Ein Bild aus besseren Tagen: Auch heuer wird es keinen Christkindlmarkt in der Tölzer Marktstraße geben. Die Veranstaltungen in Benediktbeuern, Geretsried und Wolfratshausen sind ebenfalls abgesagt. Plöckl/Archiv
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Ein Bild aus besseren Tagen: Auch heuer wird es keinen Christkindlmarkt in der Tölzer Marktstraße geben. Die Veranstaltungen in Benediktbeuern, Geretsried und Wolfratshausen sind ebenfalls abgesagt.

Bürgermeister einigen sich auf gemeinsamen Weg

Corona-Lage: Christkindlmärkte in Bad Tölz und Benediktbeuern sind abgesagt

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Es hatte sich in der vergangenen Woche abgezeichnet, jetzt ist es Gewissheit: Der Tölzer Christkindlmarkt ist abgesagt. Auch sonst wird es keine Veranstaltung dieser Art im Landkreis geben. Darauf verständigten sich am Dienstag alle 21 Bürgermeister in einer Videokonferenz.

Bad Tölz/Benediktbeuern – Die Infektionszahlen im Landkreis steigen seit Wochen. Die Inzidenz liegt jenseits der 800. Die Kliniken sind am Limit. Gerade vor dem Hintergrund „der dramatischen Situation in den Krankenhäusern sagt die Stadt Bad Tölz den Christkindlmarkt in der Marktstraße ab“, heißt es in einer Pressemitteilung vom Dienstagnachmittag. Damit folgt sie einer Übereinkunft der 21 Landkreisbürgermeister, die sich am Vormittag in einer Videokonferenz ausgetauscht und sich darauf geeinigt hatten, dass Christkindlmärkte dieses Jahr im üblichen Format nicht stattfinden können, wie Bürgermeistersprecher Michael Grasl mitteilt.

„Unter verschärften Vorgaben haben viele gar keine Lust auf den Besuch des Christkindlmarkts“

„Um eine Veranstaltung in der Größe des Tölzer Christkindlmarkts für alle Beteiligten sicher durchführen zu können, wäre es notwendig, in der Marktstraße Absperrungen aufzubauen, um die gesetzlichen Regeln zu kontrollieren“, erläutert die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier. „Diese Zäune sind aber nicht mit dem Fluchtwegekonzept in der Innenstadt vereinbar. Anders als beispielsweise in Nürnberg gibt der enge Raum der Marktstraße das einfach nicht her.“ Frey-Allgaier bedauert die Entscheidung, ist aber nach zahlreichen Gesprächen mit Standlbetreibern der Meinung, dass ein Markt unter den gegebenen Umständen weder sinnvoll wäre, noch erstrebenswert sei: „Unter diesen verschärften Vorgaben haben viele Menschen gar keine Lust auf den Besuch des Christkindlmarkts.“

Lage in den Krankenhäusern ist schon jetzt extrem angespannt

Ähnlich sieht das Bürgermeister Ingo Mehner. Mit Blick auf die Belastung des Gesundheitssystems sei es „einfach unverantwortlich, in der jetzigen Situation fünf Wochen lang ein Event zu veranstalten, zu dem täglich mehrere tausend Besucher kommen und bei dem das Einhalten von Abständen und die Kontrolle der Regeln nicht realistisch sind“. Er habe in den vergangenen Tagen Gespräche mit Krankenhausärzten geführt. „Wir steuern, wenn wir der momentanen Lage nichts entgegensetzen, auf eine immer dramatischere Situation zu. Die Lage in den Krankenhäusern ist schon jetzt extrem angespannt.“

Landkreis-Bürgermeister appellieren an die Vernunft der Bürger

Darauf gehen die 21 Landkreis-Bürgermeister auch explizit in einer gemeinsamen Erklärung ein. „Die Hilferufe der Ärzte und Pflegenden in den Krankenhäusern müssen gehört werden und dürfen uns in der Gesellschaft jetzt bitte nicht mehr gleichgültig sein. Auch wenn die Vorweihnachtszeit, Silvester und Fasching bevorstehen: Bitte Umsicht, Rücksicht und Solidarität walten lassen. Weniger ist manchmal mehr“, heißt es dort. Die Rathauschefs appellieren zudem auch im Hinblick auf Feierlichkeiten im Privatbereich „an die Eigenverantwortung und Vernunft aller einzelnen Bürgerinnen und Bürger, unabhängig vom Impfstatus“.

Auch eine kleinere Variante in Benediktbeuern ist nicht möglich

Natürlich bedauere er die Absage des Christkindlmarkts, ergänzt Mehner. Da ist er sich mit seinem Benediktbeurer Kollegen Anton Ortlieb einig. Im Klosterdorf hatte man den großen altbayerischen Christkindlmarkt in der Ortsmitte bereits vor Wochen verworfen, stattdessen plante man mit einer abgespeckten Variante im Gästepark hinter dem Rathaus. „Aber wir müssen auch das absagen“, sagt Ortlieb auf Anfrage. Eine Absperrung und eine Zugangsbeschränkung nach der 2G-Regel sei einfach nicht umsetzbar. „Wir haben auch gar nicht das Personal, das zu überwachen. Und auch die Vereine hadern damit“, sagt Ortlieb. Mit Blick auf die Zuspitzung der Lage in den Kliniken sei die Absage der richtige Schritt. „Aber es ist auch traurig, weil man den Geimpften ja irgendwann versprochen hat, dass es wieder mehr Freiheiten gibt.“

Verkaufsoffener Sonntag ist ohne Markt nicht möglich

Auch in Bad Tölz wird es anders als im vergangenen Jahr keine abgespeckte Variante mit einigen wenigen Hütten geben. „Es hat sich leider gezeigt, dass neben den vielen, die dieses Angebot verantwortungsbewusst nutzen, etliche Menschen sind, die die notwendigen Regeln ignorieren. Dieses Risiko werden wir heuer nicht eingehen“, so Mehner.

Ausfallen muss auch der verkaufsoffene Sonntag, den es immer am ersten Marktwochenende gab. „Ohne den Markt fehlt dafür die Rechtsgrundlage“, sagt Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach. Aber auch sonst würde man wohl darauf verzichten. „Es geht ja schließlich darum, Menschenansammlungen zu vermeiden“, verdeutlicht sie.

Christbaum am Winzerer-Denkmal wird am Mittwoch aufgestellt

Trotzdem soll in der Tölzer Marktstraße weihnachtliche Stimmung aufkommen. Am Mittwochnachmittag stellen Mitarbeiter des Städtischen Betriebshofs den großen Christbaum am Winzerer-Denkmal auf. Auch einen Krippenweg in den Schaufenstern in der Innenstadt wird es wieder geben. Zudem gebe es eine Fülle von Veranstaltungen – darunter zahlreiche Konzerte im Kurhaus –, deren Durchführung weiterhin möglich sei (siehe Kasten). Frey-Allgaier: „Damit können wir den Ausfall des Markts wenigstens ein Stück weit kompensieren und den Tölzerinnen und Tölzern sowie unseren Gästen eine stimmungsvolle Adventszeit bieten.“

Der Christkindlmarkt in Lenggries war bereits in der vergangenen Woche abgesagt worden. Einen Überblick über die Corona-Entwicklung im Landkreis gibt es hier.

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