammlungsverbot in Kraft trat, hatte das „Pistolero“ zugemacht. „Wir haben mitbekommen, dass einige Münchner Clubs Veranstaltungen abgesagt haben und uns das als Beispiel genommen“, so Mottl. Am 13. März habe er händeringend versucht, vom Gesundheitsamt eine Weisung zu bekommen, was zu tun sei – dort konnte man ihm aber nicht weiterhelfen. „Weil die Konsequenzen nicht klar waren, haben wir dann beschlossen, nicht mehr zu öffnen.“ Wenn 200 bis 300 Leute eng miteinander feierten, sei das Risiko einfach zu groß. „Wir wollten auf keinen Fall ein Hotspot werden und unsere Gäste gefährden.“

Derzeit geht Mottl davon aus, dass der Club auf keinen Fall vor August oder September wieder öffnen kann. „Ich kann mir vorstellen, dass es Auflagen geben wird, dass beispielsweise zunächst nur Barbetrieb erlaubt ist. Das ist für eine Tanzbar aber nicht wirklich lukrativ.“ Aber er halte die Maßnahmen trotz allem für die richtige Entscheidung. „In Clubs ist es eng, alle schwitzen, man hat viel Körperkontakt. Ohne Grundimmunität ist das nicht machbar.“

Betreiber macht Türen zu, bevor es zu Ausgangsbeschränkungen kam 

Ob das „Pistolero“ durchhält bis zum Ende der Krise? „Das ist noch unklar. Es gibt zu viele ungeklärte Fragen“, sagt Johannes Mottl. Er hofft auch für andere Clubs, dass Vermieter den Pächtern entgegenkommen. „Weil wenn die jetzigen Clubbesitzer nicht mehr öffnen, wird es so schnell keinen Nachfolger geben. Das Risiko ist viel zu groß.“

Dino Garrasi, Inhaber des „Rocks Off“, nutzt momentan die Zeit für eine Grundreinigung und Renovierungsarbeiten. Fast jeden Tag ist er in der Musikkneipe. „Im Moment kann ich noch nicht sagen, wie ich mit den Unkosten klarkomme“, sagt er. Viel hänge davon ab, ob ihm seine Brauerei mit der Pacht entgegenkomme. In der Zwischenzeit gehe er seiner „normalen Arbeit“ wie gewohnt nach. „Aber das ,Rocks‘ ist mein Baby.“ Am 30. April hätte er 28-jähriges Bestehen der Kneipe gefeiert. „Das wird ein trauriger Geburtstag.“ An den Wochenenden sei es ganz besonders schlimm. „Die Kneipe ist ja mein dauerhaftes Wohnzimmer. Das schmerzt sehr.“

DJs in den Lokalitäten auflegen zu lassen und das Ganze übers Internet zu streamen – wie es mancher Club derzeit macht – ist für Mottl und Garrasi keine Alternative. „Man kann damit der Community die Zeit vertreiben und sie unterhalten – aber Geld verdient man damit nicht“, sagt Mottl. „Die Leute sind nicht beinand’, jeder sitzt allein daheim“, das sei etwas ganz anderes, sagt auch Garrasi.

„Die Kneipe ist mein dauerhaftes Wohnzimmer. Das schmerzt sehr.“ 

Auch der „Rocks Off“-Betreiber versuchte, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Weil die laufenden Kosten ja bleiben.“ Weil er aber ein Nebeneinkommen durch seinen anderen Beruf habe, falle er durchs Raster. Aber da gebe es gerade einige Änderungen. „Seit letzter Woche gibt es das Formular, dass ich nicht mit meinem Nebeneinkommen für alles, was den Club betrifft, aufkommen muss“, sagt Garrasi. Das wäre auch nicht möglich. „Die Pacht ist höher als das, was ich verdiene.“ Nun habe er einen weiteren Antrag gestellt und warte auf Bescheid.

Den erhofft sich auch Philipp Behler vom „Shelter Pub“ an der Salzstraße. „Noch habe ich nichts gehört.“ Für ihn sei die Situation „besonders blöd“. Erst im März hatte er die Kneipe übernommen. „Wir hatten nur zwei Wochenenden auf. Und die Kosten laufen natürlich weiter.“ Es sei schwierig, über die Runden zu kommen. Daher habe er nun einen Vollzeitjob angenommen. „Die Pacht wurde mir glücklicherweise vorerst auch erlassen, ich muss derzeit nur die Nebenkosten zahlen.“ Aber früher oder später müsse er das Geld zurückerstatten. Dass es vor Juni weitergehe, kann sich Behler nicht vorstellen. Weitermachen möchte er mit dem Pub aber auf alle Fälle. „Aber das Geld wird enger – und man hat ja auch private Fixkosten.“ Keinerlei Einnahmen vom „Shelter Pub“ gut einen Monat nach der Übernahme – „das“, sagt Behler, „war so nicht vorhersehbar“.

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