Die Tölzer Geschäfte sind nur noch kurz offen: Das glaubt Peter von der Wippel von „Sport Peter“.
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Die Tölzer Geschäfte sind nur noch kurz offen: Das glaubt Peter von der Wippel von „Sport Peter“.

„Da rentiert sich das Lichteinschalten nicht“

Einkaufen nur mit Corona-Test: Geschäfte bleiben leer - „Den Schnelltest macht keiner“

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Auch in Bad Tölz gelten seit Donnerstag die verschärften Corona-Regeln, die das Einkaufen ist in vielen Geschäften nur noch mit negativem Schnelltest erlauben. Das hat Folgen.

Bad Tölz - Die Tölzer Marktstraße war wie ausgestorben, die Kunden konnte man an einer Hand abzählen. Verständnis dafür hat Ivonne Elsner, Filialleiterin im Tölzer Schuhhof: „Ich würde mich auch nicht testen lassen, nur um mal schnell einzukaufen.“ Daniela Meixner, Filialleiterin im Tölzer Unterwäsche-Geschäft Hunkemöller, lehnt an einem Dessousständer und unterhält sich mit Anja Lehmann, Inhaberin des Textilgeschäfts Cecil auf der anderen Seite der Marktstraße.

Corona: Schnelltest-Pflicht beim Einkaufen - „Alle Leute die da waren, musste ich wegschicken“

Abgesehen von den beiden Chefinnen ist niemand zum Unterhalten da. Kunden? Fehlanzeige. „Alle Leute, die da waren, musste ich wegschicken, weil sie kein Schnelltest-Ergebnis dabei hatten“, sagt Lehmann. Bis 14 Uhr hatte sich noch kein einziger Kunde in das Geschäft verirrt. Eine Kundin habe sich für den späteren Nachmittag einen Termin geben lassen. Auch sie will das Geschäft nicht betreten, sondern sich die Ware an der Tür übergeben lassen. „Wir sind zwar von 9 bis 18 Uhr da, aber das rentiert sich nicht“, sagt Lehmann.

Nicht besser sah es im Bekleidungsgeschäft Cecil aus. Mangels Kundschaft ist nur noch von 11 bis 15 Uhr offen, sämtliche Mitarbeiter hat Anja Lehmann nach Hause geschickt. „Den Schnelltest macht keiner“, stellte sie fest. Ein einziges Kleidungsstück hatte sie bis zum Nachmittag verkauft. Gleich, wie gering die Kundenzahl ist, will sie ihr Geschäft weiter offen halten, „denn mir gehört der Laden, und ich muss schauen, dass es irgendwie läuft“. Sie könne sich vorstellen, die Öffnungszeiten noch weiter zu verkürzen und ihre Handynummer ans Schaufenster zu hängen. „Wenn dann mal jemand einen Termin haben will, kann ich ja herkommen.“

Video: Wann mache ich einen Schnelltest?

Corona-Verschärfungen: Nur vereinzelt Click&Collect-Kunden in Buchgeschäft

Auf die Frage, wie viele Kunden heute schon da waren, antwortet Christine Gaßel von der Buchhandlung Rupprecht mit einem Lachen. Sie deutet ins Innere des Geschäfts: „Unsere ganzen Kunden drängen sich da hinten hinter der Ecke.“ Ernst fügt sie hinzu, tatsächlich komme niemand in den Buchladen, weil sich niemand extra für einen Einkauf testen lasse. Nur gelegentlich kämen Kunden, um ein im Internet bestelltes Buch abzuholen. Trotzdem steht für sie eines fest: „Wir werden das Geschäft offen halten, so lange wir dürfen.“

Kein einziger Kunde verirrte sich gestern zu Daniela Meixner ins Unterwäsche-Geschäft Hunkemöller.

Rekordhalter in Sachen Frequenz war der Tölzer Schuhhof, in dem bis zum Nachmittag drei Kunden einkauften. „Sehr bescheiden“, kommentiert Filialleiterin Ivonne Elsner. Wenn man die Personal-, Betriebs- und Mietkosten sehe, ergebe das Öffnen keinen Sinn. Auch sie könnte sich vorstellen, eine Telefonnummer ins Fenster zu hängen. „Wenn ein Kunde kommt, könnte ich ins Geschäft kommen – ich wohne ja nicht weit entfernt.“

„Die Kunden drängeln sich hinter der Ecke“: Christine Gaßel nimmt die Flaute bei „Rupprecht“ mit Humor.

Einkaufen mit Schnelltest: „So wie es jetzt läuft, rentiert sich das Lichteinschalten nicht“

Wie in alle Tölzer Geschäfte verirrten sich auch zu „Sport Peter“ so gut wie keine Kunden. „So wie es jetzt läuft, rentiert sich das Lichteinschalten nicht“, sagt Inhaber Peter von der Wippel. Dass der Großteil der Geschäfte komplett zu blieb, verbreitet seiner Ansicht nach zusätzliche Tristesse.

Etwas Besserung erhofft sich der Sportgeschäft-Inhaber, wenn die angekündigte Schnelltest-Station am Isarkai eröffnet wird: „Vielleicht spricht sich dann rum, dass man bei uns weiter einkaufen kann.“ Von der Wippel macht aus seiner kritischen Haltung keinen Hehl: „Wenn sich Merkel durchsetzt, bleibt das Öffnen mit negativem Schnelltest-Ergebnis eh ein kurzes Intermezzo. Aber nächster Woche wird dann komplett zugesperrt.“

Kein Schnelltest ist notwendig, wenn man einen Friseurbesuch plant – etwa bei Doris Paintingers „Hair & Flair“.

Es gibt aber auch viele Betriebe, in denen ein Besuch auch weiterhin ohne negatives Corona-Schnelltest-Ergebnis möglich ist – beispielsweise Supermärkte, Getränkeläden, Tankstellen, Drogerien oder auch Friseurgeschäfte. „Bei uns ändert sich im Vergleich zu den letzten Wochen gar nichts“, betont Doris Paintinger, Chefin im Tölzer „Hair & Flair“.

Gleichwohl stellt sie einen Rückgang der Kundenzahl fest. Grund dafür sei vermutlich die große Verunsicherung: „Die Leute fragen: Habt ihr noch offen? Wie lange habt ihr noch offen? Wann müsst ihr zusperren – es ist ein einziges Fragezeichen in den Köpfen der Menschen.“ Viele Leute hätten einfach „keinen Bock“ mehr und keine Lust einzukaufen. Und gerade ältere Menschen wüssten oft nicht, wo sie sich testen lassen können.

Ein Masken-Eklat gab es kürzlich in einer Gemeinderatssitzung in Greiling: Eine CSU-Politikerin wollte keine Maske tragen. Sie nannte auch einen Grund dafür.

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