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Trotz Ausgangsbeschränkung wegen Coronavirus: volle Wanderparkplätze in Urfeld am Walchensee

Corona-Krise

Ausflügler-Andrang bleibt am Wochenende aus: „Vernunft hat gesiegt“

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    Andreas Steppan
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In Bayern gelten Ausgangsbeschränkungen. Dennoch ist der Andrang - besonders bei gutem Wetter - von Ausflüglern auf den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen enorm. Das war am vergangenen Wochenende zum ersten Mal anders.

  • Nicht alle lassen sich durch die Coronavirus-Krise von Ausflügen abbringen. 
  • Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bereitet das den Bürgermeistern große Sorgen.
  • Besonders betroffen ist die Gemeinde Kochel am See. 

+++ UPDATE 3. APRIL +++

An Wochenenden wie dem vergangenen erdrücken sich normalerweise die Ausflügler auf dem Weg in Richtung Berge. Doch dieses Mal war alles anders. Die meisten Menschen hätten sich vorbildlich verhalten, schreibt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in einer Pressemitteilung. Insgesamt wurden im Zuständigkeitsbereich über 20 000 Kontrollen durchgeführt. Dabei wurden 2151 Verstöße festgestellt. Ein Augenmerk lag auf den Motorradfahrern. Hier lobt die Polizei die Biker: Am Kesselberg musste die Kontrollgruppe Motorrad nur einen einzigen aufgrund einer verbotenen Ausflugsfahrt anzeigen. Im Karwendel hingegen trafen die Polizisten zwei Camper an, die dort ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Nach einer Aufforderung durch die Polizei kehrten sie nach Hause zurück.

Nach Orten aufschlüsseln lassen sich die Kontroll-Zahlen nicht, sagt Polizeisprecher Stefan Sonntag auf Anfrage. Ein paar Details gibt es aber doch: So habe die Polizeiinspektion Bad Tölz am Sonntag 143 Kontrollen durchgeführt und dabei 27 Verstöße gegen die Ausgangsbeschränkungen festgestellt. Im Bereich der Polizei Kochel gab es bei 39 Kontrollen neun Verstöße – in Wolfratshausen bei 81 Kontrollen nur drei Verstöße. „Die Zahlen sind gering, die allermeisten halten sich dran“, sagt Sonntag. „Das Wetter hat ja geradezu dazu animiert rauszugehen. Aber die Vernunft hat gesiegt. Dafür sagen wir auch Danke.“

Verhältnismäßig wenig los sei in Kochel gewesen, sagt Bürgermeister Thomas Holz. „Weniger als erwartet an einem so sonnigen, warmen Frühlingstag.“ An den Parkplätzen sei allerdings immer noch genügend losgewesen. Grundsätzlich aber sei die Strategie der Polizei aufgegangen. „Alleine die Ankündigung, dass verschärft kontrolliert wird, hat wohl schon etwas gebracht.“ Das sei allerdings nur eine Momentaufnahme. „Das schöne Wetter kommt jetzt erst.“ Auch unter der Woche seien zuletzt die Parkplätze sehr voll gewesen. „Und – auch wenn man es nicht so richtig fühlt – es sind jetzt Ferien.“

Das vergangene Wochenende habe als eine Art Indikator gedient. „Wir haben die Hoffnung, dass die Leute sich solidarisch zeigen und daheim bleiben.“ Er könne sich nur wiederholen: „Wir freuen uns über unsere Tagesgäste – aber eben nicht gerade jetzt.“

In Bad Tölz ging am Samstag und Sonntag zum ersten Mal ging eine von der Stadt eingesetzte Streife im Stadtgebiet umher – um die Polizei zu unterstützen. „Es gab einige Gespräche mit Passanten“, berichtet Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach auf Nachfrage. „Aber in der Regel waren alle sehr kooperativ.“

Überprüft wurden etwa bei größeren Gruppen, ob diese tatsächlich aus einem Haushalt stammten. War dies nicht der Fall, waren die Angesprochenen schnell bereit, die Gruppe aufzulösen. Etwas schwieriger war dies nur bei einer Gruppe Obdachloser, die sich zusammengefunden hatte. Die Sicherheitsleute könnten Platzverweise aussprechen und in schwierigen Fällen die Polizei hinzuziehen.

Im Großen und Ganzen fällt das Fazit aber positiv aus: „Ich denke, es ist bei den Menschen angekommen“, sagt Otterbach. „Dafür ein großes Lob.“

Je nach Wetter werden die Kontrollen von Karfreitag bis Ostermontag fortgesetzt. „Auch unter der Woche gibt es eine Streife von unserem Ordnungsamt“, sagt Otterbach. Die habe das vorbildliche Verhalten der Menschen beim Wochenmarkt und an der Posthauptstelle gesehen: Überall werde sehr rücksichtsvoll Abstand gehalten.

