Freut sich auf die Öffnung am Montag: Johanna Kopp von der Buchhandlung Rupprecht.
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Freut sich auf die Öffnung am Montag: Johanna Kopp von der Buchhandlung Rupprecht.

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Corona-Beschlüsse: Glück für Einzelhandel und Museen, „Katastrophe“ für die Gastronomie

  • Silke Scheder
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Schon am Montag könnte die Tölzer Marktstraße aus ihrem Tiefschlaf erwachen: Stimmt die Inzidenz, darf unter anderem der Einzelhandel öffnen. Gastronomie, Hotellerie und Ferienwohnungen haben das Nachsehen. Der Unmut ist groß.

  • Kreisvorsitzende des des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands spricht von einer „Farce“.
  • Öffnung aus Sicht von Einzelhändler Peter Wiedemann überfällig.
  • Franz-Marc-Museum in Kochel öffnet nicht gleich am Montag.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Monika Poschenrieder findet deutliche Worte für die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern. „Für die Gastronomie ist es Mist, für die Hotels eine Katastrophe“, urteilt die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA). Gehofft habe man auf eine klare Ansage und verständliche Öffnungsstrategie. Stattdessen sei das Chaos nun perfekt.

Demnach darf ab dem 22. März lediglich die Außengastronomie öffnen – aber nur, wenn die Inzidenz in den 14 Tagen zuvor unter 50 lag. Liegt der Wert zwischen 50 und 100, müssen Termine gebucht werden. Bei verschiedenen Hausständen sind außerdem Schnell- und Selbsttests geplant. „Die gibt es noch nicht mal“, moniert Poschenrieder. Und auch sonst seien die Vorgaben viel zu kompliziert und nicht durchdacht. „Was sollen wir zum Beispiel machen, wenn das Wetter umschlägt, die Gäste aber nicht ins Innere dürfen?

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Noch schlimmer trifft es aus Poschenrieders Sicht die Hotels. Sie bekämen jetzt die Anfragen für Ostern, für Hochzeiten und Tagungen. Über die Öffnungen von Hotels und Ferienwohnungen will die Bundesregierung aber erst am 22. März debattieren. „Aber wir sind Unternehmer, wir müssen planen können.“ Außerdem habe sich gezeigt, dass die Inzidenzwerte nach der Schließung von Gastronomie und Hotellerie nicht gesunken seien. „Wir sind nicht schuld“, betont die DEHOGA-Kreisvorsitzende. Dass die Branche dennoch nicht öffnen dürfe, nennt sie eine „Farce“.

Deutlich besser ist die Stimmung von Peter Wiedemann. Der Geschäftsführer der Parfümerie Wiedemann darf ab Montag alle Filialen wieder aufmachen, wenn sie in Landkreisen mit einer Inzidenz unter 50 liegen. „Darüber dürfen wir auch öffnen, allerdings müssen sich die Kunden vorher ein Terminfenster geben lassen.“ Noch liege die entsprechende Änderung des Infektionsschutzgesetzes mit allen Details nicht vor. Wiedemann geht aber davon aus, dass nächste Woche damit die gesamte Marktstraße wieder aus dem Tiefschlaf erwacht – bis auf die Gastronomie eben. Aus Sicht des Spartensprechers für den Bereich „Handel“ beim Unternehmerverein „Wir für Tölz!“ ist die Öffnung überfällig: Die Infektionsgefahr in kleinen Läden ist deutlich geringer als in „Hochfrequenzbetrieben“ wie Bau-, Super- und Drogeriemärkte, betont Wiedemann.

Buchhandlungen dürfen am Montag unter denselben Bedingungen wie der Einzelhandel ebenfalls wieder öffnen. „Das geht jetzt zwar wahnsinnig schnell, aber wir freuen uns sehr darauf“, sagt Melanie Kallweit, Leiterin der Buchhandlung Rupprecht in Bad Tölz. Man sei gut vorbereitet. Wie nach dem letzten Lockdown bleibt die Kundenanzahl begrenzt, es gibt spezielle Laufwege – und natürlich gilt Maskenpflicht. Dafür dürfen Leseratten ab Montag endlich wieder stöbern. „Das hat vielen gefehlt“, sagt Auszubildende Johanna Kopp.

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Wann das Franz-Marc-Museum in Kochel am See wieder öffnet, steht noch nicht fest. Theoretisch könnte es am Montag wieder aufsperren. „Das geht aber nicht von einem Tag auf den anderen“, sagt Sprecherin Bettina Pauli. „Wir sind aber dabei, alles vorzubereiten, damit wir möglichst schnell öffnen können.“ Vor allem wolle man abwarten, welche Bedingungen genau es zu erfüllen gibt. Die stehen laut Pauli in einer neuen Verordnung, die das Landratsamt am Samstag per E-Mail verschickt.

Enttäuschung herrscht derweil auf dem Grasmüllerhof in Lenggries, wo Anton und Anni Heiß Ferienwohnungen vermieten. „Wir hatten gehofft, dass jetzt schon etwas gelockert wird“, sagt Anni Heiß. Bei Ferienwohnungen handle es sich schließlich um abgeschlossene Einheiten. Da es auf dem Grasmüllerhof keinen Frühstücksraum gebe, müssten sich Gast und Vermieter nicht einmal begegnen. „Der Unmut ist schon groß“, sagt die Lenggrieserin. „Wir hoffen jetzt sehr schwer auf Ostern.“

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