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Das Gesundheitsamt hat auf der Flinthöhe eine Drive-In-Teststation in Betrieb genommen. Das Foto zeigt Landrat Josef Niedermaier (re.) und Gesundheitsamtsleiter Dr. Stephan Gebrande im Gespräch. 

Auf der Flinthöhe

Corona: Tölzer Gesundheitsamt eröffnet Drive-in-Test-Station

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Es gibt viel Unsicherheit in der Bevölkerung. Wer sollte sich auf das Coronavirus testen lassen? An wen kann man sich wenden? Gesundheitsamt und Landratsamt haben nun eine Test-Station am Eisstadion eingerichtet. Die soll dafür sorgen, dass die Menschen, die wirklich getestet werden müssen, rasch einen Termin bekommen. Aber eben nur die.

Wer wird am Eisstadion getestet?

Bad Tölz - In einigen Landkreisen gibt es bereits Drive-in-Teststationen für Corona, jetzt zieht das Tölzer Gesundheitsamt nach. Am Eisstadion auf der Flinthöhe wurde ein entsprechender Bereich mit Planen und Gittern abgesperrt. Seit Donnerstag werden dort Patienten praktisch im Vorbeifahren getestet. Der Betroffene fährt mit dem Auto vor, kurbelt das Fenster herunter – „und der Mitarbeiter macht einen Abstrich an Nasenschleimhaut oder Rachen“, erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Stephan Gebrande.

Das Wichtigste: Es ist kein offenes Angebot. Nur wer einen Termin hat, wird getestet. Diesen Termin kann man nicht einfach vereinbaren. Er wird zugeteilt – und zwar nur den Menschen, die wirklich getestet werden müssten, erklärt Landrat Josef Niedermaier. Und wer ist das? „Begründete Verdachtsfälle“, sagt Gebrande. Das heißt, es geht um Menschen, die in einem Risikogebiet waren und Symptome haben oder die direkten Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall hatten und Symptome aufweisen. Wenn der Hausarzt einen Verdachtsfall an das Gesundheitsamt gemeldet hat, dann setzt sich dieses mit der betroffenen Person in Verbindung und vergibt einen Termin.

Direkte Kontaktpersonen ohne Symptome werden nur noch getestet, wenn sie beispielsweise im medizinischen Bereich arbeiten. Die Bevölkerung flächendeckend zu testen, sei einfach nicht leistbar, ergänzt Gebrande. „Die Ressourcen sind endlich. Wenn wir das jetzt flächendeckend machen, können wir irgendwann diejenigen, die es wirklich brauchen, nicht mehr testen.“

Es gehe darum, vor allem Erkrankte aus der Risikogruppe zu identifizieren, um die man sich sofort medizinisch kümmern müsse, sagt Niedermaier. „Ich verstehe die Sorgen der Bevölkerung. Aber ich appelliere auch an die Eigenverantwortung der Menschen.“ Das heißt: Wer in einem Risikogebiet war oder über zwei Ecken jemanden kennt, der positiv getestet wurde, aber keinerlei Symptome hat, sollte eben zu Hause bleiben und möglichst Kontakt zu Risikogruppen meiden, rät der Landrat.

Wer betreibt die Teststation?

Der Landkreis hat die Teststation unabhängig von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) auf den Weg gebracht. „Das war bislang eines der Probleme. Die Leute sollten den KV-Bereitschaftsdienst 116 117 anrufen und sind da gestrandet“, sagt Gebrande. Das soll jetzt alles rascher gehen. „Diejenigen, die wirklich Symptome haben, sollen möglichst sofort einen Testtermin bekommen.“ Bis zu 50 Abstriche pro Tag, schätzt der Gesundheitsamtsleiter, seien wohl möglich – allerdings nur, „weil wir niedergelassene Ärzte wie Herrn Dr. Reploh mit ins Boot geholt haben“, sagt Gebrande. Das habe „absolut unkompliziert“ funktioniert. „Es ist ein echter Lichtblick.“

Die Testungen würden dann umgehend an ein privates Labor verbracht. „Das heißt, wir bekommen jetzt die Ergebnisse – auch die negativen“, sagt Gebrande. Bislang haben seine Mitarbeiter mitunter Stunden am Telefon verbracht, um ein negatives Testergebnis zu erfragen. Wer nicht zur Station fahren kann, wird allerdings weiterhin auf einen Hausbesuch der Kassenärztlichen Vereinigung warten müssen.

Warum gibt es keine Ortsangaben?

38 positiv getestete Corona-Fälle gibt es im Moment im Kreis – alle mit leichten oder keinen Symptomen. Gerade in den sozialen Medien wird vehement eingefordert zu sagen, in welchen Orten die Patienten wohnen. Das Landratsamt lehnt das ab – vor allem mit Verweis auf die staatlichen Vorgaben, „das so anonym wie möglich zu behandeln“, sagt Gebrande. Es dürften keine Rückschlüsse auf die jeweilige Person möglich sein. „Positiv zu sein, ist ein Makel, wie früher bei der Pest. Es ist zu befürchten, dass es zu massivem Mobbing kommt.“ Niedermaier verweist zudem „auf die ärztliche Schweigepflicht“. Warum wurde aber im Fall des Geretsrieder Asylbewerbers eine Ausnahme gemacht? „Weil die Polizei vor Ort war und das Gebäude abgesperrt hat. Das haben viele mitbekommen. Den Leuten muss man erklären, was los ist“, sagt Niedermaier. Ortsangaben könnten Menschen aber in falscher Sicherheit wiegen: Nur weil in ihrem Heimatort niemand positiv getestet wurde, heiße das nicht, dass sie dort sorglos sein können.

Wo finden die Bürger Rat?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat eine Hotline eingerichtet unter 0 91 31/68 08-51 01. Am Landratsamt gibt es unter 0 80 41/50 55 95 ein Bürgertelefon – erreichbar Montag bis Freitag von 10 bis 14 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr. Etwa 120 Anrufe pro Tag gehen ein. An vier Apparaten nehmen Mitarbeiter diese an. Eine davon ist Petra Repinazky-Schmaltz, die sonst im Vorzimmer von Abteilung 3 sitzt. Was sind die häufigsten Fragen? „Was ist, wenn ich in einem Risikogebiet war? Was ist überhaupt ein Risikogebiet? Wo kann ich mich testen lassen?“, sagt Repinazky-Schmaltz. Die meisten Anrufer seien ruhig. Unmut bekommt sie selten zu spüren. Und wenn sie den Menschen mitteilt, dass sie für einen Test nicht infrage kommen? „Der eine Teil sagt dann: Na gut, dann geht es eben nicht. Der andere will wissen, an welche anderen Stellen er sich wenden kann.“ Hier werde klar kommuniziert, dass es keine anderen Anlaufstellen gibt, bei denen ein weiterer Vorstoß Sinn hat. Niedermaier bittet aber darum, die Informationen auf den Internetseiten von Landratsamt (www.lra-toelz.de) oder Robert-Koch-Institut (www.rki.de) anzuschauen. „Viele Fragen, die am Bürgertelefon kommen, werden dort beantwortet.“

Läuft denn alles rund?

Natürlich laufe nicht alles rund, sagt Niedermaier. „Aber wir lernen in dieser Krise jeden Tag dazu.“ Man dürfe nicht vergessen, „dass wir so eine Lage noch nie hatten“. Alle Mitarbeiter des Landratsamts – von den 20 im Gesundheitsamt bis hin zur Pressestelle – würden ihr Bestes geben. „Die Solidarität im Haus ist phänomenal.“

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