Seit dem Impfstart im Tölzer Josefistift am 27. Dezember wurden 850 Dosen verimpft. Die nächste Charge kommt an diesem Wochenende. Foto: JNI/Archiv
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Seit dem Impfstart im Tölzer Josefistift am 27. Dezember wurden 850 Dosen verimpft. Die nächste Charge kommt an diesem Wochenende.

Umfrage bei Heimleitern

Corona-Impfung: Pflegepersonal im Tölzer Land zögert

  • Silke Scheder
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Seit Ende Dezember können sich Bewohner und Mitarbeiter von Seniorenheimen im Landkreis impfen lassen. Eine stichprobenartige Umfrage zeigt allerdings: Die Bereitschaft ist nicht allzu hoch, zumindest unter dem Personal.

Bad Tölz-Wolfratshausen Das „Josefistift“ machte im Landkreis den Anfang: In dem Tölzer Pflegeheim wurden am 27. Dezember die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Während von 95 Bewohnern 56 bereits die erste Spritze bekommen haben, sind von den 95 Mitarbeitern bislang nur 17 geimpft. „Die Bereitschaft ist doch sehr verhalten“, bilanziert Heimleiterin Bettina Emmrich. Auch in anderen Pflegeeinrichtungen im Landkreis zögert das Personal, so das Ergebnis einer stichprobenartigen Umfrage.

Heimleiterin will keinen Druck auf Mitarbeiter ausüben

Der Grund ist bei vielen derselbe: „Der Impfstoff wirkt noch nicht ausgereift, das ist bei vielen ein Thema“, weiß Emmrich. Auch so mancher Allergiker hadere mit der Impfung. Druck auf ihre Mitarbeiter will die Heimleiterin keinen ausüben: „Ich lasse ihnen eine freie Wahl, auch, wenn sie in einem Pflegeheim arbeiten: Das ist ihre persönliche Entscheidung.“ Diese Strategie scheint aufzugehen: Beim zweiten Termin am 17. Januar wird es Emmrich zufolge auch etliche Erstimpfungen geben.

Etwas mehr als die Hälfte der 68 Bewohner hat sich bislang im AWO-Demenzzentrum in Wolfratshausen impfen lassen. „Bei den Pflegekräften waren es etwas weniger“, sagt Qualitätsmanagerin Gabi Strauhal. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Von insgesamt rund 80 Mitarbeitern hat sich etwa ein Drittel impfen lassen. Strauhal selbst gehört zur Gruppe der Geimpften. „Ich bin überzeugt, dass wir nur aus dem Lockdown rauskommen, wenn ein Großteil der Bevölkerung durchgeimpft ist.“ Die Qualitätsmanagerin zeigt aber Verständnis für alle, die sich vor unerwünschten Nebenwirkungen fürchten. Und vor allem für Angehörige, die diese Entscheidung für ihre an Demenz erkrankten Lieben treffen müssen. „Ich versuche, keinen Einfluss zu nehmen. Jeder muss diese Entscheidung selbst treffen.“ Trotzdem freut sich Strauhal, dass die Impfung aus ihrer Sicht für sich spreche: Niemand der Geimpften inklusive ihr selbst hätten bislang mit unerwünschten Nebenwirkungen zu kämpfen. „Ich hoffe, dass diese Tatsache zu einer größeren Akzeptanz führt.“

In Schlehdorf ist die Impfbereitschaft der Mitarbeiter bei 90 Prozent

Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung abgenommen wurde quasi den Mitarbeitern und Bewohnern des Seniorenheims „Zum Jaud“ in Bad Heilbrunn. Die meisten haben sich laut Heimleiterin Monika Lachmuth im Zuge des Corona-Ausbruchs (wir berichteten) bereits mit dem Virus infiziert. Deshalb werden nur noch ein paar wenige geimpft, wenn übernächste Woche ein mobiles Team der Aicher-Group in das Seniorenheim kommt. „Gerade unter den älteren Herrschaften haben wir aber einige Skeptiker“, sagt Lachmuth.

Im Pflegezentrum „Lindenhof“ in Schlehdorf gab es ebenfalls einen Corona-Ausbruch, der mittlerweile unter Kontrolle ist (wir berichteten). Heimleiter Jörg Kahl zufolge ist dieser Umstand aber nicht der Grund dafür, dass die Impfbereitschaft sehr hoch sei. Die wurde nämlich schon vor dem Ausbruch abgefragt. Dabei kam heraus, dass sich rund 90 Prozent der Pflegekräfte impfen lassen wollen. Vom Hauswirtschafts- und Küchenpersonal setzte etwa die Hälfte auf eine Spritze, bei den Heimbewohnern sind es sogar über 90 Prozent. Im Rupert-Mayer-Seniorenheim Seehof in Kochel am See sind die Zahlen unter den Bewohnern etwas geringer, weiß Kahl, der auch diese Einrichtung leitet. „Beim Personal hat sich etwa ein Drittel bis die Hälfte impfen lassen.“ So, wie er selbst. „Ich würde mir wünschen, dass sich alle Mitarbeiter impfen lassen.“

Im Kreispflegeheim sind die Mitarbeiter eher zögerlich

Von diesem Wunsch ist man im Pflegeheim Lenggries weit entfernt: Nur 17 Prozent des Personals wollen sich impfen lassen, teilt Kreisklinik-Geschäftsführer Ingo Kühn mit, der als Träger für die Einrichtung in Lenggries spricht. Sorgen macht sich Kühn deshalb nicht. „Ich glaube, dass die Impfbereitschaft peu à peu steigen wird, wenn man sieht, dass die Nebenwirkungen ausbleiben.“ Bei den Bewohnern des Seniorenheims in Lenggries liegt die Quote derer, die sich impfen lassen wollen, Kühn zufolge bei 76 Prozent.

Lesen Sie auch: Start in den Impfzentren lässt auf sich warten: „Wir wissen nicht, wie viel Impfstoff wirklich kommt“

Einen Überblick über die Corona-Entwicklung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es hier.

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