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Coronavirus: „Bemühen uns, besorgte Bürger zu beraten“

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Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

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In Italien gibt es derzeit besonders viele Corona-Fälle. Das Foto zeigt einen Fahrrad-Fahrer mit Mundschutz in Mailand.
In Italien gibt es derzeit besonders viele Corona-Fälle. Das Foto zeigt einen Fahrrad-Fahrer mit Mundschutz in Mailand. © dpa

Etwa 30 Anfragen pro Tagen gehen derzeit beim Tölzer Gesundheitsamt zum Thema Coronavirus ein. Der Leiter Dr. Stephan Gebrande erklärt, was jetzt zu beachten ist.

Bad Tölz-Wolfratshausen – In den norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien stehen wegen des Coronavirus’ ganze Gemeinden unter Quarantäne. Im baden-württembergischen Göppingen wurde das Virus bei einem 25-Jährigen nachgewiesen, der sich offenbar im Italienurlaub damit angesteckt hatte. Gerade jetzt zum Ende der Faschingsferien, wenn viele aus dem Italienurlaub zurückkehren, ist die Verunsicherung bei Reisenden groß. Dr. Stephan Gebrande, Leiter des Gesundheitsamtes, erklärt im Interview, was jetzt zu beachten ist und wo Ratsuchende Hilfe finden.

Leiter des Gesundheitsamtes im Kurier-Interview 

Herr Gebrande, in den kommenden Tagen reisen viele Urlauber aus Italien zurück. Was müssen Urlauber beachten, die in Venetien oder der Lombardei waren?

Als Risikopersonen gelten aus Italien kommend nach derzeitigem Stand nur Menschen, die sich in der Provinz Lodi in der Region Lombardei oder der Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien aufgehalten haben. Alle anderen Regionen Italiens sowie andere Länder in Europa gelten nach aktuellem Stand nicht als Risikogebiet (Update 10. März: Mittlerweile gilt ganz Italien als Risikogebiet). Wenn sich jemand in den letzten 14 Tagen in diesen Risikogebieten aufgehalten hat, sollte er das Gesundheitsamt kontaktieren. Es erfolgt eine individuelle Befragung, um das Risiko einschätzen zu können und um Maßnahmen festzulegen. Wer sich nur im Risikogebiet aufgehalten hat, aber keine Symptome wie Husten und Fieber aufweist, zählt als Kontaktperson Kategorie II. Diese Personen werden nicht unter Pflichtquarantäne gestellt, sie sollten aber regelmäßig ihre Symptome beobachten, auf Händehygiene und Hustenetikette achten und Sozialkontakte meiden.

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Dr. Stephan Gebrande © privat

Und wenn jemand Symptome hat?

Wenn sich jemand in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat und Symptome entwickelt, muss das Gesundheitsamt informiert werden und eine Abklärung beim Hausarzt erfolgen. Zur Terminvereinbarung sollte die Person vorher mit dem Arzt telefonisch Kontakt aufnehmen, damit der Arzt entsprechende Maßnahmen ergreifen kann, um zu verhindern, dass sich Menschen in der Praxis anstecken können.

An wen können sich Reisende im Landkreis wenden, wenn sie zwar keine Krankheitssymptome haben, aber besorgt sind?

Im Gesundheitsamt sind wir bemüht, alle besorgten Bürger telefonisch zu beraten. Die Telefonnummer lautet 0 80 41/505-483. Aufgrund der vielen Anfragen bitten wir jedoch, sich zuerst auf den Internetseiten des RKI (www.rki.de) sowie der WHO zu informieren. Es wurden gute Informationen zu den gängigsten Fragen zusammengestellt, die in den meisten Fällen zur Beruhigung beitragen können. Zudem gibt es vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelüberwachung eine Hotline unter 0 91 31/68 08-51 01.

Jeder der in den letzten 14 Tagen in Risikogebieten war, sollte das Gesundheitsamt kontaktieren 

Gibt es im Gesundheitsamt bereits Anfragen von Bürgern zum Thema Corona?

Aktuell rufen etwa 30 Personen pro Tag mit Fragen zum Thema Corona an.

Kann man sich eigentlich prophylaktisch testen lassen?

Eine prophylaktische Testung, die sich viele besorgte Bürger wünschen, wird nicht empfohlen. Die Labore, die eine Corona-Testung anbieten, arbeiten bereits unter Hochdruck. Die Zahl an Verdachtsfällen und Kontaktpersonen wird wahrscheinlich in den nächsten Tagen bis Wochen ansteigen, weswegen alle verfügbaren Ressourcen auf diejenigen Personen konzentriert werden sollten, die ein tatsächliches Risiko haben.

Prophylaktische Testung wird nicht empfohlen 

Sollte es im Landkreis tatsächlich irgendwann den ersten Fall von Corona geben, gibt es einen Notfallplan? Und wenn ja, wie sieht der aus?

Seit dem Ausbruch des Coronavirus stehen wir vom Gesundheitsamt Bad Tölz-Wolfratshausen im stetigen Kontakt mit dem Gesundheitsministerium, mit dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelüberwachung (LGL) sowie mit Krankenhäusern, dem Katastrophenschutz und dem leitenden Notarzt. Es gibt genaue Handlungsrichtlinien durch das Robert-Koch-Institut, wie Corona-Patienten getestet, in Krankenhäuser transportiert und isoliert werden müssen. Da es für die Influenza schon entsprechende Pläne gibt und das Coronavirus dem Grippevirus in seinen Auswirkungen sehr ähnelt, können auch diese herangezogen werden.

Gab es denn eigentlich schon einen Verdachtsfall im Landkreis?

Ein konkreter Verdachtsfall lag bislang nicht vor. Ein Test bei einer Kontaktperson wurde jedoch durchgeführt. Das Ergebnis war sowohl beim ersten als auch zweiten Abstrich negativ.

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