Auch Polizeisprecher Sonntag kündigt an, dass die Kontrollen weitergehen. „Gerade jetzt werden wir konsequent einschreiten.“ Man sei angesichts der weiterhin steigenden Covid-19-Infektionszahlen noch nicht in einem Bereich, in dem man Nachsicht üben könne. „Es geht darum, Leben zu retten.“

+++ UPDATE 3. APRIL +++

An beliebten Zielen wie Kochel- und Walchensee, in den Isarwinkler Bergen, am Starnberger See oder in der Pupplinger Au wird für das Wochenende wieder reger Ausflugsverkehr erwartet – beziehungsweise befürchtet. In einer seiner Videobotschaften, die er täglich im Internet veröffentlicht (lra-toelz.de), ruft nun Landrat Josef Niedermaier auf: „Halten wir durch, bleiben wir zu Hause!“ 

Es sei „kaum zu fassen“, so Niedermaier: „Sobald das Wetter schön ist, füllen sich die Parkplätze an unseren Bergen und Seen.“ Da die meisten Ausflügler aus dem Großraum München kämen, „habe ich das Thema bei meinen dortigen Landrats- und Bürgermeisterkollegen angesprochen“. Da es gelte, Infektionen mit dem Coronavirus zu vermeiden, appelliert der Landrat: „Denken Sie auch an die Beschäftigten in den Kliniken und in der Pflege! Tun auch Sie das Ihrige! Gehen Sie gerne allein an die frische Luft, aber machen Sie keine großen Ausflüge.“ Im Landkreis seien Besucher und Ausflügler immer willkommen – „aber bitte nicht jetzt!“ 

Zu Wort meldet sich auch die Bayerische Oberlandbahn. „Unter normalen Umständen freuen wir uns natürlich über gut besuchte Züge“, erklärt Geschäftsführer Fabian Amini. „Wir appellieren unter den gegenwärtigen Umständen jedoch eindringlich an unsere Fahrgäste: Bitte prüfen Sie vor der Fahrt, ob sie angesichts der Ausgangsbeschränkungen möglich und notwendig ist.“ Und Amini ergänzt: „Wenn möglich, stellen Sie am besten Ihren Ausflug zurück – im Sinne Ihrer Gesundheit und der Ihrer Mitmenschen.“ 

Die BOB kündigt an, einen Sicherheitsdienst einzusetzen, um „zum Schutze aller“ die geforderten Abstandsregeln beim Einsteigen und in den Zügen zu kontrollieren.

+++ Bericht vom 31. März: +++

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Ausflügler-Andrang am vergangenen Wochenende war trotz Corona-Krise und Ausgangsbeschränkungen groß. Das bereitet mehreren Bürgermeistern im Landkreis großes Kopfzerbrechen. Sie sind nun mit Landrat Josef Niedermaier übereingekommen, dass er diese Sorgen an die Staatsregierung heranträgt.

Besonders betroffen war zuletzt die Gemeinde Kochel am See: Wie berichtet waren viele Wanderparkplätze am Kesselberg voll. Bürgermeister Thomas Holz berichtet darüber hinaus, dass zum Beispiel in Pessenbach zahlreiche Autos entlang der B 11 standen – von dort aus lässt sich zu einer beliebten Tour Richtung Rabenkopf aufbrechen. Am Jochberg seien Dutzende Menschen gleichzeitig am Gipfel anzutreffen gewesen, wie Holz zu Ohren kam.

Trotz Corona-Krise: Dutzende von Menschen am Jochberg-Gipfel

„Außerdem hatten wir die Situation, dass sich Einheimische nicht mehr in den Supermarkt getraut haben, weil der Parkplatz so voll war – mit Autos mit den Kennzeichen Starnberg, Ebersberg, München und ähnliches.“ Er könne verstehen, dass viele Bürger vor Ort sauer seien. „Sie sagen: ,Wir halten uns an die Ausgangsbeschränkungen und bleiben drinnen, und dann kommt halb München an den Kochelsee.‘“

Corona im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Angst, dass Lage in den Osterferien noch brisanter werden könnte 

Er habe das Thema daher in einer täglichen Telefonkonferenz der Landkreis-Bürgermeister mit dem Landratsamt angesprochen, berichtet Holz. Seine Sorge, dass die Lage in den kommenden Wochen bei steigenden Temperaturen, wachsendem „Lagerkoller“ und zu den Osterfeiertagen noch brisanter werden könnte, würden seine Amtskollegen aus den besonders betroffenen Gemeinden Jachenau, Lenggries, Gaißach und Münsing teilen. Das wolle Landrat Niedermaier nun „nach oben“ weitergeben.

Holz selbst würde ein staatliches Ausflugsverbot begrüßen. Wie genau es ausgestaltet werden sollte, das müsse man sich noch dataillierter überlegen. „Aber es sollte auf jeden Fall klare Regeln geben.“ Einige norddeutsche Bundesländer würden es schon vormachen und zum Beispiel an den Zufahrtsstraßen Richtung Nord- und Ostsee „konsequent kontrollieren“, damit die Strandorte nicht von Hamburgern überrannt werden. Die bisherigen Appelle von Politik und Polizei „sind zwar gut und schön“, findet Holz, „aber offenbar halten sie einen großen Teil der Menschen nicht ab“.

Es war nicht anders zu erwarten: Schon am frühen Vormittag herrscht am Vatertag dichter Ausflugsverkehr im Landkreis Miesbach. Die Polizei ist vorbereitet.

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