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Eingerichtet wurde die Praxis in Räumen des alten Wolfratshauser Krankenhauses an der Gebhardtstraße 2

Gerüstet für die zweite Welle

Corona-Schwerpunkt-Praxis für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen eingerichtet

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Im Landkreis gab es zuletzt nur noch eine Handvoll Patienten, die an Covid-19 erkrankt waren. Falls die Zahlen wieder steigen, ist der Landkreis aber gerüstet. In Wolfratshausen gibt es nun eine Corona-Schwerpunktpraxis.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Im Auftrag des bayerischen Gesundheitsministeriums richten alle Landkreise derzeit Corona-Schwerpunktpraxen ein. Diesen Plan von der Theorie in die Praxis umzusetzen – das war die Aufgabe der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK). „Wir haben aber nur die Location organisiert“, sagt Florian Streidl, der die taktische sowie organisatorische Leitung der FüGK hat. „Um die Ausstattung der Praxis hat sich die Kassenärztliche Vereinigung gekümmert. Organisiert wird das Angebot von unseren Versorgungsärzten.“

Allen voran zeichnet für die Organisation der Münsinger Arzt Dr. Jörg Lohse verantwortlich. Er stellte in seiner Heimatgemeinde schon einen Corona-Drive-in auf die Beine und kümmert sich nun zudem um die Schwerpunktpraxis. Unterstützung gibt es von den Versorgungsärzten Dr. Katja Greutelaers und Dr. Josef Hafner sowie anderen Ärzten und medizinischen Fachangestellten aus dem Landkreis. „Wir haben aber auch die Zusicherung der Kassenärztlichen Vereinigung, dass Bereitschaftsärzte einspringen würden, wenn wir Bedarf haben“, erklärt Lohse. 

„Wenn die zweite Welle kommt, sind alle wieder mit an Bord“

Dass sich nach anfänglichem Zögern doch ein gutes Dutzend Kollegen zur Mitarbeit bereit erklärt hat, finden die Mediziner erfreulich. Die ärztliche Vergütung liege knapp über dem Ehrenamt. „Es ist toll, dass meine Kollegen das machen“, so Hafner. Dass die Meldungen zu Beginn eher zurückhaltend waren, liege auch daran, dass die Zahl der Infizierten so weit zurückgegangen sei, ergänzt Greutelaers. „Wenn die zweite Welle kommt, sind aber alle wieder mit an Bord“, ist auch Hafner überzeugt.

Eingerichtet wurde die Praxis in Räumen des alten Wolfratshauser Krankenhauses an der Gebhardtstraße 2. Momentan gibt es dienstags und freitags am frühen Abend Sprechzeiten. Gedacht ist das Angebot für an Covid-19 erkrankte Menschen, die sich nicht an ihren Hausarzt wenden können – entweder, weil der keine geeigneten Räumlichkeiten hat, um die Erkrankten von den anderen Patienten zu trennen, oder weil er selbst der Risikogruppe angehört.

Anlaufstelle für Menschen, die gerade nicht zum Hausarzt können

Die Praxis soll aber auch eine Anlaufstelle für Menschen sein, deren Hausarzt gerade nicht greifbar ist. Beispiel: Jemand ist im Urlaub auf einem Campingplatz oder im Hotel und bekommt plötzlich Corona-Symptome. Nach der Versorgung durch den Ärztlichen Bereitschaftsdienst können auch diese Patienten in der Praxis behandelt werden.

Wichtig ist: Die Patienten können nicht selbst Termine in der Schwerpunktpraxis vereinbaren – das macht die Kassenärztliche Vereinigung oder der Hausarzt. Hier habe es anfangs ein paar kleine Probleme gegeben, sagt Lohse. Die Terminvereinbarung ging nur telefonisch zu den Sprechzeiten seiner Münsinger Hausarztpraxis. Eine Online-Lösung soll aber demnächst dafür sorgen, dass jederzeit Termine vereinbart werden können. Es sei gut, dass die Schwerpunktpraxis in einer ruhigeren Phase der Corona-Krise eingerichtet werde, so Lohse. „So haben wir Zeit, Probleme wie dieses zu lösen.“

Schwerpunktpraxis ist keine Ersatz-Drive-in-Abstrichstation

Wichtig ist Versorgungsarzt Hafner, dass das Angebot keine Ersatz-Drive-in-Abstrichstation sei. „Das würde den Rahmen sprengen. Wir wollen uns für die Patienten Zeit nehmen“, betont Lohse. Außerdem, ergänzt Versorgungsärztin Greutelaers, gebe es nach wie vor an den beiden Drive-ins im Landkreis „jeden Tag die Möglichkeit, Abstriche machen zu lassen“. Es gibt aber noch einen Grund, warum in der Schwerpunktpraxis nur in Ausnahmefällen Tests gemacht werden. Man wolle möglichst jeden Kontakt zwischen den nachweislich Erkrankten und möglicherweise doch gesunden Menschen vermeiden, erklärt Hafner. „Wir wollen die Kontaktketten nicht erweitern.“

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