Beschichteter Mantel, Brille, Maske, Visier: Mit dieser Schutzausrüstung macht die Benediktbeurer Apothekerin Maren Porzelt die Schnelltests.
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Beschichteter Mantel, Brille, Maske, Visier: Mit dieser Schutzausrüstung macht die Benediktbeurer Apothekerin Maren Porzelt die Schnelltests.

Gemischte Bilanz

Corona-Schnelltests: Apotheken teils überrannt, teils ignoriert

Während einige Apotheken in Bad Tölz-Wolfratshausen von der Nachfrage nach Corona-Schnelltests überrollt werden, haben andere das Angebot mangels Kundschaft schon wieder eingestellt.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Seit gut zwei Wochen dürfen die bayerischen Apotheken kostenlose Schnelltests für Bürger ohne Erkältungssymptome anbieten. Die St. Jakobus Apotheke in Lenggries war eine der ersten im Landkreis, die Schnelltests anbot. Pro Tag habe es nur ein bis zwei Anfragen gegeben, berichtet Chef Andreas Heinrich. Daher habe er das Angebot auslaufen lassen: „Für so wenige Leute rentiert sich der ganze Aufwand nicht. Die Bürokratie hat wieder mal gesiegt.“

Um starten zu können, ist erst mal eine sogenannte „Sachkunde-Schulung zur Durchführung von Antigen-Schnelltests“ notwendig, erläutert Heinrich. Ein paar hundert Euro müsse man für die Anmelde-Software einplanen. Hinzu kommen ein Schutzmantel mit Polypropylen-Beschichtung, eine FFP3-Maske, eine Schutzbrille, ein Schutzvisier, passende Handschuhe und diverse Anmelde-Formalitäten bei Behörden. Insgesamt sei die Schnelltest-Strategie nicht zu Ende gedacht, findet Heinrich: „Das gehört straffer und besser organisiert. Wir müssen schauen, wo wir Schutzkleidung und Tests herkriegen – die Apotheker werden wieder mal allein gelassen.“

In Apotheke in Benediktbeuern sind Schnelltest-Termine vor Ostern längst ausgebucht

Erst seit einigen Tagen werden Schnelltests in der Neuen Hofapotheke in Bad Tölz angeboten, daher gibt es noch nicht viele Erfahrungswerte. Momentan wird zwei Stunden vormittags getestet, nach Absprache sind auch Sondertermine möglich. Mitarbeiterin Karin Kühn hält das neue Angebot für sinnvoll, „denn damit erreicht man eine größere Gruppe an Menschen. Es ist praktisch, wenn man den Test mit einem Einkauf im Rewe oder Hagebaumarkt verbinden kann.“

In Benediktbeuern hat es sich schon längst rumgesprochen, dass nun auch die Marien-Apotheke Schnelltest anbietet: „Unsere Mädels sind derart von Anfragen überrannt worden, dass wir die Anmeldungen jetzt über die Homepage laufen lassen“, sagt Chefin Maren Porzelt. „Das funktioniert supergut.“ Schon seit Längerem seien alle Termine bis Ostern ausgebucht. Mehr als 70 Test-Termine pro Woche könne sie mit dem besten Willen nicht anbieten, „weil wir ja auch den normalen Apotheken-Betrieb aufrechterhalten müssen“. Porzelt würde liebend gerne noch mehr Testmöglichkeiten anbieten, aber dafür müssten sich Freiwillige melden, wie ehemaliges Pflegepersonal oder frühere Ärzte. Von der Gemeinde bekomme sie „totale Unterstützung“: „Der Bürgermeister würde uns sogar einen Raum zur Verfügung stellen, wenn die Sache noch größer wird.“ Nur eines findet sie bedenklich: Dass sie sich noch nicht impfen lassen durfte: „Da fragt keiner nach – aber wir machen die Tests trotzdem.“

Chef der Apotheke in Gaißach widmet sich nur noch dem Thema Schnelltest

Noch turbulenter geht es in der Michaelis-Apotheke in Gaißach zu. Chef Christopher Hummel hat sich komplett aus dem Alltagsgeschäft zurückgezogen, um testen zu können. „Wir werden überrannt. Jeden Tag kratzen wir an der 40er-Marke.“ Er erlebe viel Dankbarkeit, das Verantwortungsbewusstsein der Menschen sei deutlich zu spüren.

So richtig zufrieden ist er mit seiner Rolle trotzdem nicht: „Ich seh mich als Ergänzung und Notnagel, damit bei den Ärzten die Wartezimmer nicht vollaufen. Ich weiß nicht, ob es Sinn der Sache ist, dass es jetzt so läuft.“

Seiner Ansicht nach wäre es notwendig, dass beim Testzentrum auf der Flinthöhe das Personal erheblich aufgestockt und die Schlagzahl erhöht wird. Momentan sei es beispielsweise nicht möglich, sich dort am Wochenende testen zu lassen: „Dabei hätten da die meisten Leute Zeit.“ Ebenso notwendig sei auf der Flinthöhe ein Schnelltest-Angebot am Vormittag: „Aber das gibt es nicht. Und so kommen die ganzen Schulkinder zu mir.“ Laut Pressemitteilung des Landratsamt wurden in der vergangenen Woche auf der Flinthöhe 293 Schnelltests durchgeführt.

Ich habe schon einige infizierte Schüler rausgefiltert, die ohne Tests munter in die Schule reinspaziert wären.

Apotheker Christopher Hummel

Die gesamte Teststrategie betrachtet Hummel mit zwiespältigen Gefühlen: „Ich habe schon einige infizierte Schüler rausgefiltert, die ohne Tests munter in die Schule reinspaziert wären.“ Auf der anderen Seite sei kein Freund des Inzidenzwerts: „Es logisch, dass bei einer Test-Offensive die Inzidenzzahl steigt und es zu einem erneuten Shutdown kommt – „und das, ohne dass sich die Lage entscheidend verändert hat“.

Nach Ansicht von Florian Blickenberger, Chef der Isartal Apotheke in Bad Tölz, sind Schnelltests – neben Impfungen – die einzige Strategie, um erfolgreich durch die Pandemie zu kommen. Aus diesem Grund schiebt auch er Sonderschichten, bietet Tests nach 18 Uhr und an Wochenenden an: „Die Eishockeyspieler brauchen zum Beispiel am Sonntag einen Test.“ Ebenso sei am Sonntag eine Flugbegleiterin zu ihm gekommen, die von ihrem Arbeitgeber kurzfristig eingeteilt wurde. Mittlerweile gebe es in 20 Kilometer Umkreis von Bad Tölz 100 Möglichkeiten, einen Schnelltest durchführen zu lassen – von Testzentren über Apotheken bis hin Kinder- und Frauenärzten. Nach Blickenbergers Ansicht ein Schritt in die richtige Richtung: „Niederschwellige Angebote sind wichtig, sonst kriegen wir das nicht den Griff.“

Hier gibt’s Schnelltests:

Einen Überblick über die Schnelltest-Stationen im Landkreis gibt es auf www.lra-toelz.de/
coronatest-toelwor.

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