Vakzin von AstraZeneca
+
Eine Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca wird von manchen mit Skepsis betrachtet. Nur wenn die Akzeptanz steigt, werden 1000 Impfungen pro Tag im Landkreis möglich sein.

Mehr Vakzindosen werden erwartet

Corona im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: 1000 statt 300 Impfungen pro Tag ist das Ziel

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
    schließen

Einen „Impfstoff-Tsunami“ erwartet Florian Streidl von der Führungsgruppe Katastrophenschutz im Landratsamt für April. Sprich: Es werden deutlich mehr Impfdosen zur Verfügung stehen. Dafür müssen die Kapazitäten in den beiden Impfzentren erweitert werden: von derzeit 300 auf 1000 Impfungen pro Tag.

  • Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erwartet ab April deutlich mehr Impfstoffdosen
  • Die Kapazitäten in den Impfzentren sollen von 300 Impfungen am Tag auf 1000 erhöht werden
  • Zur Verfügung stehen wird vermutlich vor allem Impfstoff von AstraZeneca, dieser ist nicht unumstritten

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Erweiterung der Kapazitäten bekomme man hin, sagt Landrat Josef Niedermaier auf Anfrage. Das einzige Problem, das er derzeit sieht, ist, dass vor allem Impfdosen von AstraZeneca zur Verfügung stehen werden. Und dieser Hersteller werde derzeit von vielen abgelehnt.

AstraZeneca werde schlecht geredet, sei es aber nicht

„Die Welt schießt sich auf AstraZeneca ein“, fasst es Dr. Jörg Lohse, Hausarzt aus Münsing und Ärztlicher Koordinator im Landkreis, auf Anfrage zusammen. So bescheinigen Studien dem Vakzin, das in Deutschland nur unter 65-Jährigen geimpft werden darf, eine Wirksamkeit von 70 Prozent, bei den Herstellen Moderna und Biontech liege sie höher. Nicht unbedingt zur Akzeptanz trägt bei, dass AstraZeneca gegen Virus-Mutationen offenbar nicht sehr wirksam ist. Aber, sagt Lohse auf Anfrage, AstraZeneca werde als schlecht verkauft, sei es aber nicht. „Wenn die Alternative ist, bis zum Herbst nackig durch die Welt zu rennen oder mich damit impfen zu lassen, würde ich AstraZeneca sofort als Schutzweste anlegen.“ Zumal Lohse davon ausgeht, dass im Herbst ohnehin für alle weitere Impfungen nötig sein werden, um gegen Mutationen geschützt zu sein und sich gezeigt habe, dass Biontech scheinbar mit jeder weiteren Impfung mehr Nebenwirkungen habe.

Am Dienstag gab es im Landkreis erstmals Impfstoff aller drei Hersteller

Am Dienstag wurden an die Impfzentren in Bad Tölz und Wolfratshausen zum ersten Mal Dosen aller drei Hersteller geliefert, sagt Impfzentrumsleiter Maximilian Pfandl von der Aicher Ambulanz. Man habe bereits in den vergangenen Wochen gemerkt, dass die Menge an geliefertem Impfstoff zunehme. Gab es anfangs pro Woche nur 90 Ampullen a sechs Dosen, waren es zuletzt 195. Rund 300 Impfungen pro Tag können die beiden Zentren in Tölz und Wolfratshausen momentan abwickeln – sofern Impfstoff zur Verfügung steht.

Landrat Josef Niedermaier

Klappt mit den angekündigten Lieferungen alles so wie geplant, geht die Schlagzahl wohl ab April deutlich nach oben. Anfangs habe man überlegt, weitere Gebäude anzumieten, sagt Niedermaier. Einige habe man sich auch angeschaut. Die bessere Lösung sei aber, die beiden bestehenden Standorte auszubauen und dort weitere Räumlichkeiten hinzuzunehmen. „Wir haben eine sportliche und eine nicht ganz so sportliche Variante durchgespielt“, sagt Lohse. Bei ersterer sind 1260 Impfungen pro Tag möglich, bei letzterer 860. Warteschlangen würden sich dann wohl nicht mehr vermeiden lassen. „Aber dann ist das halt so“, sagt Niedermaier. Angedacht sei aber beispielsweise, Container aufzustellen, damit die Menschen bei schlechtem Wetter nicht im Freien warten müssen.

