Kerzen, Blumen, Vasen und Co.: Alles zur Dekoration der eigenen vier Wände ist seit Corona gefragter denn je, stellt Silvia Huber, Inhaberin des Tölzer Geschäfts Feinerlei, fest. foto: Hias Krinner

Einzelhandel

Nach Corona-Pause: Einige Geschäfte blühen - ein anderes muss schließen  

  • Felicitas Bogner
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Langsam kehrt wieder Leben in die Innenstädte ein. Während die einen Ladeninhaber sich über kauffreudige Kunden freuen, stockt bei anderen das Geschäft.

Bad Tölz/Lenggries – Während Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte und Drogerien während des gesamten Shutdowns geöffnet hatten, mussten andere Einzelhändler über Wochen ihre Türen schließen. Seit dem 27. April haben die meisten Geschäfte im Landkreis wieder offen.

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Martina Müller, Inhaberin der Lenggrieser „Blumengalerie“. Zu verdanken habe sie das nicht zuletzt „der Unterstützung unserer treuen Stammkunden“. Während der Schließung hatte die Blumengalerie Bestellungen ausgeliefert. „Im Werkstattmodus durften wir arbeiten“, erklärt Müller. Dies wurde auch angenommen. „Man sagt ja, Blumen trösten Herz und Seele, und das stimmt. Viele haben mittels Blumen anderen während der Kontaktbeschränkung eine Freude gemacht“, berichtet sie. Mittlerweile habe sich bei ihr alles „wieder weitestgehend normalisiert“.

Deko, Bücher und Sportzubehör erleben einen Boom

Die fünfwöchige Schließung habe ihn „hart getroffen“, sagt Horst Ledwina, Chef des Tölzer Sportfachgeschäfts Krätz. Nun aber freut er sich wieder über kauflustige Kunden. „Sport läuft zum Glück immer.“ Vor allem Outdoor-Artikel würden momentan weggehen wie warme Semmeln. „Inline-Skates sind zum Beispiel komplett ausverkauft.“ Auch bei Fahrrad- und Trekkingausrüstung sei die Nachfrage enorm gestiegen. „Das hat sich durch Corona etwas verschoben. Bei Fußballsachen geht momentan gar nix“, erklärt der Geschäftsinhaber.

Von einer Rückkehr zur Normalität kann er jedoch noch nicht sprechen. „Die Masken sind zwar wichtig, stören aber enorm. Sowohl uns, als auch die Kunden.“ Viele würden während des Einkaufens immer wieder das Geschäft verlassen, um frische Luft zu schnappen.

Ähnliches berichtet Silvia Huber, Inhaberin des Tölzer Dekorationsgeschäfts Feinerlei. „Wir kämpfen mit den Masken, aber ansonsten läuft es wieder super“, sagt sie. Ihr fällt auf, dass „viele Menschen es gerade in diesen Zeiten zu Hause schön haben wollen“. Dadurch sei die Nachfrage nach Dekorationsartikeln gestiegen. „Es läuft sogar ein bisschen besser als vor Corona“, freut sich die Geschäftsfrau. „Die Kunden kommen gern zum Stöbern.“

Keine Abschlussbälle und Hochzeiten: Katastrophe für Boutique

Auch das Interesse an Büchern sei seit dem Ausbruch der Pandemie gestiegen, bemerkt Petra Schenk, Inhaberin der Tölzer Buchhandlung Winzerer. An ihren Öffnungszeiten musste sie dennoch etwas ändern. „Wir haben seit der Wiedereröffnung eine Mittagspause. Die Arbeit ist intensiver geworden. Ich brauche jetzt extra Bürozeiten und eine Pause“, erklärt sie. Das Kundenverhalten habe sich etwas verändert. „Die Leute kaufen gezielter ein und stöbern weniger“, sagt sie. Dazu stellt sie immer noch ein geringeres Kundenaufkommen vor Ort fest. Doch der Online-Handel, den Schenk bereits vor Corona etabliert hatte, habe sich „sehr bewährt“. Auch der Bedarf an Schullektüre sei deutlich gestiegen.

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Weniger zufrieden ist Ewa Materak, Inhaberin der Boutique Modestudio an der Badstraße. „Die Leute sind nach wie vor sehr zurückhaltend. Viele wollen noch kein Geld ausgeben“, stellt sie fest. Materak ist auf Braut- und Abendmode spezialisiert. „Das ist jetzt eine Katastrophe, es gibt keine Abschlussbälle, keine Hochzeiten oder andere Feiern.“ 

Für Gewürzladen bedeutet Corona endgültig das Aus

Und auch in ihrer Änderungsschneiderei laufe es nicht wie gehabt: „Man merkt, dass die Menschen mehr Zeit haben. Wahrscheinlich setzen sich viele selbst an die Nähmaschine.“ Neben Abendmode verkauft sie T-Shirts, Kappen und Unterhosen mit witzigen bayerischen Sprüchen. Dies sei gerade bei Touristen immer „der Renner“ gewesen. Aber auch diese Kunden bleiben bei Materak aus. „Ich kämpfe gerade gewaltig, ich bin dabei, einen Online-Handel aufzubauen“, berichtet sie. Ob sie damit mehr Erfolg habe, sei nicht abzuschätzen. „Aber man muss aktuell alles probieren, um aus der Situation zu kommen“, sagt sie.

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Den absoluten Rest hat Corona Paula Pankofer gegeben. Seit Oktober 2017 führt sie in der Marktstraße das Gewürz- und Feinkostgeschäft Violas. Doch damit ist Ende Juni Schluss. „Corona hat den Zeitpunkt der Schließung bestimmt. Schon davor war es schwierig, aber als der Ostermarkt abgesagt worden ist, war es komplett vorbei“, schildert sie ihre Lage. Die Solidarität anderer Tölzer Händler habe sie sehr gerührt: „Viele haben meine Einrichtung und Dekoration abgenommen“, sagt sie. Einen Nachmieter hat Pankofer bisher noch nicht gefunden. „Wenn ich noch mehr Pech habe, dann gehe ich hier verschuldet raus.“

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