Kreativ in der Krise: Sabine (li.) und Evi Sziedat haben in ihrem Benediktbeurer Friseursalon den Übungspuppen pflanzliche „Lockdownfrisuren“ verpasst. Nun freuen sie sich darauf, endlich wieder mit Menschen und echten Haaren zu arbeiten.
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Kreativ in der Krise: Sabine (li.) und Evi Sziedat haben in ihrem Benediktbeurer Friseursalon den Übungspuppen pflanzliche „Lockdownfrisuren“ verpasst. Nun freuen sie sich darauf, endlich wieder mit Menschen und echten Haaren zu arbeiten.

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Lockdown-Ende in Bayern: Diese Branchen machen am 1. März wieder auf

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Nach vier Monaten im Lockdown dürfen einige Branchen in Bayern ab März ihre Betriebe wieder aufnehmen. Eine Zusammenfassung aller Leistungen finden Sie hier.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Als ich erfahren habe, dass wir wieder aufmachen dürfen, habe ich gleich alle Scheren zum Schleifen gebracht.“ Sabine Sziedat, Inhaberin des Friseursalons „Hairg’richt“ in Benediktbeuern, hat sich auf die Wiedereröffnung nach dem Lockdown voller Vorfreude vorbereitet. Sie sei enorm erleichtert, endlich wieder Kunden empfangen zu dürfen, sagt sie. Ebenso haben offenbar ihre Kunden dem großen Tag entgegengefiebert. Bis Ende März seien „fast alle Termine schon vergeben“, sagt Sabine Sziedat.

Ende des Corona-Lockdowns: Fünf Tage Vorbereitungszeit für Kosmetikstudios

Die vergangenen Tage habe sie die Kunden abtelefoniert, die während der Lockdownzeit Termine gehabt hätten. „Es haben sich alle sehr gefreut, dass ich auf sie zugekommen bin“, sagt sie. „Und dann sind natürlich die drangekommen, die keinen Termin hatten, und Neukunden.“ Organisatorisch sei das viel Arbeit gewesen. „Aber uns ging es da natürlich besser als den Kosmetikstudios“, sagt die Friörin. „Die haben von der Eröffnung total spontan erfahren.“

Ina Dyballa zum Beispiel hatte nur fünf Tage Zeit, alles für die Wiedereröffnung ihres Lenggrieser Kosmetikstudios „Kleine Träumereien“ herzurichten. „Zum Glück hatte ich das gesamte Equipment bereits da“, sagt sie. Seit 2. November stand ihr Studio leer. „Die Zeit habe ich genutzt um umzuräumen.“

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Fürs Erste ist sie nun gut gebucht. „Viele Stammkunden wollten gleich einen Termin haben, dazu sind noch einige gekommen, die Gutscheine geschenkt bekommen haben.“ Man merke, dass die Verunsicherung groß sei, wie lange die Studios offen bleiben dürfen.

Auch Alexandra Greß, Inhaberin des Tölzer Kosmetikstudios „Hautnah“, merkt: „Die meisten Kunden drängen nach der langen Schließung auf einen zeitnahen Termin.“ Daher sei viel zu tun gewesen, was die Koordination betreffe. Generell freut sich die Kosmetikerin aber, wieder zu starten. „Während des Lockdowns haben zwei Studios im Landkreis geschlossen“, sagt Alexandra Greß. „Das ist für die Inhaber natürlich schlimm. Aber ich freue mich auch sehr über neue Kunden.“

Nach Ende des Lockdowns: Bau- und Gartenmärkte haben alles saisonal hergerichtet

Im Hagebaumarkt Schneider in Bad Tölz liefen die Vorbereitungen wenige Tage vor der Eröffnung „auf Hochtouren“, so Marktleiter Christian Kerndl. Im Lockdown seien 90 Prozent der Belegschaft in Kurzarbeit gewesen. Ab März können alle wieder wie gewohnt zur Arbeit. Wichtig sei es gewesen, den Laden „saisonal herzurichten“. Sprich: die Garten-, Grill- und Campingausstellung aufzubauen. „Dazu füllen wir alle Regale auf, und das komplette Gartencenter muss stehen“, sagt Kerndl. Mit einer Eröffnung zum 1. März habe der Marktleiter zwar nicht gerechnet. Aber: „Wir waren gut in der Zeit. Da ich auf eine Eröffnung am 8. März spekuliert habe, hat uns der Beschluss nicht aus heiterem Himmel getroffen.“

Groß ist die Erleichterung auch im Gartencenter Holzmann in Bad Heilbrunn. „Wir ziehen unsere Frühlingsware ja selbst, es wäre schlimm gewesen, wenn die mühsam hergezogenen heimischen Pflanzen verdorben wären“, erklärt Inhaber Jürgen Kling. Die Zwischenlösung Call & Collect sei nämlich „nur äußerst mäßig“ angenommen worden. Daher sei die Eröffnung nun „existenziell notwendig“. Mit vereinten Kräften wurde die vergangenen Tage alles vorbereitet: „Ich habe die Mitarbeiter auch geschult, wie alles mit Blick aufs Hygienekonzept abzulaufen hat“, erklärt Kling. Ähnlich lief das bei Sabine Sziedat ab. „Wir sind unser Konzept gemeinsam durchgegangen und haben noch einmal gründlich durchgeputzt.“

Dass sie nach vielen Wochen Zwangspause plötzlich wieder die Türen aufsperren darf: Das hat Stephanie Jäger, Geschäftsleiterin des Tölzer Blumenladens Wetterstetter, überrascht. „Aber natürlich positiv“, sagt sie. Click & Collect sei keine Dauerlösung gewesen. „Der Kundenkontakt geht dabei total verloren.“ Sie habe nun die Bestellung deutlich aufgestockt und die Ladenfläche für Ostern dekoriert. „Jetzt stellen wir noch draußen vorm Geschäft Pflanzen auf“, berichtet sie. Die kurze Vorlaufzeit sei kein großes Problem gewesen. „Wir arbeiten ja vorwiegend mit frischer Ware, zwei Wochen vorher hätten wir da sowieso nicht viel mehr machen können.“

Trotz Ende des Corona-Lockdown: An Musikschulen erst mal nur Einzelunterricht

Auch Musikschulen dürfen ab sofort wieder im Präsenzunterricht mit ihren Schülern üben. „Darauf haben wir gebrannt“, meint Harald Roßberger, Leiter der Musikschule Bad Tölz. Doch die kurze Vorbereitungszeit sei eine Herausforderung gewesen. „Es gab viel zu klären. Beispielsweise mussten wir große Räume für die Lehrkräfte organisieren, die Blasinstrumente oder Gesang unterrichten, also wo Masken nicht möglich sind“, erklärt Roßberger. Die Terminfindung hingegen habe kein Problem dargestellt. „Wir haben während des Lockdowns 99 Prozent aller Schüler Online-Unterricht gegeben, und diese Zeiten bleiben.“

Generell ist ab heute nur Einzelunterricht möglich. Die Big Bands und die Chöre müssen sich also noch gedulden – ebenso könne noch keine musikalische Früherziehung stattfinden, erklärt der Musikschulleiter. Aber die Freude über den Präsenzunterricht überwiege aktuell – bei Schülern und Lehrern. „Über die Online-Variante waren wir froh“, sagt Roßberger, „aber das ist einfach nicht mit normalem Unterricht zu vergleichen. Ich bin erleichtert, dass wir uns davon wieder verabschieden können.“

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