Wer einen Laien-Coronatest zum Selbstdurchführen sucht, tut sich mit dem Kauf aktuell noch schwer. Noch unwahrscheinlicher ist es, im Landkreis einen kostenlosen Schnelltest, durchgeführt vom Profi, zu bekommen.
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Wer einen Laien-Coronatest zum Selbstdurchführen sucht, tut sich mit dem Kauf aktuell noch schwer. Noch unwahrscheinlicher ist es, im Landkreis einen kostenlosen Schnelltest, durchgeführt vom Profi, zu bekommen.

Umfrage bei Apothekern

Corona im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Schnelltests erfordern noch Geduld

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Corona-Schnelltests sollen ab sofort den Weg zu mehr Freiheiten weisen, negative Ergebnisse sogar als Eintrittskarte in Gaststätten oder Theater dienen. Nur: Im Landkreis sind aktuell weder kostenlose Profitests noch käuflich zu erwerbende Laientests verfügbar.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Zu einem „dringenden Hinweis“ sah sich am Montag das Tölzer Landratsamt veranlasst. „Am Testzentrum auf der Tölzer Flinthöhe können keine Schnelltests vorgenommen werden“, teilte Behördensprecherin Marlis Peischer mit. „Das Angebot am Testzentrum gilt wie bisher nur für PCR-Testungen nach Terminvereinbarung.“

Hintergrund: Die Bundesregierung hatte angekündigt, dass ab 8. März jedem Bundesbürger einmal pro Woche ein kostenloser Corona-Schnelltest zusteht, durchgeführt von geschultem Personal. Im Landkreis allerdings ist dies bislang graue Theorie. Auch in einigen stichprobenhaft angefragten Apotheken gilt: Schnelltests werden noch nicht durchgeführt.

„Seriöse Aussage“, wann es Schnelltests in Apotheken gibt, ist nicht möglich

„Wir wollen gerne mithelfen und sind auch so selbstbewusst zu sagen, dass wir das stemmen können“, sagt Christopher Hummel, Sprecher der Apotheker im Landkreis. Doch eine „seriöse Aussage“, wann er tatsächlich Kunden seiner Apotheken in Gaißach und Bad Heilbrunn testen wird, könne er aktuell nicht treffen. „Denn von Seiten der Politik ist in keiner Weise geklärt, wie es ablaufen soll.“ Muss ein Apotheker zum Beispiel erst mal eine teure Software anschaffen, damit er dem Kunden auch eine Bescheinigung über das Testergebnis ausstellen und positive Befunde ans Gesundheitsamt melden kann? Zudem benötige ein Apotheker fürs Testen einen eigenen Raum. „Ich würde ja vor der Apotheke ein Zelt aufbauen“, sagt Hummel. Auch einen Bauwagen aufzustellen, findet er eine „tolle Idee“, fragt sich aber: „Darf ich das eigentlich?“ Weil der öffentliche Druck groß sei, rechnet Hummel aber damit, dass vielleicht schon nächste Woche Schnelltests in Apotheken möglich sind.

Nur vereinzelt fragen Kunden nach Schnelltests

Dazu möchte auch der Geretsrieder Apotheker Dr. Turhan Bastug einen Beitrag leisten. Er könnte sich vorstellen, vor seiner „Arkaden Apotheke“ an der Sudetenstraße und vor der „Alpen Apotheke“ in Stein ein Zelt, ausgestattet mit Tisch und Stuhl, zu errichten, „wahrscheinlich in den nächsten zehn Tagen“, schätzt er. Allerdings räumt auch Bastug ein: „Der Ablauf ist noch nicht ganz klar.“ Zudem seien die nötigen Schnelltests aktuell gar nicht verfügbar. Bisher hätten allerdings auch erst vereinzelt Kunden bei ihm nach Schnelltests gefragt.

Apothekerin Monika Häfner-Schermann dagegen winkt bereits ab. „In 90 Prozent der Apotheken wird es daran scheitern, dass sie weder die räumlichen Voraussetzungen, noch das nötige Personal, noch die Zeit dafür haben“, sagt die Inhaberin der Sonnen-Apotheke in Waldram. Auch der Aufwand für Schutzausrüstung und Software sei hoch. Von Kollegen aus anderen Teilen der Republik habe sie schon gehört: „Das lohnt sich nur, wenn man am Tag 100 Personen testet.“

Testkonzept ist „nicht ausgegoren“

Auch Hermann Wittmer, Inhaber der Tölzer Bahnhof-Apotheke, antwortet auf die Frage, ob er bald Schnelltests durchführt: „Eher nein.“ Er wolle zwar noch „abwarten was der Verband empfiehlt“: Doch insgesamt sei das Testkonzept „nicht ausgegoren“ und komme wohl eher für größere Apotheken in Frage, so Wittmer.

Können die Kunden solange auf Selbsttests ausweichen, die am Samstag als erstes bei Aldi käuflich zu erwerben waren? Die befragten Apotheker erklären unisono, dass sie mit ersten Lieferungen Ende dieser oder Anfang kommender Woche rechnen – und dass sie preislich sicher nicht mit Discountern werden konkurrieren können. Dort kosteten fünf Stück 24,99 Euro. „Aber für uns liegt der Einkaufspreis im Großhandel schon bei 5,50 Euro pro Test“, gibt Dr. Bastug zu bedenken. Monika Häfner-Schermann will an ihre Kunden ausschließlich Tests des Herstellers Roche weitergeben, weil sie sich hier von der guten Qualität überzeugt habe. Der Verkaufspreis werde wohl zwischen 8,50 und 10 Euro liegen. Die Nachfrage sei jedenfalls „massig“, so die Waldramer Pharmazeutin. „Am Samstag kamen viele frustrierte Kunden zu mir, nachdem die Tests bei Aldi ausverkauft waren.“

Einen Überblick über die aktuellen Corona-Entwicklungen im Landkreis finden Sie hier.

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