„Ich gebe weiterhin mein Bestes“, sagt die Besitzerin der Tölzer Boutique „Wäsche & mehr“. Sabina Mikolasch stellt sich auf die neuen Regelen im Einzelhandel ein, die ab Donnerstag gelten.
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„Ich gebe weiterhin mein Bestes“, sagt die Besitzerin der Tölzer Boutique „Wäsche & mehr“. Sabina Mikolasch stellt sich auf die neuen Regelen im Einzelhandel ein, die ab Donnerstag gelten.

Auswirkungen der Pandemie

Corona-Notbremse für Tölzer Händler ein „herber Schlag“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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  • Felicitas Bogner
    Felicitas Bogner
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Wegen der anhaltend hohen Inzidenz bei den Neuinfektionen greift im Landkreis ab Donnerstag die „Corona-Notbremse“. Das heißt für de n Einzelhandel: In die Geschäfte dürfen nur Kunden, die einen negativen Test vorlegen. Die Geschäftstreibenden stellen sich auf erneute Umsatzeinbußen ein.

Bad Tölz – Die Erleichterung war Mitte März groß, als alle Geschäfte im Tölzer Land wieder Kunden in ihren Läden empfangen durften – erst relativ frei, dann mit Terminvereinbarung (wir berichteten). Doch die Einkaufsfreude währte nicht lange. Denn die Inzidenz-Werte steigen bundesweit an. Auch der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen riss von Sonntag bis Dienstag an drei aufeinander folgenden Tagen die 100er-Marke. Somit greift ab Donnerstag die „Corona-Notbremse“. Und das bedeutet nach den jüngsten Beschlüssen auch, dass Geschäfte nur noch Kunden hereinlassen dürfen, die einen aktuellen negativen Testnachweis vorlegen und vorab einen Termin vereinbart haben.

Befürchtung von Tölzer Händlern: Aufwand durch „Corona-Notbremsen-Verordnung“ für Geschäfte und Personal zu hoch

Gute Umsätze erwarten die Tölzer Händler nach dieser Regelung nicht. Florian Lipp, Inhaber des Kaufhauses Rid mit Filialen in Bad Tölz, Weilheim und Penzberg ist „deprimiert“. Sein Geschäft in Weilheim hat er bereits geschlossen, das Gleiche wird er mit dem Tölzer Kaufhaus tun, sobald die „Notbremse“ in Kraft tritt. „Es lohnt sich dann nicht mehr. Ich bräuchte zu viel Personal, und es werden weniger Kunden kommen, wenn ein kurzer Einkauf mit dem Testaufwand verbunden ist“, spekuliert Lipp. „Die Entscheidung ist mir wahrlich nicht leicht gefallen. Aber der Aufwand ist für Kunden und uns viel zu hoch. Ich sehe keine Möglichkeit, sinnvoll zu öffnen.“

Geschäftsmann aus Bad Tölz: „Das tut unserer Innenstadt extrem weh“

Christian Wiedemann, Inhaber der Parfümeriekette Wiedemann, sieht das ähnlich. Er ist zwar mit seiner Filiale in der Marktstraße nicht von der neuen Verordnung berührt, da er zu den „Geschäften des täglichen Bedarfs“ zählt, aber die Filiale in Starnberg hat er bereits erneut schließen müssen. „Dort ist das Sortiment etwas anders, daher sind wir dort auch betroffen“, sagt er. „Die neuen Regeln sind sicher als Erleichterung gedacht, da nach alter Verordnung bei einer Inzidenz über 100 nur Click & Collect erlaubt gewesen wäre.“ Trotzdem glaubt Wiedemann, dass das nicht viel bringe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass unter diesen Voraussetzungen viele Kunden kommen. Das tut unserer Innenstadt extrem weh.“ Klar sei, dass die Lage für viele Tölzer Händler ein „herber Schlag“ sei. Zusätzlich ist er der Auffassung, dass die Schließung des Einzelhandels nur „ein politisches Symbol“ sei. „Jeder hat ein Hygienekonzept, und man weiß, dass der Handel so kein großes Risiko birgt.“ Wiedemann hofft, dass die Stadt zentral eine Teststation installiert. „So könnte es sein, dass ein paar Kunden mehr einkaufen, wenn sie eine nahe Testmöglichkeit haben. Dass jemand für eine Besorgung zuvor extra zum Test auf die Flinthöhe fährt, bezweifle ich.“

Bad Tölz: Stadt reagiert auf Händler-Sorgen: Teststation am Isarkai in Planung

Die Hoffnung des Geschäftsmannes ist durchaus berechtigt: Damit die Kunden innenstadtnah eine Möglichkeit bekommen, einen Schnelltest zu machen, gibt es bei der Stadt Bad Tölz tatsächlich konkrete Überlegungen, eine Teststation einzurichten. Laut Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach ist geplant, dass der Betriebshof dafür eine Hütte, die sonst als Handwerkerstandl auf dem Christkindlmarkt zum Einsatz kommt, am Isarkai neben dem dortigen Kiosk aufstellt. Die Stadt sei dafür mit einem Betreiber in Gesprächen. Zum Stand von Dienstag konnte Otterbach aber noch keine Angaben dazu machen, an welchem Tag die Teststation in Betrieb geht, zu welchen Zeiten sie geöffnet hat und wie das Prozedere genau sein wird. „Es müssen noch Details geklärt werden, zum Beispiel in Sachen Infrastruktur“, sagt sie. „Und natürlich ist auch für uns entscheidend, welche Vorschriften jeweils aktuell gelten“, ergänzte sie mit Blick auf das geplante Gesetz zur bundesweiten „Notbremse“.

Bad Tölz: Händler gehen von drastischen Umsatzeinbußen aus

Sabina Mikolasch, Inhaberin der Damenboutique „Wäsche & mehr“ an der Tölzer Jägergasse, stimmt die Aussicht auf eine erneute Ladenschließung traurig. „Ich werde weiterhin mein Bestes geben, richte mein Schaufenster wieder fürs Window-Shopping her, fahre Bestellungen aus, biete Click & Collect an – und sollte jemand mit negativem Test einen Termin vereinbaren, freue ich mich natürlich, Kundinnen vor Ort empfangen zu dürfen“, sagt sie. Dabei ist ihr aber auch klar: „Den Aufwand werden nicht viele auf sich nehmen.“ Daher rechnet Mikolasch mit drastischen Umsatzeinbußen. „Wir können nur nichts ändern. Aber man sieht schon jetzt, dass die ersten Händler hier aufgeben müssen“, meint sie.

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