Rund zwei Millionen Tagesgäste zählt Tölz pro Jahr. 
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Rund zwei Millionen Tagesgäste zählt Tölz pro Jahr. 

Corona-Auswirkungen 

Wegen Corona: Tölz verliert 9 Millionen Euro

In einer Stadt wie Bad Tölz werden jährlich über 90 Millionen Euro Umsatz durch Gäste generiert. Der Corona-Lockdown schlug ein Loch in der Stadtkasse. 

Bad Tölz – Oft ist von der überragenden Bedeutung des Tourismus für eine Stadt wie Tölz die Rede. Ist das wirklich so? „Ohne Zweifel“, antwortet Bernhard Harrer von der Münchner Tourismusberatungsfirma dwif. Das Unternehmen hat im Auftrag der TI Bad Tölz eine Studie zum Jahr 2019 gemacht. Harrer stellte die Ergebnisse in einem Vortrag im Tölzer Stadtrat vor und unterfütterte seine Ausführungen mit vielen Zahlen.

Durchschnittlich 91 Millionen Euro durch Touristen pro Jahr 

Die wichtigste davon: Der Tourismus generierte in Tölz einen Brutto-Jahresumsatz von 91 Millionen Euro. Das sind zehn Prozent mehr als 2009. Harrer rechnete vor, dass Tölz allein in den Corona-Monaten März und April rund neun Millionen Euro Umsatz verloren hat.

Wer profitiert von den Umsätzen am meisten? Das Gastgewerbe mit 44,2 Millionen (rund 50 Prozent), das Dienstleistungsgewerbe (23,6) und der Einzelhandel (23,3), gab Harrer die Antwort. Interessant: Für die Übernachtungsgäste ist das Gastgewerbe am wichtigsten, für die Tagesgäste der Einzelhandel. Peter von der Wippel (FWG) fragte nach, ob auch Besucher aus den Nachbarkommunen zu den Tagesgästen gerechnet werden? Das bejahte Harrer.

Gastgewerbe profitierte immer am meisten 

Apropos: Rund 350 000 Übernachtungsgäste hat die Stadt 2019 gezählt. Dem gegenüber stehen rund zwei Millionen Tagesgäste. „Darauf kann Tölz stolz sein“, meinte Harrer. Ohne diese Tagesgäste fehlten viele Umsätze. Für 48 Prozent des Gesamtumsatzes, also fast die Hälfte, sind nämlich Tagesgäste verantwortlich.

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Zusammen zählte Harrer 2,53 Millionen Aufenthaltstage in Tölz. Hinzu kommen übrigens noch rund 170 000 Übernachtungen bei Einheimischen. Diese Zahl werde oft unterschätzt, sagte der Touristikexperte, weil diese Verwandte und Freunde als Multiplikatoren „wichtiges Empfehlungsmarketing“ für Tölz leisten.

Ein durchschnittlicher Wohnmobilist, der in Tölz hält, gibt 50 Euro am Tag aus 

Tagesgäste geben, so die dwif-Erhebung, im Schnitt rund 22 Euro aus. Die in der Regel gut situierten Camper liegen bei 50 Euro, Logiergäste in Privatquartieren bei 84 Euro. Gastronomie, Dienstleister und Einzelhandel sind aber nur die sogenannte erste Umsatzstufe. Dahinter stünden in der zweiten Reihe beispielsweise Handwerk, Bauunternehmen, Großhandel, Banken und Brauereien, die indirekt Umsatz generierten. „Tourismus ist die klassische Querschnittsbranche.“

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Bernhard Harrer nannte noch weitere aufschlussreiche Zahlen: In Tölz würden 1320 Personen durch den Tourismus ihr Primäreinkommen beziehen. Das beträgt im Schnitt pro Kopf rund 35 000 Euro im Jahr. Von den 91 Millionen Euro Umsatz gehen neun Millionen als Mehrwertsteuer und weitere rund 30 Millionen als Einkommensteuer weg. Der Rest, über 50 Millionen Euro, werde zu Gehältern, Löhnen und Gewinnen.

Aus all den Zahlen destillierte Bernhard Harrer eine klare Botschaft an die Tourismusstadt Bad Tölz: nämlich neue und kreative Angebote am Markt zu schaffen. Zielgruppenorientierung und gezielte Marktforschung seien zudem wichtig. „Der Kunde ist schließlich der beste Berater.“ Auch die Mitarbeiter müssten ständig geschult und motiviert werden. „Was wir nicht brauchen, ist das Robinson-Crusoe-Syndrom, das Warten auf Freitag.“ Mitarbeiter müssten die Dienstleistungsmentalität verinnerlicht haben. Der Rat des Fachmanns: „Gehen Sie da voran!“

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