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Corona und Inflation: Vorverkauf von Konzertkarten bricht ein - „Habe 80 Prozent Umsatzeinbußen“

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Von: Christiane Mühlbauer

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 Christian Gutmair organisiert am 22. September den Auftritt von „Django3000“ im Tölzer Kurhaus. Es gibt noch Karten.
Christian Gutmair organisiert am 22. September den Auftritt von „Django3000“ im Tölzer Kurhaus. Es gibt noch Karten. © Merkur-Archiv (hab)

Nach den Sommerferien nehmen eigentlich Kulturveranstaltungen wieder Fahrt auf. Doch heuer ist große Zurückhaltung zu spüren. Wegen Corona und der Inflation blicken Organisatoren mit gemischten Gefühlen auf Herbst und Winter.

Bad Tölz/Lenggries – Nach den Sommerferien nehmen eigentlich die Kulturveranstaltungen wieder Fahrt auf. Doch heuer ist große Zurückhaltung zu spüren. Die Organisatoren blicken mit gemischten Gefühlen auf Herbst und Winter – aufgrund von Corona und Inflation.

„Ich habe 80 Prozent Umsatzeinbußen“, sagt zum Beispiel Wolfgang Ramadan. Der Ickinger bietet seit vielen Jahren das „Abo Tölz: BrotZeit & Spiele“ im Kurhaus an. Bis Mitte November kündigt er drei Veranstaltungen an: Han’s Klaffl, Amy und Wally Warning sowie Franziska Wanninger.

Corona und Inflation: Konzertkarten-Vorverkauf bricht ein - „Kämpfen darum, dass es weitergeht“

Die Karten gibt es jetzt im Einzelverkauf, doch dieser verlaufe sehr schleppend. „Von 400 Abonnenten sind mir nur rund 150 geblieben“, sagt Ramadan. Der Vorverkauf sei regelrecht eingebrochen. „Das geht nicht nur uns freien Veranstaltern so, sondern auch im Bereich der staatlich geförderten Hochkultur“, sagt Ramadan und meint damit Theater-, Opern- und Konzerthäuser.

In der Corona-Pandemie ist Ramadan im „Verband für Popkultur in Bayern“ (VPBy) aktiv geworden, um freien Veranstaltern eine Stimme zu geben. Mit Erfolg: Der Freistaat legte ein Förderprogramm auf, das allerdings Ende 2022 ausläuft. „Wir kämpfen gerade darum, dass es weitergeht“, sagt Ramadan.

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Wenn nicht, sehe es für Städte auf dem Land in der Größe wie Bad Tölz in Sachen Kultur „düster aus“, prophezeit Ramadan. „Denn kein Veranstalter kann sich unter diesen Umständen über Wasser halten.“ Der Stadt Bad Tölz fühle er sich „zu großem Dank verpflichtet“, denn sie legte einen Kulturfonds auf.

Ramadan bekam 2021 und 2022 Unterstützung für sein „Festival im Rosengarten“. „Das hat uns sehr geholfen“, meint der Ickinger. Für 2023 liefen schon Planungen, das „Abo“-Programm will er noch heuer vorstellen. „Wir wollen es durchziehen, aber es ist auch eine finanzielle Frage.“

Corona und Inflation trifft Kulturbranche: „Der Vorverkauf ist quasi nicht existent“

Dass der Kartenverkauf eingebrochen ist, berichten auch die Veranstalter Christian Gutmair und Sabine Pfister. „Der Vorverkauf ist quasi nicht existent“, sagt die Betreiberin des KKK in Lenggries. Wegen der Sanierung des Brauneck-Hotels (wir berichteten) verlegt sie ohnehin alle Auftritte in den „Kramerwirt“ nach Arzbach, etwa jetzt im Herbst von Hundling, Eva Karl-Faltermeier und Severin Gröbner.

In Sachen Corona wartet Pfister ab, wie sich die Lage entwickelt. „Wir setzen auf Eigenverantwortung und empfehlen, sich vor Besuch einer Veranstaltung zu testen beziehungsweise mit Krankheitssymptomen zu Hause zu bleiben.“

Konzerte und Veranstaltungen trotz Corona: „Viele warten jetzt die Wiesn ab“

Nach Ansicht von Kultur-Veranstalter Christian Gutmair aus Königsdorf warten viele Menschen jetzt erstmal die Wiesn ab. Gutmair organisiert am 22. September den Auftritt von „Django3000“ im Tölzer Kurhaus. „Der Sommer lief super“, meint er rückblickend. „Man hat alles mitgenommen, was ging, weil man nicht weiß, was der Herbst bringen wird.“

Viele wollen nicht mehr mit Maske ins Konzert gehen, meint Gutmair. „Und für viele stellt sich ohnehin die Frage: Eintrittskarte oder Heizkosten bezahlen.“ Auch Gutmair hofft, dass die staatliche Förderung für die Branche verlängert wird: „Damit konnten wir überleben.“

Inflation in Bayern: „Es trifft wieder Kultur und Gastronomie“

Die Stadt Bad Tölz plant vorerst alle Kulturveranstaltungen „ganz normal“, sagt Kurdirektorin Brita Hohenreiter und meint damit auch Leonhardifahrt und Christkindlmarkt. „Für diese beiden Veranstaltungen brauchen wir viel Vorlauf.“ Was Konzerte anbelangt, beispielsweise in der Reihe „Die Stadt mit der besonderen Note“, läuft ebenfalls alles ohne Einschränkungen.

„Sollten neue Corona-Auflagen kommen, haben wir Erfahrung und können sie rasch umsetzen“, sagt sie etwa mit Blick auf die Bestuhlung. Hohenreiter weiß, dass der Kartenvorverkauf vor allem aufgrund der gestiegenen Preise häufig sehr schlecht läuft. „Es ist bitter, dass es nun wieder dieselben Branchen trifft, die auch in der Corona-Zeit schon so gelitten haben, nämlich Gastronomie und Kultur.“

Corona und Inflation: Sorgen auch beim Tölzer Knabenchor

Beim Tölzer Knabenchor ist der Terminkalender im letzten Quartal eines Jahres traditionell gut gefüllt, auch heuer – endlich – wieder. „Aber was wir vom Vorverkauf hören, ist beängstigend“, sagt Chor-Geschäftsführerin Barbara Schmidt-Gaden. „Auch auf die Veranstalter kommen höhere Kosten zu.“

Einzig Christoph Kessler von der Klassik-Reihe „Quartettissimo“ hat den Vorverkaufseinbruch bislang noch nicht so stark zu spüren bekommen. Für die bevorstehende Saison im Kurhaus wurden 163 Abos verkauft. Auch Kessler hat vom Kulturfonds der Stadt profitiert und ist dafür dankbar.

„Ohne diese Unterstützung würde es nicht gehen.“ Sollte es wieder Corona-Regeln geben, könne man sie rasch umsetzen. Die Verträge mit den Musikern seien so gestaltet, dass man wieder zwei Auftritte vor reduziertem Publikum in Tölz durchführen könnte.

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