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Mit Pizza, Pasta und Salaten versorgt „Milano“-Wirt Raffaele Angelillo seine Kunden per Liefer-Service. Die Treue der Stammgäste ist für ihn wie für viele weitere Gastronomen aktuell der Strohhalm, nach dem sie greifen. 

Corona-Krise

Solidarische Gäste als Hoffnungsschimmer der Gastronomen 

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Restaurants und Gastronomiebetriebe im Landkreis leiden unter der aktuellen Krise enorm.  Mit Lieferservice, Abholangeboten und Drive-In-Stationen versuchen sie, sich über Wasser zu halten. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Restaurant-Türen sind nach wie vor geschlossen: Aufgrund der Corona-Krise können Gastronomen seit gut zwei Wochen niemanden mehr bewirten – zumindest nicht in ihren eigenen Räumlichkeiten. Viele Wirte sind jedoch kreativ geworden. Sie verwirklichen Ideen, um trotz der Schließung noch Schweinsbraten, Pizza und Co. an den Mann zu bringen und so wenigstens einige Einnahmen zu haben. Die Solidarität der Gäste ist jetzt ihr Hoffnungsschimmer.

„Papas Kesselhaus“ in Bad Tölz etwa bietet sowohl Lieferung an die Haustür, als auch Gerichte „to go“ an. Betreiber Ingo Kohls ist bisher recht zufrieden: „Das Angebot wird gut angenommen.“ Vieles sei trotzdem anders als normal. „Wir haben mittags und abends stärkere Stoßzeiten, als sonst. Da ist unser Lieferservice ausgelastet.“ Dennoch sei der Umsatz nicht mit dem normalen Geschäft zu vergleichen. Aber Kohls kämpft tapfer: „Vom Jammern wird es nicht besser. Man muss froh sein um das, was bleibt, und das Beste daraus machen.“

Nun ist laut Kohls die Zeit, dass alle die Ärmel hochkrempeln. Trotz der derzeitigen Einbußen blickt er zuversichtlich in die Zukunft: „Es wird auch eine Zeit nach Corona geben. Deutschlands Stärke war schon immer der Aufbau.“ Kohls geht davon aus, „dass es nach der Krise, für die Gastronomen, die es überlebt haben, wieder viel besser läuft“.

Auf dieser Karte, können Sie sehen, welche Gastronomiebetriebe im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen einen Abhol- und oder Lieferservice anbieten: 

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Guido Stocker, „Altwirt“ in Reichersbeuern bietet Gerichte zum Bestellen und Abholen an. Das Angebot werde „wesentlich besser angenommen als gedacht“, sagt er. „Wir sind von der Solidarität im Dorf sehr gerührt“, sagt er. Größere Veranstaltungen waren jedoch ein wichtiges Standbein des „Altwirt“. „Die fallen jetzt alle weg, genauso wie Aufträge von unserem Catering-Service“, erklärt er. Dies habe zwei Drittel seiner Umsätze ausgemacht.

„Deutschlands Stärke war schon immer der Aufbau“

Nicht viel anders sieht es beim „Altwirt“ in Lenggries aus. Das Inhaberpaar Ursula und Robert Werner hat nun die „Eingewöhnungsphase“ der Umstellungen hinter sich. „Der Arbeitsablauf ist sehr anders, aber mittlerweile sind alle gut eingespielt“, erklärt Ursula Werner. Dass der „gesamte Hotelbetrieb brachliegt“ verursache schwere Einbußen. „Wir sind dennoch froh, dass unsere Mitarbeiter motiviert anpacken und wir viele Stammgäste haben, die uns treu bleiben.“ Die Gerichte der etwas verkleinerten Karte können abgeholt oder für einen „symbolischen Euro“ geliefert werden. „Der Lieferservice ist komplettes Neuland für uns“, sagt Werner. „In diesen Zeiten muss man eben nach jedem Strohhalm greifen und hoffen, dass es bald wieder normaler zugehen wird.“

Gastronomen loben Solidarität der Stammkunden

Frische thailändische Küche bieten Robert Habel und sein Sohn Dominik Baumann im „Rim Tung“ in Tölz an. „Mehr schlecht als recht“ laufe das Geschäft momentan, so Baumann. „Wir haben trotz treuen Stammkunden bis zu 70 Prozent Verlust.“ Auch das „Rim Tung“-Team bietet einen Lieferservice an, doch dieser sei nicht sonderlich lukrativ. „Wir haben im Schnitt nur vier Fahrten pro Tag“, sagt Baumann. Zusätzlich fühle er sich von den Behörden im Stich gelassen. „Es ist alles kompliziert und undurchsichtig.“ Bisher konnte er für seine Mitarbeiter keine Kurzarbeit beantragen. „Wir rudern wirklich enorm, und ich weiß nicht, wie lange wir das noch durchhalten“, sagt der Gastronom.

Drive-In-Station beim „Arzbacher Hof“ für die Feiertage 

Irena und Raffaele Angelillo betreiben das „Milano“ mit Hotel in Bad Tölz. „Wir liefern nach Hause, oder unsere Kunden können bei uns das Essen abholen. Aber wir mussten die Karte sehr verkleinern“, sagt Irena Angelillo. Die Einbußen durch die wegfallenden Getränke und Hotelgäste seien fatal. Dennoch ist Angelillo voller Hoffnung, dass das „Milano“ die Krise übersteht. „Es sind harte Zeiten, wir können nicht mal unsere Kosten decken. Aber es wird schon irgendwie weitergehen.“

Der „Arzbacher Hof“ hat vorerst geschlossen. Nur vereinzelt, wie am Palmsonntag, Ostersonntag oder Ostermontag bieten die Wirtsleute Thomas und Michaela Linke einen Abholservice der besonderen Art an: eine „Drive In“-Station. Das habe ihnen zwar logistisch einiges abverlangt, aber der Aufwand habe sich gelohnt: „Am Palmsonntag war ein riesiger Ansturm“, sagt Michaele Linke. Das System: per Telefon bestellen und zu einer vereinbarten Zeit mit dem Auto abholen, ohne aussteigen zu müssen. Die Linkes haben „alles so professionell wie möglich“ gestaltet, sagen sie. Die Bestellungen werden von einer Bedienung mit Schutzausrüstung direkt an die Wagentür gebracht. Dazu bewiesen die Service-Damen Stilsicherheit: Mundschutz und Dirndlschürze im gleichen Muster.

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