Jachenau/Bayern: Maskenpflicht im Biergarten: Wirtin gibt nach Gäste-Beschwerde Konter - und tritt Facebook-Debatte los
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Viele Biergärten sind wieder gut besucht, Personal und Gäste halten sich zumeist auch an die aktuellen Hygienevorschriften. In einem Fall im Landkreis entwickelte sich daraus jetzt aber ein Konflikt (Symbolfoto)

„Vielleicht noch 20 Schilder aufstellen...“

Maskenpflicht im Biergarten: Wirtin gibt nach Beschwerde klaren Konter - und tritt prompt Facebook-Debatte los

  • Andreas Steppan
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Die Maskenpflicht in Biergärten und Gaststätten ist längst Alltag. Doch nicht alle Gäste sind einsichtig. Eine Jachenauer Wirtin machte sich dazu auf Facebook Luft.

  • Zur Eindämmung des Coronavirus gilt in Biergärten und Gaststätten in Bayern Maskenpflicht.
  • Nicht alle Gäste halten sich jedoch an die Regelungen. 
  • Eine Jachenauer Wirtin machte dazu ihrem Ärger Luft - und trat damit eine Facebook-Debatte los.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf der Facebook-Seite des Gasthofs zur Jachenau geht es rund: Über 94 Kommentare stehen unter einigen Zeilen, die Wirtin Petra Schwaab dort veröffentlicht hat. Viel Zustimmung erfährt das Gastro-Team – wird aber mitunter auch übel beschimpft.

Anlass ist eine Beschwerde von Gästen, die Petra Schwaab publik gemacht und im selben Atemzug auch zurückgewiesen hat: Die drei Männer reiferen Alters hatten beim Biergarten-Besuch nach eigenen Angaben „vergessen, unsere Nasen-Mundmasken anzulegen“. Nun beklagen sie sich über die Art und Weise, wie sie der Kellner zum Eingang zurückgeschickt habe, „damit wir dort die Maske anlegen und dann wieder in den Biergarten kommen“. Das sei „unangemessen und kundenunfreundlich“ gewesen.

Jachenau: Gäste beschweren sich über Erinnerung an Maskenpflicht in Biergarten - Wirtin gibt Kontra

Die Wirtin gibt auf Facebook Kontra: „Vielleicht sollten wir noch 20 Schilder aufstellen, damit auch der letzte versteht, welche Regelungen in der Gastronomie einzuhalten sind, damit wir wieder eröffnen konnten. Ihr Verhalten, sämtliche Regeln zu ignorieren, erinnert mich doch sehr an den Kindergarten.“

Vom Tölzer Kurier auf den Schlagabtausch im sozialen Netzwerk angesprochen, steht Petra Schwaab zu ihren Worten. Es gebe nun einmal Regeln. Gäste müssen am Eingang zum Biergarten einen Mundschutz tragen, dort warten und sich zum Platz führen lassen. Die Schilder mit den Vorschriften seien nicht zu übersehen. Für ein paar Schritte beim Rein- und Rausgehen einen Mundschutz zu tragen, sei auch nicht zu viel verlangt, findet die Gastronomin. „Unsere Kellner tragen den ganzen Tag Maske, auch bei 30 Grad im Schatten.“ Das Verhalten der Männer sei „respektlos und gefährdend gegenüber unserem Personal und anwesenden Gästen“ – und sich dann auch noch zu beschweren, „eine Frechheit“.

Jachenau: Wirtin wird auf Facebook deutlich: „Dass Bedienungen ständig Polizei spielen müssen, ist lästig“

Dennoch seien bei 200 Gästen pro Tag im Schnitt 35 dabei, die in dieser Hinsicht „ein bisserl rumzicken“ – vorzugsweise Menschen im Alter von 55 aufwärts – ausgerechnet diejenigen, die selbst als Corona-Risikogruppe auf besonderen Schutz angewiesen seien. „Dass unsere Bedienungen – genauso wie viele Mitarbeiter im Einzelhandel – da ständig Polizei spielen müssen, ist auf die Dauer anstrengend und auch kindisch“, sagt Petra Schwaab. „Und beim 30. Mal ist man dann eben nur noch höflich und nicht mehr freundlich.“

Die Reaktionen auf ihren Facebook-Post hätten ihr gezeigt, dass viele Gäste ihr Rückendeckung geben und es etlichen Kollegen ähnlich geht. „Das hat mich sehr gefreut.“ Über die bösen Kommentare, teils auch von Corona-Leugnern, regt sie sich nicht auf. „Es ist Facebook, da darf man nicht empfindlich sein“, meint sie. Sie habe auch einige aggressive persönliche Nachrichten erhalten. Wenn sie dann ganz sachlich geantwortet habe, seien die Verfasser aber erstaunlich zahm geworden. „Und wenn jemand aus Offenburg schreibt, dass er nie wieder zu uns kommt, denke ich mir bloß: ,Du wärst doch sowieso nie in die Jachenau gekommen.‘“

Bad Tölz: Nach Erinnerung an Maskenpflicht: Gast macht auf dem Absatz kehrt

Konflikte wie dieser kommen auch andernorts vor – sind aber offenbar nicht in allen Gaststätten an der Tagesordnung. „Vielleicht gibt es mal einen, der es nicht einsieht – aber insgesamt sind unsere Gäste sehr diszipliniert und verständnisvoll“, berichtet Monika Poschenrieder vom „Forellenhof Walgerfranz“ in Bad Tölz. Viele Gäste seien ja auch froh, dass die Hygieneregeln eingehalten würden, um beim Restaurantbesuch ein gutes und sicheres Gefühl zu haben. Und praktisch alle würden einsehen, dass weitere Lockerungen in Zukunft nur dann möglich werden, wenn jetzt alle weiterhin die Regeln befolgen. „Das hat sich schon alles eingespielt und stößt auch auf Akzeptanz“, sagt die Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands.

Auch „Schweizer-Wirtin“ Barbara Hipp aus Lenggries erinnert sich nur an einen Fall, in dem sie einen Gast auf die Regeln hinweisen musste und dieser dann auf dem Absatz kehrt machte. „Das war dann aber sein Problem“, findet die Gastronomin. In aller Regel gebe es keine Schwierigkeiten, die Gäste seien „sehr vernünftig“, und das sei gut so: „Schließlich wollen wir alle wieder aus dieser Situation rauskommen.“

Maskenpflicht im Biergarten: „Wir sind ja froh, dass wir überhaupt wieder aufmachen durften“

Auch im Wolfratshauser Wirtshaus Flößerei erlebt Inhaber Dominik Tabak keine großen Diskussionen. „Natürlich kommt es schon mal vor, dass ein Gast ohne Maske hereinkommt, einfach weil er es nicht auf dem Schirm hat“, sagt er. Die entsprechenden Hinweise des Personals würden dann aber ohne Murren befolgt. Auch habe sich noch kein Gast geweigert, seine Personalien einzutragen.

„Hin und wieder muss man mal einen kleinen Hinweis geben – aber lautstark aufgeregt hat sich darüber noch kein Gast“: Das ist auch die Erfahrung von Doreen Oberhauser vom Gasthof Oberhauser/Hotel zur Post in Egling. „Mittlerweile haben sich ja alle daran gewöhnt“, meint sie. Und über die Regeln gebe es ja auch nichts zu diskutieren. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, und wir sind ja froh, dass wir überhaupt wieder aufmachen durften.“

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