Vor dem Lenggrieser Pflegeheim musizierten Bernhard Simon jun. und sen. zur Freude der Bewohner. 
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Vor dem Lenggrieser Pflegeheim musizierten Bernhard Simon jun. und sen. zur Freude der Bewohner. 

Corona Krise 

Musik überwindet die Isolation

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Ostern war heuer nicht so wie sonst. Durch Corona war es für viele Menschen sehr einsam. Daher überlegten sich einige Musiker aus dem Landkreis, wie sie mit schönen Klängen Menschen in Isolation eine Freunde machen konnten. 

Bad Tölz/Lenggries/Sachsenkam – Ostern nicht in der Gemeinschaft zu feiern, sondern jeder für sich daheim: Das ist vielen Menschen schwer gefallen. An mehreren Orten im Landkreis haben sich aber Menschen bemüht, zumindest über die Musik ein wenig Verbundenheit herzustellen – und inmitten einer schweren Zeit Freude vermittelt.

Die Lage der Bewohner von Seniorenheimen liegt aktuell der Josef und Luise Kraft Stiftung mit Sitz in München am Herzen. Sie will deren besondere Isolation in der Corona-Krise etwas durchbrechen und den Menschen ein Signal geben, „dass sie nicht vergessen werden“, wie Geschäftsstellenleiterin Marion Klement sagt. Die Stiftung organisiert daher „Mutmach-Konzerte“ vor Seniorenheimen. Die beiden ersten davon fanden am Ostermontag in Olching und am „Haus am Park“ in Bad Tölz statt.

Verbundenheit durch Musik an Ostern 

Für das kleine Tölzer Konzert hatte Marion Klement kurzerhand bei Michael Lindmair angefragt und bei ihm offene Türen eingerannt. Er holte sich seinen Musikerkollegen Hubert Neumüller von der „Sunnseitn Tanzlmusi“ dazu. Eigentlich sollen bei den „Mutmach-Konzerten“ nur je zwei Musiker auftreten – am Montag in Bad Tölz stieß allerdings kurzfristig noch Landrat Josef Niedermaier dazu. Mit seiner Klarinette begleitete er Lindmair und Neumüller, die beide Flügelhorn spielten und im Garten „boarische Volksmusik“ anstimmten, wie Lindmair berichtet.

Ein „Mutmach-Konzert“ gaben (v.li.) Michael Lindmair, Hubert Neumüller und Josef Niedermaier in Tölz. 

Wichtig bei so einem Auftritt der anderen Art ist freilich, dass die Instrumente laut genug sind, „damit man sie auch in dritten und vierten Stock noch hört“, stellt Lindmair fest. Denn selbstverständlich dürfen die Künstler die Einrichtungen nicht betreten, sondern müssen sich im Freien postieren. Die Bewohner des Heims lauschten von ihren Balkonen und Fenstern aus oder auch aus dem Speisesaal, dessen Fensterfront geöffnet war. Am Ende habe ein Zuhörer von oben gerufen: „Bei der Musik waren wir früher tanzen.“

Landrat Josef Niedermaier spielte mit Klarinette mit 

Auch für Lindmair und seine Mitstreiter war das „ein sehr schöner Moment“, sagt er – nicht nur weil sie etwas Fröhlichkeit vermittelten, sondern auch, „weil wir selbst wieder einmal für jemand anderen spielen konnten, nachdem seit Wochen jeder für sich allein üben muss. Das hat allen großen Spaß gemacht.“ Mit ihrem halbstündigen Konzert haben es die Tölzer sogar in eine kurze Sequenz des „heute journals“ geschafft: Das ZDF filmte mit.

Erhebende Klänge vor der Kulisse des Klosters Reutberg ließ Josef Kronwitter am Ostersonntag aus der heimischen Dachluke in Sachsenkam erklingen.

In Lenggries war es Birgitta Opitz, Vorsitzende des Vereins „Nur a bisserl Zeit“, die auf die Idee kam, Senioren eine klingende Osterfreude zu bereiten. Auf ihre Anfrage hin erklärte sich Blaskapellen-Dirigent Bernhard Simon sofort zu einem Auftritt im Garten des Pflegeheims bereit.

Zusammen mit seinem Sohn Bernhard jun. stimmte er auf dem Flügelhorn „heimatliche Weisen, was Almerisches“ an, wie er berichtet. Die Senioren und die Belegschaft hätten sichtlich Freude daran gehabt, und auch für ihn und seinen Sohn sei es „ein gutes Gefühl“ gewesen, „in diesen verrückten Zeiten mit wenig Aufwand etwas für die Menschen zu tun“. Musik könne da in den Herzen viel bewirken. Simons großer Wunsch ist freilich, dass bald wieder die Lenggrieser Blaskapelle in Vollbesetzung zu Konzerten im Pflegeheim-Garten anrücken kann – wie etwa einmal im Jahr üblich.

„Mutmach-Konzerte“ vor Seniorenheimen und Fanfaren aus der Dachluke zu Ostern

Bläserklänge waren am Ostersonntag auch in Sachsenkam zu hören. Hier hatte der Pfarrgemeinderat die Gläubigen dazu aufgerufen, zur der Zeit, in der normalerweise die Ostermesse gefeiert worden wäre, auf die Balkone und in die Gärten zu treten. „Unsere Hoffnung war, dass auf diese Art doch ein Gemeinschaftsgefühl aufkommt“, erklärt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Xaver Waldmann. Und das war für viele der Fall, als nach dem Glockengeläut um 9 Uhr an mindestens vier Stellen im Dorf Musikanten aus der heimischen Dachluke heraus, auf dem Balkon, im Garten oder auf dem Hof eine österliche Fanfare anstimmten und später „Christ ist erstanden“ und „Freude schöner Götterfunken“. Unter anderem war laut Waldmann auch Josef Kronwitter dabei, der Dirigent der Tölzer Stadtkapelle.

Trotz dieses schönen Moments blieb bei Waldmann persönlich an Ostern doch „ein bisserl bedrückte Stimmung“, weil das ihm das Kirchliche an dem Festtag fehlte. „Aber“, so seine Hoffnung, „im Nachhinein wird man vielleicht vieles schätzen, was man vorher als selbstverständlich voraussetzte, und auch den Kirchgang wieder mehr annehmen.“

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