Corona-Impfung beim Hausarzt: Das soll voraussichtlich ab April zum Praxisalltag gehören.
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Corona-Impfung beim Hausarzt: Das soll voraussichtlich ab April zum Praxisalltag gehören. (Symbolfoto)

Verlagerung in Praxen

Corona-Impfung: Dutzende Ärzte im Landkreis stehen parat

  • Andreas Steppan
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Ob Kinderarzt, Gynäkologe oder Allgemeinmediziner: In Bad Tölz-Wolfratshausen signalisieren viele Ärzte, dass sie in ihren Praxis Corona-Impfungen durchführen können - teils auch am Wochenende

  • Ab April soll eine Corona-Impfung auch in den Praxen niedergelassener Ärzte möglich werden.
  • Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen organisiert diesen Übergang der ärztliche Koordinator, Dr. Jörg Lohse aus Münsing.
  • Er hat sämtliche Haus-, HNO- und Kinderärzte sowie Gynäkologen angeschrieben und ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ob es nun am 1. April sein wird, wie Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Freitag ankündigte, oder doch etwas später: Fest steht, dass die niedergelassenen Ärzte bald bei der Corona-Impfung miteinsteigen. Im Landkreis stehen dutzende Praxis-Inhaber bereit.

Alle rund 60 Hausarztpraxen im Landkreis hat Dr. Jörg Lohse in den vergangenen Wochen kontaktiert, dazu sämtliche HNO-, Frauen- und Kinderärzte, von denen es zwischen Icking und der Jachenau je sechs bis acht gibt. Von einem Großteil habe er positive Rückmeldungen bekommen. „Kein einziger hat gesagt, er kann oder will nicht mitmachen“, sagt Lohse. Als ärztlicher Koordinator ist er federführend bei der Organisation des Übergangs des Impfens in die Arztpraxen.

Kinderärzte sollen die Eltern ihrer jungen Patienten impfen

Auch Martina Mauerer, Inhaberin der „Hausarztpraxis an der Loisach“ in Wolfratshausen, ist überzeugt: Nur unter Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte „kann schneller und flächendeckender durchgeimpft werden“, sagt sie. „Und ich will, dass wir wieder ein normaleres Leben haben.“ Ähnlich äußert sich Dr. Sebastian Forstner aus Lenggries: Das Impfen sei die „einzig vernünftige Exit-Strategie aus den sehr belastenden Einschnitten“. Deren Folgen auf die Menschen sehe er jeden Tag. Deswegen mache er gerne mit. „Impfen ist für uns Allgemeinärzte nichts Neues oder Ungewöhnliches“, sagt er. „Da sind wir auf alle Fälle gerüstet.“

Auch für Kinderärzte ist Impfen Alltag – der Biontech-Impfstoff aber ist erst ab 16, alle anderen ab 18 Jahren zugelassen. „Es ist so gedacht, dass die Kinderärzte die Impfung für die Eltern anbieten“, sagt dazu Dr. Lohse. Gewisse Kapazitäten seien dafür frei, weil die Kinderärzte deutlich weniger mit den üblichen winterlichen Erkältungen und Grippefällen beschäftigt sind – Masken und Abstandsregeln zeigen offenbar auch hier ihre Wirkung.

Hausärzte planen eigene Impfsprechstunden am Freitag oder Samstag

Dr. Lohse hat in seiner Münsinger Praxis vor, samstags zu impfen – wenn nötig, bis zu zehn Stunden. „Dann schaffen wir auch mal 60, 80 oder 100 Impfungen am Tag – unter vier Stunden hat es keinen Sinn“, sagt er. „Ich überlege, zum Beispiel am Freitagnachmittag zu impfen“, sagt seine Wolfratshauser Kollegin Mauerer. Dann könnten sich die Geimpften gut übers Wochenende von möglichen Nebenwirkungen erholen. Dr.  Forstner in Lenggries dagegen geht davon aus, dass er die Corona-Impfungen in seine normalen Sprechzeiten integrieren kann.

Im Einzelnen werden die Modelle davon abhängen, wie groß der Patientenandrang ist, wie viel Impfstoff zur Verfügung steht – und welcher. Wird Biontech geliefert, müssen die Ärzte die aufgetauten Dosen am gleichen Tag verimpfen. Dr. Forstner hofft da eher auf das Präparat von AstraZeneca. Das können die Ärzte problemlos im Kühlschrank lagern. „Das würde in der Fläche die nötige Flexibilität verschaffen.“

Sollen die niedergelassenen Ärzte bei der Corona-Impfung priorisieren?

Stichwort Flexibilität: Die Ärzte machen sich auch Gedanken, ob und wie sie die Impfwilligen priorisieren sollen. „Ich bin heilfroh, wenn die vom Bund vorgegebene Impfreihenfolge gilt“, sagt Forstner. „Das erspart uns Diskussionen und lange Gesichter.“ Nur bei riskanten Vorerkrankungen, die nicht von der Impfverordnung abgedeckt, dem Hausarzt aber bekannt sind, solle eine Einzelfallentscheidung möglich sein.

Anders sieht es Martina Mauerer. „Wie soll das gehen, wenn wir neben unserer Arbeit noch anfangen sollen, die Patienten zu priorisieren?“, fragt sie. „Wenn, dann sollten wir flächendeckend alle impfen, die es wollen – und Punkt.“ Dafür spricht sich auch der Tölzer HNO-Arzt Dr. Matthias Winter aus. „Natürlich wäre es ideal, zuerst die Generation 70 plus durchzuimpfen“, sagt er. Seine Beobachtung im Alltag aber ist: „Viele fragen: ,Wann werde ich endlich geimpft?‘, haben sich aber noch gar nicht registriert, das muss ich zehnmal am Tag erklären.“ Man komme insgesamt schneller voran, wenn man das System öffne, meint er.

Alles steht und fällt mit der Verfügbarkeit des Impfstoffs

Doch damit das Impfen in den Praxen beginnen kann, sind laut Lohse noch drei Voraussetzungen zu erfüllen. Zuvorderst: „Alles steht und fällt mit der Verfügbarkeit des Impfstoffs.“ Der werde anfangs wohl noch immer nicht sehr üppig ankommen, das Impfen in den Praxen werde deshalb eher langsam Fahrt aufnehmen.

Des Weiteren müsse geklärt sein, wie die Hausärzte die Impfungen dokumentieren. Dass dafür wie im Moment pro Patient zwölf Minuten nötig sind, sei in den Praxen nicht praktikabel. „Das darf wie bei anderen Impfungen pro Patient nicht länger als fünf Minuten dauern. So sollte und wird es auch sein.“ Schließlich müsse die Abrechnung geklärt sein. Hier werde die Kassenärztliche Vereinigung wohl bis 1. April die entsprechende Abrechnungsziffer definiert haben.

Der Landkreis habe im Vergleich zu anderen einen großen Vorteil, sagt Lohse: die leistungsfähigen Impfzentren in Bad Tölz und Wolfratshausen, wo bis zu 1000 Impfungen am Tag vorgenommen werden könnten. Im Moment sind es täglich etwa 500. Es ist also noch etwas Luft, bis die Mithilfe der Hausärzte dringend wird.

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