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Impfen aus Überzeugung

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Von: Andreas Steppan

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Kleine Spritze, große Hoffnung: Seit Sonntag laufen auch im Landkreis die ersten Corona-Impfungen mit den Wirkstoff von Biontech und Pfizer. (Symbolfoto)
Kleine Spritze, große Hoffnung: Seit Sonntag laufen auch im Landkreis die ersten Corona-Impfungen mit den Wirkstoff von Biontech und Pfizer. (Symbolfoto) © dpa

Ein Arzt im Ruhestand und ein Krankenpfleger aus Bad Tölz erklären im Gespräch mit unserer Zeitung, warum sie sich zur Mitarbeit im Corona-Impfteam gemeldet haben.

Bad Tölz – Für viele Menschen war es ein lang ersehnter Moment: Im Landkreis haben am Sonntag die Corona-Impfungen begonnen. Als erstes waren Bewohner und einige Mitarbeiter des Josefistifts in Bad Tölz an der Reihe, am Montag ging es im Pflegeheim Lenggries weiter. Als Mitarbeiter im Impfteam der Aicher Ambulanz wollen auch die Tölzer Dr. Jürgen Renner und Gerhard Plöckl. einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten.

Der Mediziner Renner ist eigentlich schon seit Jahren im Ruhestand, war zuletzt nur noch aushilfsweise im Einsatz – mitunter in Frankreich. Als eine Antriebsfeder, sich nun vor Ort an der Impfkampagne zu beteiligen, bezeichnet er die teils abstrusen Debatten auf Facebook. „Was da verbreitet wird, regt mich oft irrsinnig auf“, sagt der ehemalige SPD-Stadtrat. „Ich denke, die Leute lesen die Informationen zur Impfung nicht genau – oder sie lesen nur, was sie ohnehin hören wollen. Und das wird dann vielfach publiziert und verbreitet.“

Dr. Jürgen Renner, Arzt aus Bad Tölz.
Dr. Jürgen Renner, Arzt aus Bad Tölz. © Schmolke

Der Arzt stellt sich den Desinformationen im sozialen Netzwerk tapfer mit sachlichen Kommentaren entgegen – wollte aber auch praktisch tätig werden und meldete sich für eine befristete Anstellung bei der Aicher Ambulanz, die im Landkreis mit den Corona-Impfungen beauftragt ist. Für drei Tage in der Woche ist der 70-Jährige nun dort angestellt. Zunächst geht er als Teil eines je dreiköpfigen Impfteams in die Pflegeheime, im Anschluss wird er im Impfzentrum in Bad Tölz tätig sein, sobald dieses den Betrieb aufnimmt.

Mediziner Jürgen Renner ist „voll überzeugt“ vom Impfstoff

Von dem aktuell verwendeten Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer ist er ebenso „voll überzeugt“ wie von dem des Hersteller Moderna, der wohl kurz vor der Zulassung steht. Zur Impfung mit diesem Präparaten würde er auch als Arzt seinen Patienten guten Gewissens raten. Über den Impfstoff von AstraZeneca will er sich erst noch genauer informieren.

Gerhard Plöckl, Gesundheitskraft aus Bad Tölz.
Gerhard Plöckl, Gesundheitskraft aus Bad Tölz. © privat

Auch selbst will sich Renner impfen lassen. Bei Mitgliedern der Impfteams sei dies voraussichtlich in etwa einer Woche möglich. „Denn zum einen möchte ich selbst nicht schwer krank werden, zum anderen sehe ich als einzigen Weg, im Laufe des kommenden Jahres zu einem normalen Leben zurückzukehren. dass möglichst viele Menschen geimpft sind“, begründet er seine Entscheidung. Wenn jemand sage, er wolle erst einmal ein paar Monate abwarten und nicht gleich zu den ersten Geimpften gehören, „finde ich das menschlich verständlich“, so der Mediziner. Er warnt jedoch davor, Falschinformationen aus dem Internet zu angeblichen Impfrisiken aufzusitzen.

Impfung als Weg zurück zur Normalität

Auch Gerhard Plöckl (60) aus Bad Tölz hat selbst „keine großen Bedenken“, sich den Impfstoff verabreichen zu lassen. Der Tölzer arbeitet eigentlich als Krankenpfleger in der Asklepios-Stadtklinik. Lange hatte er dort die OP-Leitung inne, tritt mittlereile aber aus Altersgründen etwas kürzer und arbeitet nur noch in Teilzeit. „Deswegen habe ich jetzt etwas mehr Zeit, die ich sinnvoll nutzen möchte“, sagt er.

Seine Motivation, im Impfteam mitzuarbeiten, sei es, „dass wir wieder zu einem Leben mit Veranstaltungen, Gaststättenbesuchen und allem, was dazugehört, zurückkehren können“, sagt er. „Die Impfung sehe ich als Weg hin zu diesem Zustand.“

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