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„Corona und Schule – Was haben wir daraus gelernt?“ Diskussionsrunde der Jungen Union

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Von: Elena Royer

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Die stellvertretende JU-Kreisvorsitzende Adriana Geier (stehend) begrüßte (v. re.) Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber, Gerhard Waschler, bildungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion und Susanne Arndt, Vorsitzende des Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport, zur Diskussionsrunde.
Die stellvertretende JU-Kreisvorsitzende Adriana Geier (stehend) begrüßte (v. re.) Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber, Gerhard Waschler, bildungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion und Susanne Arndt, Vorsitzende des Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport, zur Diskussionsrunde. © Pröhl

„Corona und Schule – Was haben wir daraus gelernt?“ Zu diesem Thema lud die Junge Union Bad Tölz-Wolfratshausen am Dienstagabend zu einer Diskussionsrunde in den „Kolberbräu“. Zu Gast war Gerhard Waschler, bildungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Wir haben diese Veranstaltung im August geplant“, sagte die stellvertretende JU-Kreisvorsitzende Adriana Geier zu Beginn der Veranstaltung. „Damals haben wir daran gezweifelt, ob das Thema Corona und Schule jetzt überhaupt noch aktuell ist. Aber die Infektionszahlen steigen und steigen.“ Auf der einen Seite, so Geier, sei Corona eine Bewährungsprobe für die Schulen gewesen, auf der anderen eine Zäsur. „Wir müssen uns jetzt fragen: Wie kann es weitergehen? Was nehmen wir aus der letzten Corona-Phase mit? Welche Lehren zieht man?“

Schnelle Digitalisierung durch Corona kein Segen sondern Notwendigkeit

Diese Punkte griff Waschler auf. „Was tun wir unseren Kindern mit Homeschooling an?“, fragte er. „Sie haben gebettelt, in die Schule gehen zu dürfen.“ Aber man müsse die Menschen schützen. Bei der Digitalisierung gab es viel Nachholbedarf. „Wir hätten das alles nicht so schnell auf den Weg gebracht, wenn es durch die Pandemie nicht nötig geworden wäre.“ Aber das sei kein Segen gewesen, sondern schlicht eine Notwendigkeit.

Auch hätten die unterschiedliche Qualität und Quantität des Lernens, die sich während Corona ergaben, zu gesellschaftlichen Veränderungen geführt. „Ein gemeinsamer pandemiefreier Unterricht in Präsenz ist nicht zu toppen“, weiß Waschler als Gymnasiallehrer. „Deswegen muss man trotz Corona versuchen, für die Schüler in Zukunft das Bestmögliche zu entwickeln.“ Wenn die Pandemie nächstes Jahr abgehakt werden könnte, so Waschler, wäre er der glücklichste Bildungspolitiker.

Wer kümmert sich künftig um die IT?

Im Anschluss gab es die Möglichkeit zur Diskussion. Ein Zuhörer wies darauf hin, dass es mit der Anschaffung der Tablets für die Schüler nicht getan sei. Es müsse sich auch jemand um die IT und die Geräte kümmern. „Das können die PC-Betreuer an den einzelnen Schulen nicht. Somit schafft man etwas an, was dann verrottet“, gab der Mann zu bedenken. Bürgermeister Ingo Mehner, der unter den Zuhörern war, plädierte dafür, die Systeme zentral und landesweit zu betreuen. Landtagsabgeordneter und Kreistags-Fraktionschef Martin Bachhuber (CSU) ging noch einmal auf einen Vorschlag von JU und CSU ein, der bereits im Kreistag vorgestellt worden war (wir berichteten): „Kleine Gemeinden werden sich nie einen eigenen IT-Betreuer leisten können, deswegen braucht es eine GmbH oder einen Zweckverband, damit wir ein einheitliches System bekommen. Wir schauen gerade, wie so etwas bei uns umsetzbar ist.“ Ein vergleichbares Modell hatte der Landkreis Traunstein mit der Chiemgau GmbH auf den Weg gebracht.

Förderprogramm „Brücken bauen“ schöne Idee, aber Umsetzung funktioniert nicht

Das Förderprogramm „gemeinsam Brücken bauen“ der bayerischen Staatsregierung, das pandemiebedingte Nachteile bei Schülern ausgleichen soll, prangerte ein anderer Zuhörer an: „Auf dem Papier ist es zwar eine schöne Idee, aber es funktioniert nicht.“ Als Beispiel nannte er eine Mathe-Förderung, die die Schüler anstatt ihrer Mittagspause wahrnehmen konnten, bei der aber nicht einmal eine Mathe-Lehrkraft anwesend war. Wie die Förderung umgesetzt wird, das könne nicht von oben angeordnet werden, erklärte Waschler. „Das muss über die Schulaufsicht gehen und von denen hieß es: Wo Bedarf war, konnte man was machen. Jedoch gab es oft keine fachlichen Lehrer“, räumte er ein.

Eine Zuhörerin hat Schule in der Corona-Zeit „als unglaublich passiv erlebt. Wenn Eltern eine gute Idee hatten, hieß es: Das darf man nicht“, sagte sie. Die vergangenen eineinhalb Jahre seien das totale Chaos gewesen, so die Mutter. Waschler wollte wissen, welche gute Idee vom Kultusministerium abgelehnt worden sei. Es habe sich um eine morgendliche Konferenz gehandelt, die ein Lehrer aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht abhalten wollte, berichtete die Zuhörerin. Dem stimmte eine andere Mutter zu: „Bei uns in der Schule war es genau so.“ Der Politiker bot an, diesen Fällen nachzugehen „Das sollte und darf so nicht sein.“ Es seien aber Einzelfälle. Darauf ging auch Susanne Arndt, Vorsitzende des Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport, ein: „Das ist ganz unterschiedlich in Bayern. Es gibt tolle Schulleiter, und es gibt das Gegenteil. Ich habe auch mitbekommen, dass Eltern was auf den Deckel bekommen haben, weil sie die Schule ,verraten‘ haben.“

„Tun alles, dass Präsenzunterricht bleibt“

Am Ende meldete sich noch eine Schülerin zu Wort: „Ich stelle mir die Frage, wie es für uns weitergeht“, sagte sie. „Wir wollen in der Bildung nicht hinterherhinken. Wie schaut die Politik darauf, dass wir mitgenommen werden?“ Waschler versprach ihr: „Wir tun alles Menschenmögliche, dass der Präsenzunterricht bleibt. Ich hoffe, dass die aktuelle Welle in ein paar Monaten nur ein böser Traum war.“

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