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Nachfrage nach Impfungen stark gestiegen: Kapazitäten stoßen an Grenzen

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Von: Andreas Steppan

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Lange Schlangen vor dem Impfzentrum in Wolfratshausen: Wer dieser Tage einen Piks verabreicht bekommen will, muss mit Wartezeiten rechnen.
Lange Schlangen vor dem Impfzentrum in Wolfratshausen: Wer dieser Tage einen Piks verabreicht bekommen will, muss mit Wartezeiten rechnen. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen meldet erste Engpässe beim Impfstoff von Biontech. Vielen Hausarztpraxen fehlt es unterdessen an Zeit und Personal, um alle zu impfen, die das derzeit möchten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Über viele Wochen wurde der Corona-Impfstoff angeboten wie sauer Bier. Aktuell aber ist er erneut höchst gefragt. Das Landratsamt meldet nun: Bei dem Vakzin von Biontech gibt es bereits wieder einen Engpass.

Nächste Lieferung des Biontech-Impfstoffs in Bad Tölz-Wolfratshausen wird am Montag erwartet

Zum Termin des Impfbusses in Dietramszell am Freitagnachmittag teilte Behördensprecherin Marlis Peischer im Vorfeld mit, dass wegen der hohen Nachfrage der Impfstoff von Biontech „relativ schnell erschöpft sein wird“. Die Vakzine von Moderna sowie Johnson & Johnson seien aber in ausreichender Menge vorrätig.

Am Montag werde eine neue Lieferung Biontech erwartet. „Allerdings ist noch nicht klar, wann diese eintreffen wird“, sagt Peischer. Der vorgesehene Termin des Impfbusses um 12 Uhr am Isartaler Elektromarkt in Geretsried bleibe bestehen – allerdings unter dem Vorbehalt, dass der Impfstoff dann auch da ist. Wie man vorgehe, wenn nicht, werde kurzfristig bekannt gegeben. Peischer zeigt sich aber zuversichtlich: „Es wird sehr viel unternommen, um genügend Impfstoff da zu haben.“

Ein Teil der Arztpraxen kann das Impfen zeitlich und personell nicht mehr stemmen

So geht sie auch davon aus, dass alle, die am Montag im Wolfratshauser Impfzentrum vorstellig werden, den gewünschten Piks bekommen. Fest stehe, dass alle terminierten Impfungen, etwa in Kliniken oder Pflegeheimen, durchgeführt werden.

In den Arztpraxen hingegen ist laut Dr. Jörg Lohse, Allgemeinmediziner aus Münsing und Ärztlicher Koordinator der Pandemiebekämpfung im Landkreis, der Impfstoff nicht der limitierende Faktor. „Wir bekommen weiterhin das, was wir bestellen“, sagt er. Eine Einschränkung sei eher, dass ein Teil der Praxen das Impfen rein zeitlich und personell nicht mehr stemmen könne. Die niedergelassenen Ärzte seien angesichts steigender Infektionszahlen auch stark mit PCR-Tests und natürlich mit der Behandlung von Erkrankungen ausgelastet. „Auch die Grippeimpfung ist sehr nachgefragt.“

Statt 15 kommen jetzt über 100 Personen zu den Terminen des Impfbusses

Prinzipiell sei daher vorgesehen gewesen, das Impfen wieder verstärkt aus den Praxen ins Impfzentrum zu verlagern. Dann allerdings explodierte die Nachfrage. Auch Lose selbst konnte seine Idee, nur noch 21 Dosen pro Woche zu verabreichen, nicht aufrecht erhalten. Die Terminanfragen allein für den Freitag seien seit Montag von fünf auf 77 angewachsen. „Davon sind etwa ein Drittel Erst-, zwei Drittel Boosterimpfungen.“

Ähnlich entwickelte sich der Andrang am Impfbus. Nicht lange her ist die Zeit, als dort an einem Nachmittag 15 Personen vorbeischauten, wie sich Lohse erinnert. Am Impfbus in Benediktbeuern am Donnerstag wurden nun laut Peischer 110 Personen geimpft – zusätzlich am selben Tag 340 im Impfzentrum und 60 in einer Klinik.

„Irgendwann musste ein Punkt gesetzt werden, an dem die jeweilige Impfaktion beendet wurde“

Doch auch beim Impfbus war zuletzt das Vakzin nicht das einzige, womit man an Grenzen stieß. Auch was die ganze Logistik im Hintergrund betrifft – vom Personal bis zum Sicherheitsdienst – seien die Kapazitäten bei den jüngsten Terminen immer wieder erschöpft gewesen, räumt Peischer ein. So sei es wiederholt dazu gekommen, dass am Impfbus Wartende abgewiesen wurden. Darüber sei in den Sozialen Medien oder auch in E-Mails ans Landratsamt Unmut geäußert worden. „Uns ist bewusst, dass es unangenehm, lästig und nervenaufreibend ist, bis zu zwei Stunden zu warten und dann doch nicht zum Piks zu kommen. Doch aufgrund der Logistik im Hintergrund musste irgendwann ein Punkt gesetzt werden, an dem die jeweilige Impfaktion beendet war.“

Steht angesichts der großen Nachfrage nun auch eine Wiedereröffnung des Ende September geschlossenen Impfzentrums in Bad Tölz an? Das Landratsamt werde „alles daran setzen, die Kapazitäten nun zeitnah wieder erweitern“, antwortet Peischer auf diese Frage. „Derzeit wird noch geprüft, wie genau das erfolgen kann.“

An vier Tagen pro Woche kann man ohne Termin zum Impfzentrum Wolfratshausen kommen

Ins Impfzentrum Wolfratshausen können Impfwillige jeden Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag zwischen 10 und 18 Uhr ohne Anmeldung kommen. Mit Terminvergabe wird mittwochs von 10 bis 20 Uhr geimpft.

Mechthild Felsch vom Seniorenbeirat kritisiert allerdings, dass das Impfportal des Freistaats, über das eine Online-Terminvergabe erfolgt, immer noch nicht besser funktioniere als zu Beginn der Impfkampagne. „Jetzt bin ich eine, die es eigentlich kann – aber am Ende habe ich voller Wut aufgegeben“, berichtet die Münsingerin. „Dabei sollte es denjenigen, die impfwillig sind, doch wenigstens leicht gemacht werden.“ Peischer verweist darauf, dass eine Terminvergabe auch telefonisch unter der Nummer 08171/3863610 möglich ist.

Warum sind die Corona-Infektionszahlen in Bad Tölz-Wolfratshausen aktuell so hoch? Eine Ursachenforschung.

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