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Nachwirkungen der Corona-Pandemie: Fachkräftemangel im Gastgewerbe ist „blanke Katastrophe“

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Von: Felicitas Bogner

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Uschi Guggenbichler (re.) von der „Klosterschänke“ in Dietramszell packt im Service zwar auch selbst mit an, trotzdem brauchen sie und Bedienung Meli Hurler Unterstützung.
Uschi Guggenbichler (re.) von der „Klosterschänke“ in Dietramszell packt im Service zwar auch selbst mit an, trotzdem brauchen sie und Bedienung Meli Hurler Unterstützung. © SH

Hoteliers und Gastronomen im Landkreis kämpfen aktuell um Mitarbeiter. Viel Personal ist während dem Lockdown in andere Branchen abgewandert und dort geblieben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wie fast keine anderen Branchen wurden Gastronomie und Hotellerie von Corona hart getroffen. Nach dem Wegfall der Beschränkungen kommen zwar die Gäste wieder, aber die Betriebe müssen nun viele Herausforderungen wie steigende Lebensmittel- und Energiepreise sowie Fachkräftemangel gleichzeitig meistern. Letzteres stellt eine große Belastung für die Lokale und Hotels im Landkreis dar. Viele Service- und Küchenkräfte haben sich umorientiert.

Fachkräftemangel in Gastronomie und Hotellerie: Viele arbeiten jetzt in Testzentren

„Das ist für uns ein riesen Problem“, platzt es aus Ursula Guggenbichler von der „Klosterschänke Dietramszell“ heraus. „Es ist unfassbar viel Personal in die Testzentren abgewandert.“ Auch das in der Gastronomie recht lukrative Trinkgeld sei kein Lockmittel mehr. „Viele Testzentren zahlen über 15 Euro die Stunde, da relativiert sich das recht schnell. Obendrein ist es bequemer, Coronatests zu machen, als zu bedienen.“

Guggenbichler steht nun vor einer Mammutaufgabe: „Bei gutem Wetter ist die Bude voll und ich muss ad hoc Mitarbeiter finden.“ Dafür ziehe sie alle Register: „Wir haben in den sozialen Medien Aufrufe gestartet, im Lokal einen Aushang gemacht, in Zeitungen inseriert und versuchen, über unseren Personalstamm Leute zu akquirieren“, berichtet die Wirtin. Aktuell müsse sie auch selbst kellnern. In der Küche hingegen habe sie „zum Glück“ keine Personalprobleme. „Da arbeiten wir nicht mit Aushilfen und konnten durch die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes alle halten.“

Auch der beliebte Tölzer Unverpackt-Laden „Ois ohne“ kämpft ums Überleben.

Gastronomen und Hoteliers suchen händeringend nach Personal

Als „blanke Katastrophe“ bezeichnet Rafal Dzygalo, Geschäftsführer des Hotels und Restaurants „Karwendelblick“ am Walchensee die Lage. „Vor einem Jahr gab es wenigstens noch ein paar Anfragen, aber jetzt hat niemand mehr Interesse an Jobs im Hotel oder der Gastro“, merkt er. Vor Corona habe er diesbezüglich nie Sorgen gehabt. „Ich mache das hier seit elf Jahren.“

Zu vielen ehemaligen Mitarbeitern habe er noch Kontakt. „Sie sind in die unterschiedlichsten Branchen abgewandert, eine arbeitet wieder als Friseurin, ein anderer hat mittlerweile eine Hühnerfarm.“ Aktuell spreche der Hotelier aktiv Menschen an, in der Hoffnung, mehr Personal für seinen Betrieb zu bekommen. „Selbst in meiner Heimat Polen habe ich schon Leute gesucht“, erklärt Dzygalo.

Fachkräftemangel aufgrund von schlechten Arbeitszeiten?

Er geht davon aus, dass die Unsicherheiten aufgrund der Pandemie in Kombination mit den unattraktiven Arbeitszeiten an der Misere schuld sind. „Wenige wollen am Wochenende und abends arbeiten. Im Restaurant ist die Lage daher schlimmer als im Hotel.“ Hauptproblem bei ihm sei die Küche. „Es gibt überhaupt kein Fachpersonal mehr. Einen guten Koch zu finden, ist irre schwierig.“

Nun habe er eine neue Idee: „Ich würde ukrainischen Flüchtlingen Arbeit hier anbieten. Ich weiß, dass viele Interesse haben.“ Aber der Behördenweg sei bisher sehr kompliziert. „Ob und wenn und wie das klappt, weiß ich noch nicht.“ Dzygalo wäre auch dazu bereit, jemandem eine Festanstellung zu geben. Bis dahin müsse auch er selbst anpacken. „Ich arbeite im Service mit, meine Frau macht neben der Rezeption parallel das Frühstück.“

Fachkräftemangel: Viele packen selber an und bekommen Unterstützung aus der Familie

Nicht anders ergeht es Franz Holzheu, dem Wirt vom Wolfratshauser Gasthof zum Löwenbräu. „Ich bin heilfroh, dass meine Geschwister und ihre Kinder mir oft helfen und mit anpacken“, sagt er. „Personal zu bekommen ist sehr schwer geworden, Fachpersonal zu bekommen schier unmöglich.“ Aktuell bräuchte er vor allem Aushilfen. „Festangestellte habe ich genug, die sind auch geblieben, da ich während des Lockdowns ein gutes To-go-Geschäft hatte.“

Im Hotel und „Café am Wald“ in Bad Tölz zeichnet sich ein anderes Bild ab. „Wir haben Glück, dass wir unsere Mitarbeiter halten konnten“, sagt Junior-Chefin Sandra Fritz. „Ich weiß, dass das Problem in der Branche gerade grassiert. Uns trifft es aber nicht, da wir auch vor Corona kaum mit 450-Euro-Kräften gearbeitet haben“, erklärt sie. Dazu habe auch sie im Lockdown das Kurzarbeitergeld ihrer Mitarbeiter voll aufgestockt. „Anderweitig hätten wir jetzt ein großes Problem. Als kleines Team merkt man den Ausfall von einer Person bereits deutlich.“

Fachkräftemangel: Erleichterung beim Wirt vom Panoramarestaurant Brauneck

Erleichtert ist auch Hans Müller, Wirt des Panoramarestaurants auf dem Brauneck. „Ich bekomme mit, wie viele Kollegen kämpfen, Mitarbeiter zu bekommen. Umso glücklicher kann ich mich schätzen, mit meinem gewohnten Team in die Saison zu starten“, frohlockt er.

Rudolf Rohrmoser, Inhaber des Hotels und Restaurants Reindlschmiede in Bad Heilbrunn, bekommt den Fachkräftemangel hingegen zu spüren. Ganz neu sei die Thematik nicht. „Das war schon immer saisonbedingt. Bei viel Arbeit gibt es Personalengpässe.“ Dabei stelle er aber einen Unterschied fest: „Die Angst vor einem erneuten Lockdown ist beim Gastropersonal größer als in der Hotellerie.“ Dies liege aber auch daran, dass er in der „Reindlschmiede“ neben Touristen auch viele Handwerker und Berufsreisende beherberge. „Geschäftsreisen waren ja immer möglich“, erklärt er.

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