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Kein Intensivbett im Landkreis mehr frei - Trotzdem noch genug Reserven für Covid-Patienten

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Von: Andreas Steppan

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Mit Schutzkleidung: Ein Arzt untersucht einen Corona-Patienten.
Mit Schutzkleidung: Ein Arzt untersucht einen Corona-Patienten. In den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz- Wolfratshausen und Weilheim-Schongau gibt es noch Luft bei den Intensivbetten (Symbolfoto). © Peter Kneffel / dpa

Die Intensivstationen der Krankenhäuser Bad Tölz und Wolfratshausen sind voll. Dr. Martin Dotzer, ärztlicher Koordinator für das Oberland, erklärt, warum die Kapazitäten in der Region dennoch ausreichen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Blick ins Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zeigt: Im Landkreis ist kein einziges Intensivbett mehr frei. In den Kliniken in Bad Tölz und Wolfratshausen sind demnach alle 24 Intensivbetten belegt, davon sieben mit Covid-19-Patienten. Nach Auskunft von Dr. Martin Dotzer von der Unfallklinik Murnau, der in der Corona-Krise alle Krankenhäuser und Reha-Kliniken in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau koordiniert, ist das kein Grund zur Beunruhigung.

Herr Dr. Dotzer, die Intensivbetten im Landkreis sind voll. Ist das ein Anlass zur Sorge?

Auf keinen Fall. Innerhalb des Verbunds, den die drei Landkreise im Zweckverband des Rettungsdienstes bilden, stehen noch rund 30 freie Intensivbetten zur Verfügung – und noch viel mehr Betten im normalen Betrieb, um alle Covid-Patienten zu versorgen. Wenn in einer kleineren Klinik die Intensivstation voll ist, ist das noch kein Problem. Dank der zwei großen Kliniken in unserem Verbund in Garmisch-Partenkirchen und Murnau haben wir Reserven.

Covid-Patienten werden in die jeweils passende Klinik verlegt

Das bedeutet aber, dass ein Covid-Patient aus dem Landkreis, der Intensivbehandlung braucht, aktuell nicht mehr in Bad Tölz oder Wolfratshausen unterkommt.

Es kann sein, dass dieser Patient in eine andere Klinik kommt. In den vergangenen Tagen haben wir mehrfach Patienten in andere Kliniken verlegt. Es sind Einzelfallentscheidungen, wir schauen, dass wir für jeden die geeignete Klinik finden. Ist es zum Beispiel ein verunfallter Patient, der außerdem noch an Covid erkrankt ist, ist er wahrscheinlich in der Unfallklinik Murnau am besten aufgehoben. Braucht ein Covid-19-Patient außerdem Dialyse, könnte für ihn eine andere Klinik am besten sein. Die Tölzer Asklepios-Klinik hat auch schon den einen oder anderen Patienten in die Lungenklinik nach Gauting verlegt, die ja ebenfalls zu Asklepios gehört.

Dr. Martin Dotzer, Ärztlicher Koordinator im Oberland.
Dr. Martin Dotzer, Ärztlicher Koordinator im Oberland. © privat

Wie viele Plätze stehen für Covid-19-Patienten im Rettungsdienstbereich Oberland insgesamt zur Verfügung?

Es gibt etwa 110 Intensivbetten. Zudem gibt es bis zu 1500 Plätze für Covid-Patienten, die keine intensivmedizinische Behandlung benötigen. Damit nehmen wir in Bayern eine Spitzenstellung ein, daher können meine Kollegen und ich die Lage relativ entspannt betrachten.

Maximal könnten in den drei Landkreisen 186 Intensivbetten zur Verfügung stehen

Ließen sich die Kapazitäten denn im Bedarfsfall noch weiter erhöhen?

Wir könnten die Zahl der Intensivplätze auf bis zu 186 hochfahren – das wäre die Zahl der maximal verfügbaren Betten. Dazu müsste aber der komplette Krankenhausbetrieb umgekrempelt werden. Das wäre das Worst-Case-Szenario, der schlimmste Fall. Es ist aber aktuell nicht so, dass wir mit diesem Szenario planen müssten. Im Bedarfsfall könnten wir laut der geltenden Allgemeinverfügung die Kliniken auch anweisen, elektive, also nicht lebensnotwendige Behandlungen zu verschieben. Auch das ist aktuell nicht nötig.

Wir haben auf alle Fälle mehr Technik als Personal.

Dr. Martin Dotzer, ärztlicher Koordinator für die Kliniken in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen

Könnte es in nächster Zeit bei weiter steigenden Fallzahlen eng in den Kliniken werden?

Die Klinikbelegung wird sicherlich noch etwas ansteigen. Aber wenn nicht noch andere bayerische Landkreise in größerem Umfang unsere Hilfe brauchen, ist noch genug Luft. Natürlich müssen wir wachsam bleiben, denn es kann sich ja über Nacht alles ändern.

Es heißt immer, das größte Problem bei den Intensivplätzen sei nicht die Ausstattung mit Beatmungsgeräten, sondern das verfügbare Fachpersonal.

Das ist richtig. Wir haben auf alle Fälle mehr Technik als Personal. Die von mir genannten Zahlen sind die gemeldeten Kapazitäten, die mit dem vorhandenen Personal auch bedient werden können.

Müssen jetzt noch andere Häuser, zum Beispiel Rehakliniken, Bettenreserven vorhalten?

Betten freihalten muss zurzeit niemand. Es gäbe die Möglichkeit, Rehakliniken dazu zu verpflichten, Patienten aufzunehmen, die nicht zu ihrer eigentlichen Patientengruppe gehören. Aber aktuell haben wir da keinen Zugzwang. Für den Ernstfall stehen im Oberland auch besonders viele Rehakliniken zur Verfügung.

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