Die Intensivstationen füllen sich – das gilt auch für die Kliniken im Oberland.
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Die Intensivstationen füllen sich – das gilt auch für die Kliniken im Oberland.

Corona-Krise

Intensivstationen bald ausgelastet - „Wenn es so weitergeht, wird es eng“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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In den Kliniken im Oberland füllen sich aktuell wieder die Intensivstationen. Das könnte bald problematisch werden.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Laut dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) war im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen am Mittwoch nur noch ein einziges der 24 vorhandenen Intensivbetten frei. Fünf Plätze waren mit Covid-Patienten belegt. Ein ähnliches Bild zeigte das Register für den Kreis Weilheim-Schongau: 21 von 24 Intensivbetten waren belegt, davon sechs mit Covid-Patienten.

Der Rettungsdienst-Zweckverband Oberland hat dabei den großen Vorteil, dass als dritter Landkreis Garmisch-Partenkirchen dazugehört, der mit seinen beiden großen Kliniken in Garmisch-Partenkirchen und Murnau eine relativ große Reserve an Intensivbetten bereit hält, nämlich insgesamt 63. Von denen waren am Mittwoch noch sechs frei. 13 Corona-Kranke wurden in den beiden Kliniken behandelt.

Corona in Bayern: Intensivstationen kurz vor Auslastung

In Interviews während der beiden ersten Corona-Wellen hatte Dr. Martin Dotzer stets beruhigend auf die große Kapazität an Intensivbetten im Oberland hingewiesen. Im Gespräch am Mittwoch klang der Ärztliche Koordinator für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau besorgter. Belegungszahlen wie jetzt hat es zwar vorher schon gegeben. Aktuell aber sei „kein Ende abzusehen“, sagt Dotzer. Selbst wenn mit sofortiger Wirkung eine deutliche Einschränkung der Kontakte erfolgen würde, könne sich ein Effekt auf den Intensivstationen frühestens in drei Wochen einstellen. Zum jetzigen Zeitpunkt aber sagt Dotzer: „Wenn es so weitergeht, wird’s richtig eng.“

Ein Unterschied zu bisherigen Situationen sei, dass die jetzigen Intensivpatienten deutlich jünger seien, zum Teil „deutlich unter 60“. Das bedeute gleichzeitig, dass die Betroffenen länger auf der Intensivstation behandelt werden. „In der zweiten Welle waren es im Schnitt drei Wochen, jetzt geht es eher in Richtung fünf Wochen.“

Corona: Jede Klinik entscheidet selbst, welche Behandlungen sie noch durchführt

In der Abwägung von Chancen und Risiken wende man zum Beispiel bei jüngeren Patienten häufiger Organersatzverfahren an, nennt Dotzer ein Beispiel. So werde beim ECMO-Verfahren die Lungenfunktion – die Anreicherung des Bluts mit Sauerstoff und seine Reinigung von Abfallstoffen – außerhalb des Körpers ersetzt. Dies sei ein Verfahren, das in Oberbayern nur an vier Kliniken durchgeführt werde, unter anderem in Murnau, wo Dotzer arbeitet. „In der ersten und zweiten Welle mussten wir es kein einziges Mal anwenden – jetzt dauernd.“ Die betroffenen Patienten kämen keineswegs vorwiegend aus einem weiten Umkreis, „die haben wir schon vor der Haustür“.

Im Moment könne man sich innerhalb des Rettungsdienst-Zweckverbands noch gut mit Verlegungen der Patienten behelfen. Die Kliniken befänden sich im „eingeschränkten Regelbetrieb“. Das heißt, jede Klinik entscheide selbst, welche aufschiebbaren Behandlungen sie noch durchführt. Tatsächlich helfe es den Kliniken im Moment ein bisschen, dass die allgemeine Krankenhausbelegung um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen sei, weil Menschen von sich aus Klinikaufenthalte vermeiden. „Dass das nicht immer gut ist, steht auf einem anderen Blatt.“

Der begrenzende Faktor ist das Personal. Wir haben jede Krankenschwester nur einmal.

Dr. Martin Dotzer

Dotzer weiter: „Bisher mussten wir nicht anordnen, dass die Kliniken keine aufschiebbaren Behandlungen mehr durchführen.“ Falls die Zunahme der Covid-Patienten überhandnehme, müssten die Kliniken aber auf einen Notbetrieb umstellen, sagt er. „Das würde bedeuten, dass die Klinik eine Vollbremsung macht und sich das ganze Personal auf die Notfallbehandlung konzentriert.“ Diese werde stets gewährleistet sein – nicht nur für Covid-Patienten, sondern natürlich auch für Schlaganfälle, Herzinfarkte oder den gebrochenen Fuß.

Notfallbetrieb in bayerischen Kliniken: Intensivbetten mit Corona-Patienten gefüllt

Ob ein Notfallbetrieb ein nahendes Szenario ist, „das kann ich nicht prophezeien“, so Dotzer. „Aktuell haben wir auf alle Fälle noch zehn Tage Luft. Aber wir sind näher dran als die letzten Male.“ Die Kapazität der Intensivstationen sei endlich. „Der begrenzende Faktor ist das Personal. Wir haben jede Krankenschwester nur einmal.“

Deswegen hält Dotzer es für dringend geboten, dass die Menschen ihre Kontakte reduzieren und so Ansteckungen vermeiden. „Wir müssen wieder auf Inzidenzen von unter 100, besser unter 50 kommen.“

Einen Überblick über die Corona-Entwicklung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es hier.

Corona-Notbremse: Die Maßnahmen gelten ab 15. April im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

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