Abgesagt, erstmals seit 76 Jahren: Die Leonhardifahrt in Bad Tölz.
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Abgesagt, erstmals seit 76 Jahren: Die Leonhardifahrt in Bad Tölz.

Wegen Corona-Pandemie

Erstmals seit 76 Jahren: Tölzer Leonhardifahrt 2020 ist ersatzlos abgesagt

Nun ist der Corona-Pandemie auch das wichtigste Tölzer Kirchen- und Brauchtumsfest zum Opfer gefallen. Die Tölzer Leonhardifahrt, zu der alljährlich bis zu 20.000 Besucher kommen, wurde von der Stadt ersatzlos abgesagt.

  • Die Tölzer Leonhardifahrt 2020 ist von der Stadt abgesagt.
  • Tölzer Bürgermeister Ingo Mehner: „Rechtlicher Rahmen für Großveranstaltungen ist nicht gegeben.“
  • Bis zu 20000 Besucher sind nicht kontrollierbar, sagt die Stadt.

Bad Tölz - Die Entscheidung war allgemein schon lange erwartet worden. Die Stadt als Organisator der Tölzer Leonhardifahrt hatte eine endgültige Absage aber immer noch hinausgezögert und mit den zwischenzeitlich positiven Fallzahlen der Corona-Pandemie argumentiert. Seit Donnerstagabend steht fest: Es wird keine Tölzer Leonhardifahrt 2020 geben.

Bund-Länderbeschluss erlaubt bis Jahresende keine Großveranstaltungen

Da tagte nämlich hinter verschlossener Tür der Leonhardiausschuss. Zu diskutieren, so sagt Bürgermeister Ingo Mehner, „gab es allerdings nicht mehr viel“. Der rechtliche Rahmen gebe es derzeit nicht mehr her, eine solche Großveranstaltung mit bis zu 20000 Besuchern durchzuführen. Seit dem 27. August gebe es einen Bund-Länder-Beschluss, wonach Großveranstaltungen nicht erlaubt sind. Der gelte, so das Stadtoberhaupt bis zum 31. Dezember. Damit sei klar gewesen, dass die Leonhardifahrt nicht stattfinden wird. Es werde auch kein kulturelles Rahmenprogramm geben.

Erste Wallfahrtsabsage seit 76 Jahren

Für Ingo Mehner wäre es die erste Leonhardifahrt als Bürgermeister gewesen. Mit „traurig“ sei wohl am besten beschrieben, was er und die vielen Mitwirkenden der Tölzer Wallfahrt, die seit 1856 stattfindet, empfinden . In all den Jahren ist die Wallfahrt nur zu den Kriegszeiten ausgefallen, also das letzte Mal vor 76 Jahren. Selbst als eine Pferdeseuche vor 30 Jahren einmal wütete, fand die Wallfahrt statt. Diesmal sieht die Rathausspitze nicht nur wegen dem fehlenden rechtlichen Rahmen keine Alternative für eine Absage. „Wenn ich mir vorstelle“, sagt Mehner, „dass die Schulbesuche auf Messers Schneide stehen, und da geht es 25 Kinder im Klassenverband, dann brauche ich nicht über eine Wallfahrt mit 10000 bis 20000 Besuchern nachdenken.“ Das sei unkontrollierbar. Mehner hadert also nicht mit der Entscheidung. „Es geht halt nicht anders.“

Ein bisserl Leonhardi geht nicht!“

Bürgermeister Ingo Mehner

Die Stadt beschäftigt sich seit dem Frühjahr mit dem Thema Leonhardifahrt. Auch wäre organisatorisch durchaus auch jetzt noch die Durchführung möglich gewesen, beteuert Mehner. Kurzzeitig hat man auch abgespeckte Varianten überlegt. Doch ,so sagt der Bürgermeister, „wir können nicht ein bisserl Leonhardi machen. Das geht einfach nicht“.

Wird der „Tölzer Nationalfeiertag" nun gar nicht stattfinden. Es wird keine Pferde , keine Wallfahrt und kein Zusammenkommen von Stadt und Land geben. Aber der Todestag des hl. Leonhard wird "so wie seit Jahrhunderten" gefeiert werden, sagt der Stadtpfarrer Peter Demmelmair. Es wird einen Gottesdienst geben. Natürlich würden da alle Hygieneauflagen (Abstand, Masken) erfüllt werden. Nähere Details stehen aber noch nicht fest.

Auch in Benediktbeuern keine Wallfahrt

Auch in Benediktbeuern wird es heuer „definitiv keine Leonhardifahrt geben“. Das teilte am Freitagnachmittag Bürgermeister Toni Ortlieb mit Verweis auf die rechtlichen Bestimmungen mit. Auch im Klosterdorf werde stattdessen eine Messe stattfinden.
Von Christoph Schnitzer

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