Impfungen künftig im Zwei-Schicht-Betrieb

Geplant ist eine Impfung im Zwei-Schicht-Betrieb – zu sinnvollen Zeiten. „Wir werden sicher nicht morgens um 2 Uhr jemanden zum Impfen einbestellen“, sagt Niedermaier. Mitgeteilt werden soll künftig bei der Einladung zum Impftermin auch, mit welchem Vakzin geimpft wird. Und darüber lasse sich beim eigentlichen Termin auch nicht mehr diskutieren, betont Niedermaier. „Sonst schaffen wir die Zahl nicht.“

Ist das für die Aicher Ambulanz eigentlich personell zu schaffen? „Wir haben glücklicherweise einige Anfragen von Ärzten, die sich beteiligen wollen“, sagt Pfandl. Etwas schwieriger sei es, medizinische Fachangestellte zu finden.

Kann man nicht auch in Hausarzt-Praxen impfen?

Wäre es aber denn nicht möglich, auch in Hausarztpraxen zu impfen? Es habe einen Versuch im Berchtesgadener Land gegeben, sagt Niedermaier. „Aber der Teufel steckt im Detail.“ Die Hausärzte bräuchten eine Anbindung an die zentrale Software „BayImco“, über die das gesamte Impfmanagement – von der Registrierung über die Einladung zum Termin bis hin zum Eintragen der Impfungen – läuft. „Das Modul für die Hausärzte gibt es noch nicht“, sagt Niedermaier. Auch die Belieferung mit Impfstoff und dessen Lagerung in den Praxen sei schwierig. Eigentlich gehe das nur mit AstraZeneca. Lohse glaubt, dass das Impfen in den Hausarztpraxen mittelfristig vermutlich möglich sein wird – aber eher nicht vor dem Sommer. Eventuell werde es einige Pilotversuche früher geben. „Die zentrale Impfung wird uns aber mit Sicherheit länger erhalten bleiben“, sagt Niedermaier.

Kosten pro Tag sind beträchtlich: Freistaat finanziert derzeit nur 300 Impfungen pro Tag

Die ist übrigens mit beträchtlichen Ausgaben verbunden. Rund eine halbe Million Euro kostet der Betrieb der beiden Impfzentren derzeit pro Monat. Tendenz steigend, wenn die Kapazitäten erweitert werden. Ersetzt werden dem Landkreis die Ausgaben vom Freistaat. Allerdings gibt es derzeit nur eine Übernahmezusage für 300 Impfungen pro Tag. Niedermaier geht aber davon aus, dass es hier eine Änderung gibt. „Wir können uns eigentlich schon immer auf den Freistaat verlassen.“

Und wie weit ist man mit den Impfbemühungen im Landkreis? Bis einschließlich Montag wurden 6483 Dosen verimpft. In den Pflegeheimen seien nun auch die Zweitimpfungen nahezu abgeschlossen, sagt Florian Streidl vom Katatstrophenschutz. Wie viele Menschen in der Prioritätengruppe 1 – dazu gehören unter anderem über 80-Jährige und medizinisches Personal – im Landkreis noch geimpft werden müssen, könne man leider nicht sagen, erklärt Niedermaier. Das sei für die Landkreise im zentralen System nicht einsehbar.

Einen Überblick über die Corona-Entwicklung im Landkreis gibt es hier.

Lesen Sie auch: Wackersberger Arzt war einer der ersten Infizierten: „Corona ist kein Kinderspiel“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare